Pilzberatung in Weiskirchen hat noch bis zum 25. Oktober geöffnet

Pilzberatung in Weiskirchen : Sie wissen, welcher Pilz welcher ist

Bei der Pilzberatung in Weiskirchen helfen Experten bei der Unterscheidung von leckeren Speisepilzen und giftigen Exemplaren.

Die Hochwald-Touristik in Weiskirchen bietet Naturfreunden und Genießern mit der einzigen öffentlichen Pilzberatung des Saarlandes eine ideale Anlaufstelle, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie beim vorherigen Sammeln von Speisepilzen im Hochwald (für den persönlichen Bedarf) wirklich nur die genießbaren Exemplare ins Körbchen gelegt haben. Aber über Artenbestimmung und „lukullischen Wert“ der mitgebrachten Pilze hinaus erfahren die Besucher im Haus des Gastes noch weit mehr von den rund 3500 Pilzarten, die im Saarland gesammelt werden können – oder die man besser nicht antastet.

Die SZ unterhielt sich mit Hans-Werner Graß und Frank Lustik, denen niemand ihren Ruf als sachkundige Pilzexperten streitig machen kann. Graß hat sich bereits seit rund 40 Jahren mit den Pilzen seiner Heimat an der Saar beschäftigt. Und seit der inzwischen pensionierte Postbeamte nicht mehr seine Dienstkleidung trägt, bietet er neben der kostenlosen Pilzberatung auch Exkursionen zu Pilzen und Pflanzen sowie Pilzseminare für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Als weiterer Experte steht ihm im Haus des Gastes Frank Lustik zur Seite, dessen gezieltes Interesse ebenfalls seit vielen Jahren den Pilzen gilt.

Die öffentliche Pilzberatung in Weiskirchen existiert bereits seit 2001. Und ihre Daseinsberechtigung wird jedes Jahr dramatisch von Todesfällen unterstrichen, wenn ahnungslose Sammler giftige Exemplare wie den Knollenblätterpilz unter ihre Speisen mischen. „Um genau solche tragischen Unglücke zu vermeiden, schauen wir uns gerne die mitgebrachten Pilze unserer Besucher genauer an, damit sie wirklich nur die gesunden und wohlschmeckenden Sammelobjekte für ihre Küche mit nach Hause nehmen“, versichert Graß, „wir versprechen damit wahre Gaumenfreuden ohne jede Reue.“

In der einzigen öffentlichen Pilzberatung des Saarlandes nimmt der Experte Hans-Werner Graß die mitgebrachten Pilze unter die Lupe. Foto: a-n

Aber die Experten überraschen ihre Gäste darüber hinaus noch mit weiteren interessanten Erfahrungen. So spitzt mancher Laie verblüfft die Ohren, wenn er in dieser Pilzberatung erfährt, dass die Pilze gerade jetzt nach zwei extrem trockenen Sommern einen wichtigen Beitrag zur Rettung der Bäume und damit des Waldes leisten. Graß: „Das Pilzmyzel, praktisch ihre Wurzeln, umspinnt mit seinem feinen Geflecht unterirdisch die Feinwurzeln der Bäume und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Wasser- und Nährstoffversorgung der Waldbäume.“ Und Lustik fügt gleich noch hinzu: „Außerdem zersetzen Pilze vorhandene Biomasse (zum Beispiel abgestorbene Pflanzenreste) am Waldboden und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einem gesunden, aus sich selbst heraus lebensfähigen Wald, der ohne die Pilze auf Dauer sterben würde.“

Aber in erster Linie wollen die Besucher bei der Pilzberatung natürlich sicherstellen, dass sie die richtigen, ungefährlichen Pilze gesammelt haben. Beide Ansprechpartner im Haus des Gastes führen das wachsende Interesse gerade jüngerer Leute an dem Thema „Pilz“ auch auf die allgemein zunehmende öffentliche Diskussion über den Natur- und Klimaschutz zurück. Und dass die sich abzeichnende globale Klimakatastrophe und zum Beispiel das Fichtensterben durch die Borkenkäferplage allen Wäldern nicht nur an der Saar mehr und mehr zusetzen, steigere die Sensibilität vieler Menschen auch für die biologischen Wechselwirkungen zwischen Bäumen und Pilzen.

Wer diesen giftigen Knollenblätterpilz verspeist, macht damit einen tödlichen Fehler. Foto: a-n

Auf der anderen Seite wird bei der Pilzberatung aber auch ständig darauf hingewiesen, dass ein „Raubbau“ beim Pilzsammeln über die vom Gesetzgeber erlaubten Mengen für den Eigenbedarf hinaus schon aus Gründen des Naturschutzes unbedingt zu vermeiden ist. Graß: „Wir gönnen natürlich jedem privaten Waldbesucher seine erfolgreiche Pilzsuche, mit der er sich kostenlos köstliche Speisen zusammenstellen kann, aber dabei sollte schon darauf geachtet werden, dass sich der natürliche Pilzbesatz immer wieder regenerieren kann.“ Zum Glück seien im heimischen Hochwald nach den vielen Regengüssen der letzten Tage aktuell so viele leckere Speisepilze zu sammeln wie schon lange nicht mehr. Lustik: „Wer jetzt im Wald keine Pilze findet, der sollte dringend einmal seinen Augenarzt aufsuchen!“

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