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Störche übernachten auf den Anlagen der Weiskircher Feuerwehr

Konfeld : Und auf einmal war Familie Adebar da

Zwei Störche sind zu Besuch in Weiskirchen und erfreuen Bürger und Verwaltung. Ob die „gefiederten Kurgäste“ wohl bleiben werden?

Gritta Riemenschneider und Jean-Yves Cordier freuen sich über neue Nachbarn „gleich nebenan“ in Weiskirchen, Zum Boxpfad. „Die beiden Störche kommen uns jetzt schon seit einigen Tagen besuchen“, und Gritta Riemenschneider präzisiert, „genauer gesagt übernachten die beiden gefiederten Gäste auf den Anlagen der benachbarten Weiskircher Feuerwehr.“ Richtig erschreckt habe sie sich noch vorgestern, als einer der Vögel direkt auf sie zuflog, „und dann mit seinen riesigen Schwingen unmittelbar vor unserem Badezimmerfenster nach oben entschwand“.

Auch Jean-Yves Cordier ist ganz begeistert von seinen neuen Nachbarn: „Wenn denen hier jemand eine Nisthilfe zur Verfügung stellen würde, könnte das Storchenpaar doch für die Kurgemeinde ein zusätzlicher Höhepunkt werden. Wir Einheimische und viele Kurgäste würden sich zweifellos freuen, den Störchen beim Großziehen ihres Nachwuchses zuschauen zu können.“ Auf einmal war Familie Adebar da. Tagsüber sorgt offensichtlich die aktuelle Krötenwanderung im Hochwald für einen „gedeckten Tisch“, und abends finden sich beide Vögel wieder bei der Feuerwehr ein, um auf den Übungsgerüsten und Lampen rund um die Wehr sichere Schlafplätze zu finden. In luftiger Höhe, gut geschützt vor Füchsen oder Hunden, nicken sie dort ein. Erstaunlich genug, wie sie dort zumeist auf einem Bein stehend Wind und Regen trotzen.

Am Samstag verschob das Paar allerdings seine täglichen Ausflüge in die offensichtlich auch für sie attraktive Hochwaldumgebung. Unter ihnen bot nämlich die Freiwillige Feuerwehr von Weiskirchen ein Schauspiel, das sich die Störche offenbar nicht entgehen lassen wollten. Brandmeister Peter Leist aus Eppelborn erläuterte der SZ den Übungseinsatz seiner Kameraden: „Für den Regionalverband führen wir hier mit elf Teilnehmern der Wehren aus dem Kreis Merzig-Wadern und sechs Ausbildern einen Lehrgang zum Sichern im absturzgefährdeten Bereich durch.“ Und das unmittelbar unter den Augen der überaus interessierten Störche.

Die gefiederten Augenzeugen waren unübersehbar beeindruckt von den Kletterleistungen – im modernen Sicherheitsgeschirr versteht sich – der Feuerwehrmänner. Als wäre es das Natürlichste der Welt, verschoben sie am Morgen ihre ansonsten üblichen Rundflüge zum Nahrungserwerb. Zwischendurch reckten die Störche schon mal genüsslich ihre Flügel, wohl um sie vom zeitweise heftigen Wind trocknen zu lassen. Die nasskalte Witterung schien sie jedenfalls nicht nachhaltig zu verschrecken.

So opferten die Feuerwehrmänner unter ihnen ihre Freizeit, um sich in dem Lehrgang für den Ernstfall ausbilden zu lassen, in dem sie hoffentlich nie ihren Mann stehen müssen. Brandmeister Peter Leist wies in diesem Zusammenhang noch darauf hin, dass sich der ganze Lehrgang immerhin über 24 Stunden, verteilt auf eine ganze Woche, hinzieht. „Aber solche Augenzeugen, wie die beiden Störche da oben, haben wir noch nie gehabt“, versicherte der Brandmeister, der übrigens auch zu den spezialisierten Höhenrettern der Wehr gehört, mit einem schmunzelnden Blick nach oben.

Dieses „Unterhaltungsprogramm“ für das Storchenpaar lässt in Weiskirchen also offensichtlich nichts zu wünschen übrig. Und die Naturschützer, die gerade in diesen Tagen auf den Straßen des Hochwaldes viele Kröten bei deren jährlicher Wanderung vor dem „Reifentod“ durch die Autos retten, leisten damit irgendwie auch einen Beitrag für Adebar, auf dass sein Tisch auch in den nächsten Tagen gut gedeckt bleiben möge.

 Die Freiwillige Feuerwehr hat den Störchen in Weiskirchen offenbar ein spannendes Spektakel geboten.
Die Freiwillige Feuerwehr hat den Störchen in Weiskirchen offenbar ein spannendes Spektakel geboten. Foto: a-n/Dieter Ackermann

Inzwischen interessiert sich übrigens auch schon der Bürgermeister von Weiskirchen, Wolfgang Hübschen, für seine „fliegenden Kurgäste“: „Wir werden uns mit dem Naturschutz darüber unterhalten, ob wir den beiden Störchen schnellstmöglich eine Nistgelegenheit anbieten können.“