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Bürgermeisterwahl Weiskirchen
Oestreich verzichtet auf Häuser-Wahlkampf

Gerrit Oestreich, FDP-Bürgermeisterkandidat in Weiskirchen an seinem Lieblingsplatz – dem Weiskircher Natur- und Waldfreibad.
Gerrit Oestreich, FDP-Bürgermeisterkandidat in Weiskirchen an seinem Lieblingsplatz – dem Weiskircher Natur- und Waldfreibad. FOTO: Ruppenthal
Weiskirchen. Der Wahlkampf zur Bürgermeisterwahl in Weiskirchen geht in den Endspurt. Die SZ spricht kurz vor dem Wahlsonntag noch einmal mit allen fünf Kandidaten. Heute: Gerrit Oestreich, FDP. Von Teresa Bauer

Für die FDP tritt am kommenden Sonntag, 3. Juni, Gerrit Oestreich bei der Wahl zum neuen Bürgermeister in Weiskirchen an. Insgesamt rund zehn Stunden widmete er sich pro Woche dem Wahlkampf – in Eigenregie. „Ich habe das meiste selbst gemacht. Oft in den Nachtstunden. Die Website habe ich selbst erstellt, ebenso die Flyer. Die Plakate habe ich auch selbst aufgehängt.“ Ab und an wurde er von zwei Parteikollegen, von seinen Wanderfreunden oder Freundinnen seiner Frau unterstützt. Abends sei dann manchmal gemeinsam mit seiner Frau „Spazieren gehen mit Flyern“ angesagt gewesen.


Oestreich hat auf einen Häuser-Wahlkampf verzichtet. Zum einen, weil ihm die Zeit fehle. Oestreich ist Leiter der Tourist-Information der Stadt Ottweiler. „Nebenher bin ich noch selbstständig, betreibe einen Fahrradladen. Im Geschäft und im Tourismus herrscht im Mai und Juni Hochbetrieb. Es ist die Hauptzeit für Veranstaltungen.“ Zum anderen möchte er auch bewusst keinen Häuser-Wahlkampf betreiben. „Ich will nur mein Programm vorstellen, und dann können die Leute unbefangen von persönlichen Ressentiments entscheiden“, sagt der FDP-Kandidat.

Die Bürger hätten ihn aber dennoch aktiv auf kleinere wie größere Probleme angesprochen. Besondere Erkenntnis, die Oestreich aus den Gesprächen ziehen konnte? „Dass in einer konservativen, älteren Bevölkerung die Angst vor grundlegenden Veränderungen stärker ist. Die Jüngeren hingegen haben keine Angst. Das spaltet auch so ein bisschen die Gesellschaft.“ Er selbst habe keine Angst vor solchen Veränderungen und spielt dabei auf sein Vorhaben, die Gemeinden Weiskirchen und Wadern zusammenzulegen, an.

„Mein Wahlprogramm ist die Konsequenz aus der Kommunalwahl von 2014. Damals wurden wir quasi belächelt für die Themen Zusammenlegung, Krankenhaus und Polizei. Und jetzt sind sie aktueller denn je. Vielleicht bin ich manchmal meiner Zeit etwas voraus“, sagt Oestreich. Anlass, die Idee der Gemeindezusammenlegung öffentlich zu machen, sei ein Besuch des Innenministers Klaus Bouillon im Gemeinderat gewesen. Damals wie heute sprach der Minister sich für eine Gebietsreform aus, allerdings seien alle im Gemeinderat dagegen gewesen. „Ich war und bin der einzige, der dafür ist. Auch, weil bei einer freiwilligen Zusammenlegung die Bürger die Möglichkeit haben, mitzuentscheiden.“

Anders als in Weiskirchen, „werde ich in Wadern – gerade von denen, die nicht wählen können – darauf angesprochen, dass sie eine Zusammenlegung gut finden. Wadern ist viel offener für größere Kommunale Strukturen, viele sehen aber auch, wer bremst.“ Das sei sehr erfreulich gewesen. Etwas Unerfreuliches sei ihm bisher aber nicht passiert. „Vielleicht bin ich da auch etwas hartgesottener. Ich komme ja aus Thailen. Da ist man ein bisschen robuster im Nehmen. Und auch im Austeilen.“



Ausgeteilt habe indes keiner der fünf Bürgermeister-Kandidaten, was Oestreich als sehr angenehm und fair erachtet. „Es war ja auch kein Wahlkampf im klassischen Sinne. Eher eine Unterscheidung. Wir kennen uns alle untereinander. Jeder hat einfach seine Themen vorgestellt und nicht über die anderen hergezogen“, zieht Oestreich Bilanz.

Die Wahlbeteiligung schätzt er auf 60 Prozent. „Weil es mehr Kandidaten sind. Auf der anderen Seite, es sind keine Kommunalwahlen, nur Bürgermeisterwahlen. Das kann die Beteiligung nochmal bremsen.“ Bei fünf Kandidaten komme es aber auf jeden Fall zu einer Stichwahl. „Die Wahlbeteiligung wird dann aber nochmal runter gehen. Wenn nicht mehr der Kandidat, den man zuvor gewählt hat im Rennen ist, gehen viele nicht nochmal wählen“, ist sich Oestreich sicher.