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Wort zum Alltag
Wo Glaube zum Halt geworden ist

In diesen Februartagen wurde vielfach erinnert an den Widerstand der „Weißen Rose“ gegen den Nationalsozialismus. Vor 75 Jahren wurden gegen die Mitglieder der Gruppe, die Flugblätter gegen das Nazi- Regime verteilt hatten, die Todesurteile des Volksgerichtshofs vollstreckt. Am 22. Februar 1943 starben die Studenten Christoph Probst, Sophie und Hans Scholl, am 13. Juli Student Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber, am 12. Oktober schließlich wurde der Student Willi Graf durch das Fallbeil hingerichtet.

Das Andenken von Willi Graf wird besonders in unserer Landeshauptstadt hochgehalten, in der Basilika St. Johann, in den Schulen, die seinen Namen tragen, und durch sein Grab auf dem Alten Friedhof St. Johann. Die Widerstandskämpfer, die ihrem Gewissen gefolgt sind und das Unrecht beim Namen genannt haben, können auch heute Vorbilder sein. Immer noch gibt es Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Weil sie Vorbilder für junge Menschen von heute sein sollen, wurden Schulen nach ihren Namen benannt. Es wird diskutiert, ob es sogar Pflicht für Schulen werden solle, Jugendliche über den Besuch von Gedenkstätten der NS- Verbrechen an diese unheilvolle Geschichte heranzuführen, um daraus zu lernen. Beeindruckend für mich war es in diesen Tagen, Zeugnisse aus dem Nachlass der damals Verurteilten zu lesen, aus Tagebüchern und Briefen. Sie lassen erkennen, dass alle sechs Personen, jede auf ihre Weise, entweder im christlichen Glauben verwurzelt waren oder danach gesucht und zum Glauben hingefunden haben. Offensichtlich kam ihnen von daher ihre Kraft und Standhaftigkeit, und wohl auch der Trost und die Hoffnung angesichts des Todes.


So schrieb Hans Scholl im Advent 1941 von einer Entdeckung des Glaubens: „Ich bin erfüllt von Freude, zum ersten Mal in meinem Leben Weihnachten eigentlich und in klarer Überzeugung christlich zu feiern… Vorher quälte ich mich in einer gehaltlosen Zeit in nutzlosem Rahmen, immer das verlassene Gefühl und immer dieselbe Leere – eines Tages ist dann von irgendwoher die Lösung gefallen. Ich hörte den Namen des Herrn und vernahm ihn. Dann ist es von Tag zu Tag heller geworden. Dann ist es wie Schuppen von meinen Augen gefallen. Ich bete. Ich spüre einen sicheren Hintergrund, und ich sehe ein sicheres Ziel. Mir ist in diesem Jahr Christus neu geboren.“ Seine Schwester Sophie Scholl schrieb in ihr Tagebuch oft in der Form des Gebetes, in dem sie Gott direkt anredet: „Du, rufe ich, wenn ich auch nichts von Dir weiß, als dass in Dir allein mein Heil ist, wende Dich nicht von mir, wenn ich Dein Pochen nicht höre, öffne doch mein kaltes Herz, mein taubes Herz…“ Einen Monat vor seiner Hinrichtung schrieb Willi Graf: „Dürfen wir nicht fast froh sein, dass wir in dieser Welt ein Kreuz auf uns nehmen können, das manchmal über jedes Maß hinauszugehen scheint? In gewissem Sinn ist es eine wirkliche Nachfolge Christi. Wir wollen versuchen, dieses Kreuz nicht nur einfach zu ertragen, sondern zu lieben und immer vollkommener zu leben im Vertrauen auf Gottes Ratschluss… Für uns ist der Tod nicht das Ende, sondern ein Durchgang, das Tor zum wahren Leben. Ich versuche, mir diese Wirklichkeiten ganz bewusst werden zu lassen.“

In diesen Wochen gedenken Christen des Kreuzweges ihres Herrn. Der Glaube an ihn, der durch das Leid, das er für uns getragen hat, zum Sieg gelangt ist, er kann auch heute Menschen in Herausforderungen und schwierigen Entscheidungen Orientierung geben, er kann auch heute Quelle der Kraft sein in dunklen Stunden.

Stefan Sänger, Pfarrer Wadern