| 20:57 Uhr

Weiskirchen
Spannung auf den letzten Metern

Wahlhelfer zählen am Sonntagabend im Haus des Gastes in Weiskirchen die Stimmzettel zur Bürgermeister-Stichwahl aus.
Wahlhelfer zählen am Sonntagabend im Haus des Gastes in Weiskirchen die Stimmzettel zur Bürgermeister-Stichwahl aus. FOTO: Ruppenthal
Weiskirchen. Beobachtung am Wahlabend in Weiskirchen: Wie der Sieg von Wolfgang Hübschen kurzzeitig ins Wanken geriet.

Es ist Sonntagabend, 18.21 Uhr. In Moskau bemüht sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vergeblich, den 0:1-Rückstand gegen Auftaktgegner Mexiko aufzuholen. Und in Weiskirchen sieht es derweil so aus, als sei die Stichwahl um das Bürgermeisteramt entschieden. Gerade ist im Sitzungssaal des Rathauses das Ergebnis des vierten von sechs Stimmbezirken erstmals auf der großen Leinwand angezeigt worden. Weiskirchen 1 ist fertig mit Auszählen. 61,2 Prozent der Stimmen der CDU-Kandidat Wolfgang Hübschen dort eingefahren. Damit beträgt sein Vorsprung auf seinen Kontrahenten, den parteilosen Einzelbewerber Stephan Barth, zu diesem Zeitpunkt satte 440 Stimmen.


Da kann nichts mehr schief gehen für Hübschen, dürfte in diesem Moment so mancher der Besucher, die an diesem Sonntagabend trotz WM-Spiels den Weg ins Rathaus gefunden haben, gedacht haben. Doch in den folgenden Minuten soll der Wahlabend noch eine Wendung nehmen, die richtig Spannung aufkommen lässt.

Viele bekannte Gesichter aus der Kommunalpolitik sind im Sitzungssaal auszumachen: Helma Kuhn-Theis, Kreisvorsitzende der CDU und selbst in Weiskirchen im Gemeinderat sitzend, ist da. Ebenso Thorsten Willems, Gemeindeverbandsvorsitzender der Chistdemokraten in der Hochwald-Kurgemeinde. Er hatte sich bei der Kandidaten-Kür der CDU im Frühjahr einer Kampfabstimmung mit Hübschen gestellt, und diese deutlich verloren. Zwei Wochen zuvor, im ersten Wahlgang, hatte Hübschen dann einen Wahlsieg nur um etwas mehr als 100 Stimmen verfehlt und war mit 47 Prozent als klarer Sieger aus dem Reigen der fünf Kandidaten hervorgegangen.



Dass der 56 Jahre alte Hauptamtsleiter im Rathaus sich damit für den zweiten Wahlgang in der Favoritenrolle befand, lag auf der Hand. Und bis dahin ist auch alles glatt gelaufen für CDU-Mann Hübschen. Um 18.09 Uhr übermittelt als erster Wahlbezirk Weierweiler seine Zahlen. 57 Prozent für Hübschen, 43 für Barth. Die absoluten Zahlen liegen gar nicht weit davon weg: 61 Stimmen für Hübschen, 46 für seinen Kontrahenten. Kein Wunder, dass die Stimmzettel in dem kleinsten Weiskircher Ortsteil so zügig ausgezählt waren. „Und dafür besetzt du dann den ganzen Tag das Wahllokal“, meint Wolfgang Sauer, Fraktionsvorsitzender der CDU im Weiskircher Gemeinderat, lakonisch. Um 18.17 Uhr meldet der Wahlbezirk Weiskirchen 2 Vollzug. Das ist für den CDU-Kandidaten ein Heimspiel, im Hauptort lebt er, engagiert er sich in Vereinen. Und hier fährt er erwartungsgemäß einen Sieg ein: Fast 62 Prozent der Wähler haben für ihn gestimmt, der Abstand zu Stephan Barth vergrößert sich um über 130 Stimmen. Acht Minuten später flimmert erstmals das Ergebnis aus Thailen auf der Leinwand auf. Auch hier hat Wolfgang Hübschen deutlich gewonnen, mehr als 63 Prozent der Stimmen erreicht. Damit baut er seinen Vorsprung weiter um über 150 Stimmen aus.

Und dann noch das klare Votum im zweiten Weiskircher Wahlbezirk. Jetzt scheint es, als sei Hübschen der Sieg nicht mehr zu nehmen. Doch nur wenige Augenblicke später eine unerwartete Wende: Die Zahlen aus Rappweiler-Zwalbach liegen vor. Und hier hat der parteilose Bewerber mächtig abgeräumt, fast 70 Prozent der Wählerstimmen für sich verbucht. „Rappweiler war noch nie eine CDU-Hochburg“, wird CDU-Kreischefin Helma Kuhn-Theis später analysieren.

Mit diesem Erdrutsch-Resultat verkürzt Stephan Barth den Abstand um fast 280 Stimmen. Und es steht noch Konfeld aus, der Heimatort des parteilosen Kandidaten. Hier hatte Barth bereits im ersten Wahlgang sehr gut abgeschnitten und mit 45 Prozent der Stimmen  gewonnen. Kann das Ergebnis doch noch kippen? Immer noch beträgt der Vorsprung von Wolfgang Hübschen gut 160 Stimmen. Und auch er, der CDU-Mann, war in Konfeld im ersten Wahlgang auf über 40 Prozent gekommen.

Dann, um 18.24, ist es Gewissheit: Die Zahlen aus Konfeld trudeln ein. Stephan Barth hat dort gewonnen, mit 60 Prozent, aber doch nur etwa 100 Stimmen mehr geholt als Wolfgang Hübschen. Der CDU-Mann hat seinen Vorsprung gerade so verteidigt, am Ende haben 55 Wähler mehr für ihn gestimmt als für Barth. In Prozenten liest sich das so: 50,9 zu 49,1 Prozent. 1589 Stimmen gab es insgesamt für Hübschen, das waren knapp 80 mehr als im ersten Wahlgang. Stephan Barth hingegen hat seine Stimmenzahl um mehr als 600 gesteigert. Doch es hat nicht gereicht.

Noch sind die Reaktionen im Saal etwas zögerlich. Aber dann sagt einer: „Worauf wartet ihr? Sechs von sechs sind ausgezählt, es ist gelaufen.“ Nun brandet Beifall auf im Sitzungssaal, Wolfgang Hübschen wird umarmt und muss viele Hände schütteln – unter anderem die von seinem Kontrahenten, der ihm zum Wahlerfolg gratuliert, um den es am Ende nochmal richtig eng wurde.