Waderner wollen alten Bahnhof Dagstuhl rettenEine Nutzung als Kulturzentrum wäre vorstellbar

Waderner wollen alten Bahnhof Dagstuhl rettenEine Nutzung als Kulturzentrum wäre vorstellbar

Dagstuhl. Neben Vertretern der Ökopartei wie dem Landesvorsitzenden Hubert Ulrich, Henry Selzer von der Grün-Alternativen Liste aus Weiskirchen und dem Merziger Grünen-Chef Klaus Borger war ein gutes Dutzend Waderner Bürger auf den Vorplatz des Bahnhofsgebäudes gekommen

Dagstuhl. Neben Vertretern der Ökopartei wie dem Landesvorsitzenden Hubert Ulrich, Henry Selzer von der Grün-Alternativen Liste aus Weiskirchen und dem Merziger Grünen-Chef Klaus Borger war ein gutes Dutzend Waderner Bürger auf den Vorplatz des Bahnhofsgebäudes gekommen. Einziges Thema: Der drohende Abriss des denkmalgeschützten Baus und wie dieser verhindert werden könnte. "Mit einem Abriss des Bahnhofs ginge ein Stück Kultur in Wadern unwiderbringlich verloren", sagte Stefan Müller, Grünen-Kreisvorsitzender, am Mittwoch. Für Klaus Borger, der aus Wadern stammt, ist der Bahnhof mit Jugenderinnerungen verbunden: "Ich bin selbst ein dreiviertel Jahr lang von hier aus in Richtung Neunkirchen zur Schule gefahren", erzählte Borger. Manch neutraler Teilnehmer empfindet es ähnlich: Etwa Peter Rohles, gebürtiger Dagstuhler und als Lokführer heute noch eng mit der Eisenbahn verbunden: "Man muss sich vor Augen halten, dass es ohne den Bahnhof diesen Ort gar nicht gäbe", sagte er. "In Spitzenzeiten arbeiteten an die 130 Menschen am Bahnhof." Er habe aber auch schon erfahren, dass die Meinungen im Ort über einen Erhalt des Bahnhofs durchaus auseinander gehen: "Die zentrale Frage ist: Woher nehmen wir das Geld dafür?"Die Grünen-Vertreter riefen die Waderner Bürger dazu auf, mit einer Bürgerinitiative gegen einen möglichen Abriss des Gebäudes zu protestieren. Hubert Ulrich: "Ich kenne das aus Saarlouis, da hat es immer wieder Vorhaben gegeben, die von den politischen Gremien beschlossen und später von der Bürgerschaft gekippt worden sind." Der Vorschlag fiel offenbar auf fruchtbaren Boden: Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll die Gründungsversammlung zu dieser Bürgerinitiative am kommenden Sonntag, 20. Juli, um 18 Uhr am Bahnhof stattfinden.Dagstuhl. "Wer keine Vergangenheit mehr hat, der hat auch keine Zukunft". Dieses Sprichwort passt für Manfred Hein auch auf den Dagstuhler Bahnhof. Der Waderner fordert seinen Erhalt, könnte sich den Ausbau zu einer kulturellen Begegnungsstätte vorstellen. "Losheim und Hermeskeil sind Beispiele, dass es anders geht", findet Hein. Für Daniel Aggintus aus Morscholz steht der geplante Verkehrskreisel dem Erhalt des Gebäudes nicht entgegen. "Im Gegenteil, ein sanierter Bahnhof wäre ein Blickfang". Volker Morbe aus Noswendel erinnert an den Abriss des Gasthauses Thome, das bis in die 80er Jahre gegenüber dem Dagstuhler Bahnhof stand. Morbe: "Das wurde stillschweigend hingenommen, das darf nicht wieder passieren. Wir haben doch kaum noch bedeutende historische Gebäude in der Stadt, und dann soll das hier noch plattgemacht werden", schimpft er."Wenn 20 Jahre nichts mehr passiert ist, ist es leicht, den Bahnhof als Schandfleck hinzustellen", denkt Barbara Roßpert aus Morscholz. Ihr Vorwurf richtet sich gegen die Politik. Am liebsten wäre Roßpert, der Bahnhof könnte als Bahnhaltepunkt reaktiviert werden. "Der Verkehr nimmt zu, die Spritpreise steigen, und hier wird sicherlich ein Umdenken erfolgen." Sie glaube aber nicht, dass ein Hochwälder, der auf die Bahn umsteigen möchte, "extra bis Türkismühle fährt". Silke Müller aus Wadern gibt zu bedenken: "Das Kupferbergwerk Düppenweiler wurde durch Spendengelder und Zuschüsse restauriert. Dies müsste auch in Wadern passieren." Nutzungsmöglichkeiten für den Bahnhof wären ihrer Ansicht nach ein Raum für Kunstveranstaltungen, ein Kinderspielzimmer, schallgedämpfte Proberäume für Bands und Räume für Fastnachtsgruppen. mür

Auf einen blickWilhelm Jaaks, Vorstandsmitglied der Merziger Grünen, bewertet als Architekt die Frage des Erhaltes des Bahnhofes in erster Linie nach Bau- und Denkmalschutzgesichtspunkten. Der Bahnhof präsentiere sich mit seinen angrenzenden Gebäuden als "einmaliges Ensemble", das in seiner Komplettheit erhaltenswert sei. In der Vergangenheit, so Jaaks, sei im Umfeld des Bahnhofes "mit gutem Gespür" renoviert worden, das Bahnhofs-Entree und sein 50er-Jahre-Stil harmoniere mit den übrigen Fassaden. mür