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| 20:09 Uhr

Tierische Hilfe beim Erhalt der Artenvielfalt

Galloway-Rinder und Konik-Pferde grasen gemeinsam in der Hölzbachaue bei Rappweiler.
Galloway-Rinder und Konik-Pferde grasen gemeinsam in der Hölzbachaue bei Rappweiler.
Rappweiler. Die Naturlandstiftung Saar feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Viele ihrer Schutzgebiete liegen im Grünen Kreis. Einige davon haben wir erkundet und stellen sie vor. Heute: Naturschutzmaßnahmen in Nunkirchen und Rappweiler. Patricia Heine

. Wir schlagen uns durch mannshohe Gräser durch. Sie kitzeln am Arm. Der einzige Weg zurzeit, um den Tieren ganz nah zu kommen. Dann stehen wir vorm Zaun, Stacheldraht und Strom. Für Axel Didion kein Hindernis. In der Natur passen wir uns den Tieren einfach an. Wir kriechen unter dem Stacheldraht durch. Und schon stehen wir mitten auf der Weide. Zehn Hektar misst sie. Platz genug, um einen großen Bogen um ihre Bewohner zu machen. Denn die haben Nachwuchs. Den behüten die Muttertiere wie einen Diamanten. Sieben Galloway-Rinder und zwei Konik-Pferde leben das ganze Jahr über auf der Weide im Hölzbachtal bei Rappweiler. Sie pflegen die Landschaft, ohne es zu wissen. Das heißt, eigentlich fressen sie einfach die Pflanzen auf der Weide, die ihnen schmecken. Damit verhindern sie aber, dass sich Sträucher und Bäume auf dieser Fläche unkontrolliert ausbreiten.

Gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für viele Kräuter- oder seltene Tierarten, wie zum Beispiel den Großen Feuerfalter. Nach dessen Eiern suchen wir auf den grün-roten Ampfer-Blättern. Entdecken können wir keine. Dafür sitzt auf einmal auf einem Ast direkt vor uns eine Blattbauch-Libelle. Überall schwirren uns Insekten um die Ohren. Einmal nicht auf den Boden geguckt, schon steht man drinnen, im Kuhfladen. Eklig! Aber auch ein wertvolles Biotop, wie Axel Didion, Biologe bei der Naturlandstiftung Saar , erklärt. Zahlreiche Insekten nähren sich vom Kot der Kuh. Ein kleiner Trampelpfad führt mitten durch die Weide. Komisch, wer soll den im abgezäunten Bereich getrampelt haben? Die Kühe selbst. Deswegen sei es wichtig, dass die Herde nicht viel größer wird, erklärt Didion.

Regelmäßig kontrolliert er Anzahl und Tiefe der Trittspuren. Sind es zu viele, ist die Feuchtigkeit im Boden, die sich darin sammelt, zu hoch. Nach zwei paradiesischen Lebensjahren auf der Ganzjahresweide werden die Rinder geschlachtet. Das hochwertige Fleisch verkaufen die Biolandwirte. Erst 2012 legte die Naturlandstiftung auf der insgesamt 30 Hektar großen Eigentumsfläche bei Rappweiler die Ganzjahresweide an. Zwei weitere gibt es noch im Saarland, in der Bliesaue und im Alsbachtal. Didion würde sich noch mehr wünschen. Aber die Ganzjahresweiden sind nicht das einzige Projekt, um das sich die Naturlandstiftung kümmert.

Wir fahren weiter nach Nunkirchen. Dort hat die Naturlandstiftung Saar auf zirka 25 Hektar die Bachaue renaturiert. Dass sich dort viel getan hat, ist schnell zu erkennen. Alte, nicht mehr genutzte Straßen und Gebäude wurden abgerissen. Zum Beispiel der zerfallene Birkenhof bei Nunkirchen und der angrenzende Hundedressurplatz. "Gebäude, die dort nicht in die Natur gehörten", sagt Didion. Solche Rückbaumaßnahmen seien sehr aufwendig und teuer. Aber das Ergebnis lohnt sich. Von einem Hof oder einem Hundeplatz nichts mehr zu sehen. Die Natur hat sich die Fläche nach und nach wieder zurückgeholt. Im hohen Gras und der Bachaue sind wichtige Lebensräume für wassergebundene Lebewesen entstanden. Und die Aue hat noch eine andere Funktion. Sie kann bis zu 30 000 Kubikmeter Wasservolumen zurückhalten. Bei Hochwasser bleibt das Wasser länger stehen und sickert langsam in den Boden ein, statt das ganze Gebiet zu überschwemmen.

Wir folgen dem Nunkircher Bach in Richtung Dorf und entdecken ein rechteckig angelegtes Grabensystem. Auch das ließ die Naturlandstiftung entstehen, damit sich eine Talaue mit Feucht- und Nasswiesenvegetation entwickeln konnte. In den Gräben macht sich zum Beispiel wieder der Bieber zu schaffen. Im Uferbereich hat er seine Burg aufgebaut. Der Biber, ein echter Baumeister. Indem er die Gräben noch höher aufgestaut hat, unterstützt er den Hochwasserschutz. Ein bereits Wasser führender Graben speist das künstlich angelegte System. Auf den früher durch die Landschaft stark ausgetrockneten Flächen wachsen jetzt wieder artenreiche Pflanzen. Die Ganzjahresweide bei Rappweiler und die Losheimer- Bach-Aue - zwei Naturschutzgebiete im Grünen Kreis, die auf ganz unterschiedliche Weise die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren in unserer Heimat bewahren. Und das mit Unterstützung von tierischen Helfern.

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Der Graureiher ist ein typischer Gast in der Hölzbachaue.
Der Graureiher ist ein typischer Gast in der Hölzbachaue.
Der weltweit gefährdete Große Feuerfalter legt seine Eier an Ampferarten im Saum des Nunkircher Grabensystems.
Der weltweit gefährdete Große Feuerfalter legt seine Eier an Ampferarten im Saum des Nunkircher Grabensystems.
Die Sumpfschrecke bewohnt die Feucht- und Nasswiesen in der Hölzbachaue.
Die Sumpfschrecke bewohnt die Feucht- und Nasswiesen in der Hölzbachaue.
Die Sumpfschwertlinie ist eine typische Pflanze der Grabenränder.
Die Sumpfschwertlinie ist eine typische Pflanze der Grabenränder.
Entwicklung eines Saums entlang des neuen Grabensystems im Nunkircher Bruch. Fotos: Axel Didion
Entwicklung eines Saums entlang des neuen Grabensystems im Nunkircher Bruch. Fotos: Axel Didion