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Zoff um Forstbetrieb: Nachbarn wollen am Waldrand von Weiskirchen ihre Ruhe

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Seit Jahren schwelt ein Streit um einen Forstbetrieb in Weiskirchen. Jetzt hat sich die Untere Bauaufsicht eingeschaltet.

Rund 30 Nachbarn pochen mit einer Unterschriftenliste auf ihr Recht, am Waldrand von Weiskirchen in Ruhe wohnen zu dürfen. Aber da gibt es am Ende der Straße In der Trift ein Problem. Seit rund zehn Jahren ist dort der Forstbetrieb von Andreas Schwarz angesiedelt, und der macht vielen Nachbarn zu viel Krach. Nach und nach eskalierte der Streit. Vorläufiger Höhepunkt ist eine bauaufsichtliche Anordnung der Unteren Bauaufsicht (UBA) in Merzig, die dem Unternehmer die Nutzung der auf mehreren Grundstücken „illegal errichteten baulichen Anlagen“ untersagt. Weil die Klägerin aber diesen Betrieb etwa zehn Jahre geduldet und die Gemeinde Weiskirchen inzwischen das Verfahren für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan eingeleitet habe, räumte die UBA dem Unternehmer mit Auflagen eine auf acht Monate befristete Übergangsfrist ein.

Anja Rasch und Katja Nimmesgern sammelten die angesprochenen Unterschriften ebenfalls verärgerter Nachbarn. Die Grundstückseigentümerin Anja Rasch räumte ein, früher mit Andreas Schwarz liiert gewesen zu sein. „Aber aus Freundschaft wurde dann irgendwann Feindschaft, weil der Forstunternehmer seinen mit viel Lärm verbundenen Betrieb rund um mein Wohnhaus immer weiter ausbaute“, sagte Rasch, „als mein eigens für diesen Zweck angeschafftes Messgerät immer öfter unerträgliche Lärmbelästigungen durch große Maschinen registrierte, habe ich mich zunächst hilfesuchend an das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz gewandt.“ Das habe sich aber für nicht zuständig erklärt und ihr Anliegen an die Gemeinde Weiskirchen und die UBA in Merzig weitergereicht.

„Bei mir meldeten sich daraufhin das Rathaus und die UBA“, bestätigte Andreas Schwarz. In zahllosen Gesprächsrunden habe man dann geglaubt, einen für beide Seiten vertretbaren Kompromiss gefunden zu haben. Schwarz: „Auf Anregung der Gemeinde habe ich inzwischen den Antrag auf einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan am bisherigen Standort gestellt, in den ich im Laufe der Jahre viel Geld investiert habe. Damit soll Rechtssicherheit für meinen forstwirtschaftlichen Lohnbetrieb hergestellt werden. Losgelöst von dem persönlichen Streit mit meiner früheren Partnerin will ich dort doch nur meiner Arbeit nachgehen.“ Die von Anja Rasch ins Spiel gebrachten Lärmmessungen erkenne er nicht an, weil diese mit einem nicht zulässigen Gerät erfolgt seien.

Bürgermeister Wolfgang Hübschen versichert auf Anfrage der SZ: „Nicht zuletzt der langjährigen Zusammenarbeit unseres Bauhofes mit der Firma Schwarz wegen haben wir einen für beide Seiten vertretbaren Kompromiss gesucht.“ Dazu habe die Gemeinde dem Unternehmer zwei Grundstücke im Gewerbegebiet angeboten, die er aber abgelehnt habe. „Dann kam der Vorschlag eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes ins Spiel, der eine legale Nutzung des bisherigen Standorts ermöglichen würde.“

Während der Ortsrat diese Idee einstimmig ablehnte, stieß dieser Vorschlag für eine Bebauungsplanänderung nach Auskunft des Bürgermeisters im Gemeinderat auf mehrheitliche Zustimmung. Er räumte ein, dass so ein Überstimmen eines Ortsratsbeschlusses auch in Weiskirchen eher ungewöhnlich sei. Jetzt laufe halt das Verfahren des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes, dessen anfallende Kosten Schwarz übernehmen müsse.

Hübschen hält in diesem Zusammenhang mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, dass er gern eine Umsiedlung des Forstunternehmens in das dafür eigentlich vorgesehene Gewerbegebiet gesehen hätte: „Wir haben dafür sogar ein Lärmschutzgutachten auf unsere Kosten angeboten.“ Aber Andreas Schwarz hält dagegen: „Mit dem von unseren Maschinen unvermeidlich ausgehenden Produktionslärm kämen uns die angebotenen Grundstücke im Gewerbegebiet viel zu teuer.“ Auf dieses Zitat reagierten Anja Rasch und Katja Nimmesgern so: „Das überrascht uns aus eigener Erfahrung nicht. Aber das kann doch kein ernstzunehmendes Argument für solchen Lärm in unserer unmittelbaren Nachbarschaft im Wohngebiet sein.“ Bleibt also abzuwarten, wie die jetzt gefragten Behörden in diesem laufenden Verfahren entscheiden werden.