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Bürgermeisterwahl Weiskirchen: Stephan Barth ist auf seiner „Pilgerreise“

Bürgermeisterwahl Weiskirchen : Stephan Barth ist auf seiner „Pilgerreise“

Der Wahlkampf zur Bürgermeisterwahl in Weiskirchen geht in den Endspurt. Die SZ spricht kurz vor dem Wahlsonntag noch einmal mit allen fünf Kandidaten. Heute: Stephan Barth, parteilos.

Seit acht Wochen widmet sich Stephan Barth rund 30 Stunden pro Woche dem Wahlkampf. Seiner „Pilgerreise“, wie er ihn nennt. Barth ist parteilos und einer der fünf Kandidaten, die am kommenden Sonntag, 3. Juni, bei der Wahl zum neuen Bürgermeister in Weiskirchen antreten. Unterstützt wird er von einem „kleinen begrenzten Team. Dazu gehören meine Frau, meine zwei Kinder und zwei gute Freunde“, sagt Barth. „Viele kennen mich, aber ich war in den letzten 20 Jahren nicht politisch aktiv.“ Daher sei der Wahlkampf absolutes Neuland für ihn gewesen. Umso überraschter sei er über „die Offenheit der Menschen und die konstruktiven Beiträge“, wenn er von Tür zu Tür geht, um mit den Weiskirchern zu sprechen.

Ebenso überrascht habe ihn, dass es „sehr viele einsame Menschen gibt“. Außerdem Haushalte, bei denen das „Wasser bis Oberkante Unterlippe steht, was die Einnahmen und Ausgaben durch Gebühren betrifft.“ Viele Bürger hätten Angst vor Altersarmut und Vereinsamung. Die Gespräche verlaufen zudem oft sehr emotional. „Zu 30 Prozent bin ich auch als Seelsorger unterwegs“, sagt Barth. Offen berichten ihm die Bürger von persönlichen Schicksalsschlägen. „Manchmal musste ich abends auch mit meiner Frau darüber reden, dass ich die Dinge, die mir erzählt wurden, auch verarbeiten konnte.“

Als einen „wunderbaren Augenblick“ bezeichnet Barth den Besuch bei einer älteren Dame in Konfeld. Diese kannte seine Eltern und erzählte ihm von der Rettung seiner Mutter während des Krieges. Bei einem Fliegerangriff sei die Dame aus dem Keller gestürmt und habe Barths damals zweijährige Mutter in einem Korb in Sicherheit gebracht. „Das war wirklich etwas Besonderes, ich habe fast eine dreiviertel Stunde mit ihr geredet“, erzählt Barth.

Es habe aber auch weniger erfreuliche Ereignisse während seiner Wahlkampf-Tour gegeben. Mit Menschen, „die in ihrer Auffassung so starke Scheuklappen tragen und parteipolitisch so sehr befangen sind, dass auch gute Argumente nicht zugelassen werden.“ Zuweilen sehr schroff sei er von diesen an der Haustür abgewiesen worden. „Was will denn hier einer, der nicht zu unserer Partei gehört? Der hat im Rathaus nichts zu suchen“, habe ihm ein Bürger hinterhergerufen. Dennoch, zu 98 Prozent seien die bisherigen Begegnungen mit den Bürgern auf sehr sympathische und offene Weise abgelaufen. „Ich habe die ganze Bandbreite an Emotionen erlebt. Und unabhängig davon, ob ich Bürgermeister werde oder nicht, war es für mich auch eine starke Lebenserfahrung“, lautet das Re­sümee seiner „Pilgerreise“.

Er schätzt, dass die Wahlbeteiligung am kommenden Sonntag bei 70 Prozent liegt. „Das Interesse ist enorm hoch. Das hat man auch bei der Podiumsdiskussion gesehen, die Halle war proppenvoll. Die Leute haben gemerkt, dass sie dieses Mal tatsächlich eine Auswahl haben.“ Nicht nur Kandidaten der großen Parteien, sondern auch der kleinen, die im Gemeinderat sind, treten an. „Und dann kommt da noch so ein Außenseiter wie ich. Viele Bürger wussten gar nicht, dass auch ein Parteiloser Bürgermeister werden kann.“ Barth habe ihnen dann erklärt, dass er zunächst über 80 Unterschriften sammeln musste, bevor er zur Wahl zugelassen wurde.

Falls es zur Stichwahl kommen sollte, „gehe ich davon aus, dass die Wahlbeteiligung gleich hoch bleiben wird“, ist sich Barth sicher.