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Kappensitzung
Weiskircher Narren sind nicht zu halten

In Weiskirchen stand 2018 nach langer Durststrecke wieder ein Kindertanzpaar auf der Bühne - unter orkanartigem Applaus.
In Weiskirchen stand 2018 nach langer Durststrecke wieder ein Kindertanzpaar auf der Bühne - unter orkanartigem Applaus. FOTO: Edgar Schöpf
Weiskirchen. Ob Büttenreden, Tanzeinlagen oder Thronadel: die Fastnachter in der Kurstadt ließen es krachen.

Pünktlich um 20.11 Uhr ertönte der erste fulminante Narrhallamarsch. Elferratspräsident Volker „Gussi“ Schulligen hielt mit seinem närrischen Elferrat Einzug. Im Schlepptau der Kinderelferrat mit Kinderprinzenpaar Prinz Niclas I. vom blaublütigen kaiserlichen Bächer Adelshaus Hammenstede, mit Herrschersitz beim sicherheitsbeauftragten Papa, tanzwütiger Schwester und Mama der flinken Scherer in „Koschdebach“, und Prinzessin Soraya I. aus dem Adelsgeschlecht derer zu Willems, Tanzbein schwingende Theaterdarstellerin, mit Schwimm- und Reiterfahrung und KV-bekanntem Opa, mit Herrschersitz im Haus neben dem Telefonhäuschen.



Nach einer ersten Begrüßung folgten Mini-, Jugend- sowie Grün-Weiß-Rote Prinzengarde. Und dann der Auftritt des Prinzenpaares: Zunächst Prinz Thomas II. aus einem hageren, dorfbekannten Steuerspar-Adel, maskuliner Tischtennisspieler, „Los Promillos“ Volleyballer mit ewig lachender Mutter und Herrschersitz im Kirchenweg bei Tinnessen Juppschi. Ihm zur Seite stand Prinzessin Nadine I. aus dem Geschlecht der Waderner Bänkerdynastie, ewig reisende Geldzählerin, regiert sie die Foasend als tanzbegeisterte Städterin an der Seite Ihres Prinzen im Kirchenweg bei Tinnessen Juppschi. Für die närrische Zeit gab der Thronadel die Marschrichtung bis zum Heringsessen an Aschermittwoch vor. Da komme wohl einiges an Feierlichkeiten auf das Narrenvolk zu.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Die Liste der urigen Büttenreden, Sketche und schwungvollen Tänze war ellenlang, aber in souveräner Manier führte Sitzungspräsident Gussi durch das vierstündige, abwechslungsreiche und bunte Unterhaltungsprogramm.

Wie in jedem Jahr war es ein Genuss, den vielen Garde- und Showtanzgruppen zuzuschauen. Nach langer Durststrecke wirbelte wieder mal ein Kindertanzpaar über die Bühnenbretter. Aller Trainingseifer hatte sich gelohnt. Orkanartiger Applaus brandete beim Publikum auf. Standing Ovations sowie Raketen waren der Lohn für diese tolle Vorstellung. Nicht weniger wurden die übrigen Tänzerinnen und Tänzer gefeiert. Die Minis gaben in blau-weiß-roter Montur Einblicke in die französische Lebenskultur, derweil die Gardetänze der Jugend- und Prinzengarde viel Geschick und Können bewiesen. Die Formation Dance Mix unternahm eine Reise durch Europa mit stets wechselndem Outfit, passend zu den Landesfarben der durchreisten Länder. Die Showtanzgruppe Wild Cates demonstrierte mit tänzerischem Charme eine orientalische Hochzeitsreise. Den Bachelor parodierten die Ladys und Gentlemen. Abschließend gab es für die Männer eine Rose, nur die von Harry hatte Stiel, allerdings von Gussi überreicht. Der krönende Abschluss vor dem großen Finale war dem Männerballett vorbehalten. Die Masculions begaben sich als Piraten auf die hohe See vor „Whitechurch“.

Auch in den Büttenreden jagte ein Höhepunkt den nächsten. Der erste Vortrag ist oft der schwerste, aber die Omas, erstmals in der Bütt, erwiesen sich als gute Eisbrecher. Tratsch und Klatsch aus dem Dorf war ihr Metier, so mancher bekam sein Fett ab, wie der Zeitgenosse, der nicht nach Hause gehen konnte, da er an der Theke angekettet war. Beim Klorakel von Weiskirchen blickte die Wahrsagerin Ruth Wünschel, von allen nur Wünschelrute genannt, in ihre Glaskugel, konnte vielfach deutliche Auskünfte geben, nur dem Klempner die Frage nach dem Klo nicht beantworten. Ein Psychiater hatte so seine liebe Not mit seiner Kundschaft, die er im Saale fand. Viel Klamauk gab es beim Kampf der Sprachsteuerungen Siri und Aldine. Beim Blick auf das Dorfgeschehen fand die Hochzeit der Sportvereine von Patrick und Peter überall nur Gefallen, derweil der Hausmeister der Halle den Gästen seine Probleme mit der Garderobe schilderte. Da war Chaos programmiert. In bekannter Manier zogen die Dummschwätzer Gussi und Schlumpf Gott und die Welt durch den Kakao. Dabei war nichts gelogen oder frei erfunden. Neben der Live-Band Al Dente sorgte noch Mister Guitar für Stimmung in der Hochwald-Narrhalla.