Ministerium rechnet mit bis zu 53 Millionen für Sanierung des Pingusson-Baus

Früheres Kultusministerium : Pingusson-Bau kann 53 Millionen Euro kosten

Experten sollen jetzt Vergleichsrechnungen für Neubau und Dauer-Mietlösung für ausgelagertes Kultusministerium erstellen.

Seit mittlerweile fünf Jahren steht das „schmale Handtuch“, wie der unter Denkmalschutz stehende Pingusson-Bau an der Saarbrücker Stadtautobahn genannt wird, weitgehend leer. Das Stahlskelett wackelt, muss gestützt werden, die angegriffene Betonfassade bröckelt stark.

Die 250 Mitarbeiter des Kultusministeriums haben das Hochhaus 2014 verlassen. Sie sind jetzt in dem ehemaligen Postgebäude in der Trierer Straße untergebracht. Der Steuerzahler überweist dafür eine Jahreskaltmiete von mehr als 1,2 Millionen Euro. Der Mietvertrag endet voraussichtlich 2024. Denn das Ministerium soll, so steht es in einem Beschluss des Ministerrates aus dem Jahr 2016, nach der Sanierung des in den 50er Jahren ursprünglich als Sitz der französischen Botschaft erbauten Hauses wieder zurück an seine frühere Wirkungsstätte ziehen. Grundsätzlich hat der Ministerrat damals unter Vorsitz der früheren Regierungschefin und Ex-Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) festgehalten, „dass eine Sanierung unter der Voraussetzung der Finanzierbarkeit angestrebt werden sollte“.

Ist dieses Mammutprojekt „Komplettsanierung“ für das finanzschwache Saarland aber überhaupt finanzierbar? Ursprünglich war einmal für die reine Beton- und Fassadensanierung von etwa 25 bis 30 Millionen Euro die Rede. Jetzt liegen Kalkulationen der obersten Baubehörde auf dem Tisch. Innen- und Bauminister Klaus Bouillon (CDU) bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass demnach nach heutigem Stand von Gesamtkosten von mindestens 41 Millionen Euro für das Komplettprogramm (Beton, Fassade, Dämmung, Technik einschließlich Lüftung) auszugehen sei. Es sei aber heute bereits klar, dass dieser Kostenrahmen nicht ausreichen werde, da Planungen und Vergaben von einzelnen Gewerken europaweit ausgeschrieben werden müssten. Bouillons Bauleute haben mit einem Zeitrahmen von fünf bis sechs Jahren für die Sanierung gerechnet. Was wiederum bedeutet: Mit jedem Jahr steigen wahrscheinlich die Kosten. Bei einem Preisindex von vier Prozent jährlich stehen dann unter dem Strich 46,6 Millionen Euro. Bei einer Preissteigerung von fünf Prozent im Jahr und einem Risikozuschlag von zehn Prozent, weil in der vorhandenen Substanz gebaut werde, wird eine Summe von 53 Millionen Euro für den Zeitraum 2025/2026 errechnet. Bouillon dazu: „Das erscheint mir realistisch.“ Und er weist darauf hin: Legt bei einer Ausschreibung ein unterlegener Bieter Widerspruch ein, dauere es länger und werde wahrscheinlich teurer.

Bouillon erwartet im Herbst eine so genannte Wirtschaftlichkeitsberechnung des Karlsruher Ingenieur-
büros IKL. Diese Experten sollen Vergleichsrechnungen erstellen. Was kostet ein Abriss und ein Neubau? Was kostet es den Steuerzahler, wenn das Kultusministerium auf Dauer in Miete an der alten Post bleibt? Liegt diese Expertise vor, will er umgehend den Ministerrat informieren. Der hat bereits 2016 festgehalten, dass er eine Entscheidung erst treffen will, wenn eine „intensivierte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung“ samt Finanzierungsmodellen vorliegt. Der Landesrechnungshof, der bereits 2013 bei den Planungsaktivitäten interveniert hatte, soll zudem die Wirtschaftlichkeitsberechnung auf den Prüfstand stellen.

Bouillon selbst macht aus seiner „privaten Meinung“ derweil keinen Hehl: „Wir müssen entscheiden, ob wir das wenige Geld, das wir haben, in die Erinnerung an einen namhaften Architekten stecken oder ob wir nachhaltig in die Zukunft investieren? 53 Millionen Euro sind kein Pappenstiel.“

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