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So geht es während der Corona-Pandemie im Wildpark Weiskirchen zu

Kostenpflichtiger Inhalt: Wild- und Wanderpark in Zeiten von Corona : Wohlergehen der Tiere bleibt in Weiskirchen die Hauptsache

Auch wenn der Wild- und Wanderpark Weiskirchen derzeit geschlossen ist, kümmern sich die Mitarbeiter weiter um Bussard und Co.

Das tolle Wetter der vergangenen Wochen hätte zweifellos viele Besucher in den Wild- und Wanderpark Weiskirchen gelockt. Doch wegen der Corona-Pandemie ist geschlossen. Ungeachtet der behördlich angeordneten Sperrung wollen aber die rund 120 Tiere, die im Park leben, weiter wie gewohnt versorgt werden. Hinter den Kulissen kümmern sich im Auftrag der Gemeinde Weiskirchen Stefan Klasen und Ali Hassler um ihre vierbeinigen und gefiederten Schützlinge. Demnächst will sich zusätzlich eine passionierte Falknerin insbesondere der Greifvögel annehmen.

Während die beiden Tierpfleger die Fragen der SZ beantworten, sortieren sie eine gerade eingetroffene Lieferung vom Café Louis, das dem Park alle zwei Tage nicht verkaufte Brötchen und Brote kostenlos überlässt. Hassler: „Das bekommen viele unserer Tiere praktisch als Beifutter, weil sie in ihren großen, artgerechten Gehegen eigentlich ausreichend natürliche Nahrung vorfinden. Nicht nur im Winter gibt’s ganz nach Bedarf auch gelegentlich Kraftfutter.“ Parkschließung hin oder her – die Verpflegung müsse schließlich gewährleistet bleiben. Beiläufig erwähnt Klasen noch, „dass das, was nach der Verdauung hinten raus kleckert, in regelmäßigen Abständen probenweise aufgesammelt wird“. Veterinäre würden damit später in Laboren feststellen können, ob mit den Tieren gesundheitlich alles in Ordnung ist.

Ali Hassler hat mit vielen Tieren im Park ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Foto: a-n

Im Ziegengehege, wo schon wieder zwei Jungtiere zwischen den Großen umher tollen, wissen die Horn- und Bartträger die ihnen angebotenen Brötchen als kleine Leckerei nebenbei unübersehbar sehr zu schätzen. „Die beiden Geschlechter werden von uns nur deshalb in zwei unterschiedlichen Gruppen gehalten, weil wir so den Zuwachs in Grenzen halten können“, versichert Hassler. Durch den täglichen Kontakt wissen die Tierpfleger längst ganz genau, wo ihnen vertraute Vierbeiner die gebotenen Leckerchen aus der Hand fressen dürfen. „Das können wir beispielsweise bei unseren mächtigen Wisenten nicht riskieren.“

Die jeweiligen Gruppengrößen zum Beispiel bei Wildpferden, Sika-, Dam- oder Rotwild seien in den Gehegen abhängig von der zur Verfügung stehenden Fläche und den spezifischen Anforderungen der Arten festgelegt worden. Aber auch in Corona-Zeiten müsse die „Rundum-Versorgung“ der Parktiere weiterhin gewährleistet bleiben. Klasen: „Da müssen etwa Hufschalen gepflegt werden, dann und wann kleinere Verletzungen, die bei Raufereien untereinander passieren können, behandelt werden und vieles mehr, was – mit oder ohne Besucher – zu unseren Aufgaben gehört.“

Stefan Klasen päppelt gerade ein verletztes Turmfalken-Weibchen auf. Foto: a-n

Und dann ist da noch die Vogelauffang- und -pflegestation gleich hinter dem Eingang zum Wild- und Wanderpark, in der Klasen fachkundig in Not geratene und verletzte Greifvögel betreut. Er weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die beiden Steppenadler in der Schauvoliere gerade Nachwuchs bekommen: „Ihre befruchteten Eier werden vor dem Schlüpfen von einem Falkner abgeholt und weiter betreut, weil wir hier im Park für Nachwuchs keinen Platz mehr haben.“

In der Pflegestation bekommen aber auch zwei betagte Mäusebussarde ihr Gnadenbrot, deren alte, weitgehend ausgeheilten Verletzungen eine Auswilderung nicht mehr erlauben. Anders sehe das bei dem Turmfalken-Weibchen aus, dessen Verletzung im Park ausheilen soll. „Das können wir dann später nach vollständiger Gesundung wieder in der Natur auswildern“, berichtet Klasen. Solche verletzten Greifvögel würden immer mal wieder von Findern in den Park gebracht, um sie vor dem Tod zu bewahren. Klasen: „Aber auch Behörden bringen bei uns immer wieder beschlagnahmte Tiere unter, die von Privatleuten irgendwo im Saarland illegal und nicht artgerecht gehalten worden sind.“

Diese beiden betagten Bussarde bekommen ihr Gnadenbrot, weil sie wegen ihrer Verletzungen nicht mehr ausgewildert werden können. Foto: a-n

Beide Tierpfleger freuen sich übrigens schon auf die zukünftige Zusammenarbeit mit Dorothee Schneider, die als passionierte Falknerin voraussichtlich irgendwann nach der Wiedereröffnung des Wild- und Wanderparks ihr Fachwissen in die tägliche Arbeit einfließen lassen wird. Mögliche Flugschauen mit Greifvögeln könnten dann ein weiteres Highlight des Parks werden. Aber zunächst mal muss er aus den genannten Gründen für die Öffentlichkeit gesperrt bleiben. Das sei zwar bedauerlich, aber nachvollziehbar. Klasen und Hassler sorgen inzwischen dafür, dass es ihren Schutzbefohlenen an nichts fehlt: „Hauptsache, unseren Tieren geht es gut!“