Team der Jugendkirche Mia gestalteten Gedenken zum Volkstrauertag mit

Volkstrauertag in Weiskirchen : Kerzen erinnern an die Weltkriege

Weiskircher gedachten der Opfer der Kriege und setzten sich mit den rassistischen Auswüchsen auseinander.

Selten hatte eine Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages auf dem Ehrenfriedhof in Weiskirchen so aktuelle Bezüge zur Tagesaktualität wie diesmal. Weil die Bezüge neben der Erinnerung an die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts auch die stille, kritische Auseinandersetzung mit Hassreden und rassistischen Auswüchsen von heute beinhalteten, stand die Feierstunde unter dem Motto „Sage nein!“ Als erster trat Bürgermeister Wolfgang Hübschen ans Mikrofon. Mit seiner Begrüßung so vieler Mitbürger verband er seinen Dank an Gemeindereferent Jörg Mang und dessen MIA-Team, an den Männergesangverein mit seiner Dirigentin Susanne Biwer, an die Turmbläser mit ihrem Dirigenten Edgar Meiers sowie an die Freiwillige Feuerwehr, die alle beitrugen, dieser Gedenkstunde einen würdevollen Rahmen zu verleihen. Über die Erinnerung an die grausamen Weltkriege hinaus mahnte Hübschen: „Krieg und Gewalt sind auch heute noch trauriger Alltag. Nehmen wir nur den Anschlag in Halle am 9. Oktober, er war der Versuch eines Massenmordes an Juden am „Jom Kippur“, dem höchsten jüdischen Feiertag. Es zeigt uns, dass Antisemitismus immer noch allgegenwärtig ist.“

Danach übernahmen Mang und sein engagiertes MIA-Team – immer wieder von unterbrochen von musikalischen Intermezzi – die Gestaltung der Feierstunde. So erinnerten die jungen Leute an die Chronik des zweiten Weltkrieges, der Schritt für Schritt als weltumspannender Flächenbrand Millionen Menschen Tod und Elend brachte. Nach einer Gedenkminute verlasen Mitarbeiter von Mang viele Namen von Menschen, die ihren Widerstand gegen die Nazis mit ihrem Tod bezahlen mussten.

Unter dem Motto „Widerstehen“ erklangen Interpretationen zum Liedtext „Sage nein“ von Konstantin Wecker aus den Lautsprechern, die mit aktuellen Audioeinspielern von Rednern der AfD Ausrufezeichen zum Nachdenken setzten. Dabei ließ sich kaum einer der Besucher von wörtlichen Zitaten unter anderem von Björn Höcke überraschen, der nicht allein in jüngster Zeit mehr als genug fragwürdige Formulierungen geboten hatte.

Nachdem schon zu Beginn der Feierstunde vor dem Ehrenmal brennende Kerzen in Herzform an die Flächenbrände der Weltkriege erinnerten, wurden zum Schluss Mosaikteile eines Herzens mit der Aufschrift „Sage Nein!“ zusammengefügt. Nach Mangs Worten „Das zerstörende Feuer wird zum Feuer des Glaubens, das in uns brennt“ wurden unter den Besuchern Kerzen verteilt. Jeder sollte symbolisch sein Feuer an seinen Nachbarn weitergeben. Das klappte allerdings nicht so ganz, da immer wieder auffrischende Winde die Flammen verwehten. Auch wenn das von den Veranstaltern so mit Sicherheit nicht geplant war, interpretierte mancher Besucher dies als Hinweis auf die immer häufiger aufflammenden Hassreden in der Politik.

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