Militär übt unter realen Bedingungen

Militär übt unter realen Bedingungen

Rückweiler/St. Wendel. "Los, los, los!" Mit Sonnenbrille und dem Maschinengewehr fest im Griff rennen die Soldaten keuchend zu den sechs Raketenabschussrampen. In nur knapp 30 Minuten muss die komplette Ausrüstung des Siebten Luftabwehrbataillons abgebaut sein. Captain Timothy Hines treibt seine müden und erschöpften Männer seiner Batterie an

Rückweiler/St. Wendel. "Los, los, los!" Mit Sonnenbrille und dem Maschinengewehr fest im Griff rennen die Soldaten keuchend zu den sechs Raketenabschussrampen. In nur knapp 30 Minuten muss die komplette Ausrüstung des Siebten Luftabwehrbataillons abgebaut sein. Captain Timothy Hines treibt seine müden und erschöpften Männer seiner Batterie an. Er weiß, dass sie am liebsten nach Hause möchten. Doch die schwer ausgerüsteten Soldaten halten durch. Eine Kolonne aus Kaiserslautern mit rund 500 US-Soldaten und mehr als 200 Fahrzeugen hatte in der vergangenen Woche die Landkreise Birkenfeld, St. Wendel und Kusel erreicht. Auf einem Feld vor der Ortschaft Rückweiler hatten Captain Hines und seine rund 40 Soldaten ihre flecktarnüberzogenen Zelte aufgeschlagen. Nato-Gebiet.Herzstück: Kommunikation Stromversorgung, Radar, Luftraumüberwachung und das Herzstück, das Kommunikationszentrum: Die Männer müssen lernen die "Big Four", die großen Vier, perfekt zu beherrschen. Übertönt von dem lauten Rattern des Generators fährt die hohe Antenne ein. Drei Soldaten strecken sich über den Spiegel des Radars, um die Abdeckplane festzuziehen. Langsam senken sich auch die Raketenabschussrampen. Raketen gibt es keine zu verpacken. Die Großübung sei notwendig, um die Einsatzbereitschaft des Bataillons zu gewährleisten, hatte Sergeant Major Rod Beach in der Kommandozentrale der Großübung erklärt. Unter "realen" Bedingungen trainiere die Einheit die Teamfähigkeit, um auf die Luftabwehrmissionen vorbereitet zu sein. Da die Gefechte simuliert werden, kommt keine scharfe Abwehrmunition zum Einsatz. Die US-Army betont, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen dem Manöver und der Errichtung des umstrittenen Raketenabwehrschildes in Polen und Tschechien. Die stählernen Standfüße werden eingezogen. Dreck spritzt aus den Profilrillen der großen Räder des Kommunikations-Trucks. Das Militärfahrzeug gräbt sich in den schlammigen, aufgeweichten Boden. Das Feld gleicht einem Acker. Die Soldaten versinken mit ihren Stiefeln im Matsch. Schnell, aber besonnen geben sie den Fahrern Anweisungen. Motoren dröhnen und blasen die Abgase in die Luft. Endlich geschafft! Langsam wie in Zeitlupe setzen sich die Militärfahrzeuge in Bewegung, kämpfen sich Zentimeter um Zentimeter vorwärts. Auf geht es zum nächsten Stützpunkt. Gleiches Spiel. In der Manöver Kontrollzentrale, der MCC, in Baumholder sitzt George Vanderveen an dem runden Kommando-Tisch. Zwei Helfer stehen dem Verbindungsoffizier zur Seite, um die Übung koordinieren. Sie bilden die zentrale Ansprechstation für Kommandeure, Polizei und Rettungsdienste. Ohne die MCC laufe die Übung alles andere als glatt, weiß Vanderveen. In einer Klarsichtfolie liegt die Liste mit den Schäden, die bisher durch die Übung entstanden sind. Er zeigt mit dem Finger auf mehrere aufgeführten Punkte dieser vorläufigen "Schadensdatenbank": Die schwarz-weißen Straßenmarkierungspfosten sind teuer. Beschädigtes oder Zerstörtes wird ersetzt. Das gesamte Ausmaß der Schäden kann Vanderveen erst drei bis vier Wochen nach dem Manöver abschätzen. Was das betrifft hat Hans-Peter Bohr, der Bürgermeister von Eckersweiler, ein schlechtes Gefühl. Auf den Äckern der Landwirte sehe es schlimm aus. Alles in allem rechnet er mit einem Schaden im sechsstelligen Euro-Bereich. In einem solchen Ausmaß fand in Eckersweiler noch kein Manöver statt. Captain Timothy Hines, hat den Ablauf der Übung beobachtet. Er geht zu seinen Soldaten. Acht Tage noch, dann ist das Manöver vorbei. Bis dahin muss der Offizier seine Männer weiter motivieren.