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Störche gaben nur kurzes Gastspiel in Weiskirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Das Gastspiel währte nur kurz : Ein Storchenpaar verweilte im vergangenen Jahr für zwei Wochen in Weiskirchen

Kaum waren sie da, waren sie schon wieder weg: Zwei Störche waren vor einem Jahr knapp zwei Wochen zu Gast in Weiskirchen und erfreuten viele Menschen. Wiedergekommen sind die Vögel allerdings nicht.

Fast zwei Wochen lang boten zwei Störche im Frühling des vergangenen Jahres ein spektakuläres Gastspiel in Weiskirchen. Auf dem Übungsturm der Freiwilligen Feuerwehr erfreute Familie Adebar viele Passanten mit ihrem Anblick. Gritta Riemenschneider und Jean-Yves Cordier entdeckten ihre neuen Nachbarn als erste. Die Weiskircherin hatte sich erst mal richtig erschreckt, als einer der großen Vögel direkt auf sie zuflog, „und dann mit seinen riesigen Schwingen unmittelbar vor unserem Badezimmerfenster nach oben entschwand“. Aber selbst wenn das Storchenpaar sich für einige Stunden in die Umgebung verabschiedete, hatten sie und Jean-Yves Cordier immer die Hoffnung, dass die „gefiederten Kurgäste“ dem heilklimatischen Kurort treu bleiben würden.

Auch Cordier war ganz begeistert von seinen neuen Nachbarn: „Wenn denen hier jemand eine Nisthilfe zur Verfügung gestellt hätte, wäre es nicht ausgeschlossen gewesen, dass das Storchenpaar für die Kurgemeinde ein zusätzliches Highlight geworden wäre. Viele Kurgäste hätten sich zweifellos ebenso gefreut, den Störchen beim Großziehen ihres Nachwuchses zuschauen zu können.“ Und die natürlichen Voraussetzungen wären gar nicht mal so schlecht gewesen. Schließlich ist die Feuerwehr am Rande eines großen Wiesentals beiderseits des Holzbachs beheimatet.

Von ihrem Quartier über dem Dach der Wehr aus war nur ein kurzer Flug erforderlich, um in den feuchten Wiesen Fröschen und anderen Leckereien nachzustellen. Tagsüber sorgte offensichtlich auch die gerade begonnene Krötenwanderung im Hochwald für einen gedeckten Tisch, und abends fanden sich beide Vögel stets wieder bei der Feuerwehr ein, um auf den Übungsgerüsten und Lampen rund um die Wehr sichere Schlafplätze zu finden. In luftiger Höhe, gut geschützt vor Füchsen oder Hunden, nickten sie dort ein. Erstaunlich genug, wie sie zumeist auf einem Bein stehend Wind und Regen trotzten.

Ein besonderes Spektakel bot der Regionalverband der Feuerwehren den Störchen, als dort mit elf Teilnehmern der Wehren aus dem Kreis Merzig-Wadern und sechs Ausbildern ein Lehrgang zum Sichern in absturzgefährdeten Bereichen durchgeführt wurde. Die gefiederten Augenzeugen waren offenbar durchaus beeindruckt von den Kletterleistungen der Feuerwehrleute. Als wäre es das Natürlichste der Welt, verschoben die Zaungäste am Morgen ihre ansonsten üblichen Rundflüge zum Nahrungserwerb. Zwischendurch reckten die Störche gelegentlich mal genüsslich ihre Flügel, wohl um sie vom zeitweise heftigen Wind trocknen zu lassen.

Bei ihrem tagelangen Gastspiel interessierte sich übrigens auch Weiskirchens Bürgermeister Wolfgang Hübschen für seine fliegenden Kurgäste. So versicherte er vor einem Jahr der SZ: „Wir werden uns mit dem Naturschutz darüber unterhalten, ob wir den beiden Störchen schnellstmöglich eine Nistgelegenheit anbieten können.“ Bevor dieser Plan allerdings erfolgreich umgesetzt werden konnte, hatte sich die Familie Adebar schon wieder verabschiedet.

Hätte es fast auch in Weiskirchen gegeben: Mit einer künstlichen Nisthilfe animierte ein niederrheinischer Hegering ein Storchenpaar zum Nestbau und zur Aufzucht seiner Jungen. Foto: a-n

Auf die SZ-Frage, ob sie die beiden Störche im Laufe der vergangenen zwölf Monate noch mal gesehen haben, schüttelten sowohl die Feuerwehrleute als auch Gritta Riemenschneider und Jean-Yves Cordier verneinend die Köpfe. „Da ist eine Chance vertan worden“, findet Cordier, der beruflich des Öfteren am Niederrhein unterwegs ist. Er berichtet von einem Storchenpaar, das vor einigen Jahren vor den Toren von Xanten gesehen wurde. „Dort hatte der örtliche Hegering der Jäger ganz schnell einen hölzernen Leitungsmast mit einer Nisthilfe aus Bandeisen in einer feuchten Wiese aufgebaut, die von dem Storchenpaar als Nistgelegenheit gerne genutzt wurde“, berichtet er, und weiter: „Seither hat diese Familie Adebar dort mehrere Jahre lang ihren Nachwuchs großgezogen. Schade, dass das bei uns in Weiskirchen nicht geklappt hat.“