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Weiskirchen
Tanken, ohne zur Kasse gebeten zu werden

 Wolfgang Barth tankt sein Auto an der Stromtankstelle auf, beobachtet von Wolfgang Hübschen (v.l.n.r.), Wolfgang Martin und Luca Forchner.
Wolfgang Barth tankt sein Auto an der Stromtankstelle auf, beobachtet von Wolfgang Hübschen (v.l.n.r.), Wolfgang Martin und Luca Forchner. FOTO: Dieter Ackermann
Weiskirchen. An der E-Ladestadion auf dem Stellplatz für Wohnmobile an der Burgstraße können Besitzer ihre Elektroautos auftanken. Von Dieter Ackermann

Die gute Nachricht zuerst: In Weiskirchen gibt’s eine Zapfsäule, die Autofahrer (noch) zum kostenlosen Auftanken einlädt. Dass diese E-Ladestation ausschließlich zur Mobilität von Elektrofahrzeugen beitragen kann, ist die aktuelle Kehrseite der Medaille. Aber Bürgermeister Wolfgang Hübschen interpretiert dieses relativ neue Angebot der Gemeinde als eine wichtige Weichenstellung für die nicht zuletzt von der Bundesregierung geforderte und geförderte Umstellung von Autos mit Verbrennungsmotoren auf umweltfreundliche Elektrofahrzeuge.


Noch steht die neue „Tankstelle“ einsatzbereit, aber weitgehend unbeachtet auf dem Stellplatz für Wohnmobile an der Burgstraße.

Damit die Öffentlichkeit diese E-Ladestation mit zwei „Zapfmöglichkeiten“ (Ladeleistung jeweils 22kW) zur Kenntnis nimmt und möglichst auch nutzt, bat Hübschen neben der SZ auch Vertriebsleiter Wolfgang Martin und Luca Forchner von der Energis GmbH sowie Wolfgang Barth zum Ortstermin. Ratsmitglied Barth schaffte sich bereits 2015 als erster Bürger Weiskirchens – sozusagen als lokaler Pionier der Elektro-Mobilität – einen E-Golf an, den er bei diesem Termin gleich per Kabel an die Ladestation anschloss. Prompt dokumentierte ein grünes Lämpchen den kostenlosen Ladevorgang.



Kosten ließ sich die eigentlich klamme Gemeinde das neue Angebot als interessante Zukunftsinvestition immerhin knapp 12 800 Euro. Aber weil man im Rathaus im Vorfeld einmal mehr nicht erfolglos nach potenziellen Förderungsmöglichkeiten gesucht hatte, war man auf die Förderrichtlinie „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ der Bundesregierung gestoßen.

Mit einem 40-prozentigen Zuschuss aus Berlin konnten die Weiskircher so ihren Eigenanteil an dieser Investition auf knapp 8500 Euro drücken. Jetzt steht sie also einsatzbereit da, die neue Ladestation. Aber wie sieht’s denn mit der Bezahlung der Stromladung aus? Einen Geldeinwurf, wie bei vielen anderen Tanksäulen, sucht man jedenfalls vergeblich. „Daran wird sich auch nichts ändern“, versicherte Martin, „wir von der Energis GmbH werden als Stromlieferant zunächst einmal den anlaufenden Umsatz in Weiskirchen registrieren und analysieren.“

Die SZ traute sich kaum zu fragen: „Heißt dies, dass auf dem Stellplatz für Wohnmobile in Weiskirchen Fahrer von E-Autos tatsächlich erst mal kostenlos Strom tanken können?“ Die wohlklingende Antwort der Energis-Vertreter: „Das ist richtig. Voraussichtlich werden wir uns hier die Stromlieferungen erst ab 2022 bezahlen lassen.“

Bargeld bleibe dabei aber weiterhin außen vor. „Unsere Tankrechnungen können dann über eine kostenlos herunterzuladende Handy-App oder per Kreditkarte beglichen werden“, so Martin. Bei dem Energieversorger, der aktuell noch ein unübersehbares Stadt-/Landumsatzgefälle bei seinen Ladestationen in einer Großstadt wie Saarbrücken oder auf dem flachen Land wie in Weiskirchen beobachtet, gehe man davon aus, dass die Elektrofahrer sich für eine Fahrstrecke von etwa hundert Kilometern auf eine Tankrechnung von etwa 4,50 bis 6 Euro einstellen müssen. Aber konkrete Planzahlen gebe es dafür derzeit noch nicht.

Weiskirchens Bürgermeister Wolfgang Hübschen erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die neue „Tankstelle“ in Weiskirchen auch in erster Linie eine Perspektive für die Fahrer von Elektroautos darstelle, die als Kurgäste, Touristen oder als Besucher der Hochwald-Kliniken anreisen. „Die haben ja ohnehin alle zuhause ihre eigene Stromquelle. Wir wollen mit unserem neuen Angebot nur sicherstellen, dass unsere Gäste auch nach langen Anreisen oder vor weiten Heimfahrten mit vollen Batterien jederzeit mobil bleiben.“

Bei diesem Hinweis meldete sich auch Wolfgang Barth noch einmal zu Wort. Er wies darauf hin, dass die neue Ladestation für die meisten Elektroautos, die heute über unsere Straßen rollen, keine Schnell-Ladefunktion anbietet: „Die neue Säule kann zwar von allen E-Fahrzeugen genutzt werden, aber fürs Stromtanken sind relativ lange Ladezyklen erforderlich.“

Wirkliche Schnell-Ladestationen, die eigene Ladekabel vorhalten, seien auch in Weiskirchen noch Zukunftsmusik. Trotzdem ist der Besitzer eines E-Golfs froh, dass sein Heimatort jetzt mit der neuen Ladestation an das dramatisch wachsende Infrastrukturnetz für Elektrofahrzeuge in ganz Europa angeschlossen ist.