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Weiskirchen
„Dat Schmuggeln war schon schön“

 Zeigen das neue Buch (von links): Werner Hero, sein Nachfolger Wolfgang Hübschen, Buchautor Stefan Haas und Kurt Meyer.
Zeigen das neue Buch (von links): Werner Hero, sein Nachfolger Wolfgang Hübschen, Buchautor Stefan Haas und Kurt Meyer. FOTO: Dieter Ackermann
Weiskirchen. Über das Leben der Menschen in Weiskirchen während der Zeit des Saarstaates berichtet ein neues Buch des Autors Stefan Haas.

Während draußen an diesem tristen Adventssonntag nur wenige wetterfeste Besucher des Weihnachtsmarktes in Weiskirchen von Stand zu Stand huschen, um dort halbwegs geschützt dem Regen Paroli bieten zu können, wird das Haus des Gastes seinem Namen voll und ganz gerecht. Dorthin hat sich Stefan Haas mit seinen Büchern zurückgezogen, die nur auf den ersten Blick an die überörtlichen Telefonbücher erinnern. Gelb ist der Einband, richtig dick (590 Seiten mit mehr als tausend Abbildungen) sind sie auch – aber sie haben mehr zu bieten als nüchterne Telefonnummern, berichten sie doch über „Weiskirchen und seine Menschen in der Saarstaatzeit“.


Für den Weg zur offiziellen Vorstellung dieses Buches haben unter anderem Bürgermeister Wolfgang Hübschen, sein Amtsvorgänger Werner Hero und Kurt Meyer vom Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege Weiskirchen flugs ihre Regenschirme aufgespannt, um diese Buchpräsentation unter schützendem Dach nicht zu versäumen. Alle drei halten nach den interessanten Erläuterungen des Autors mit ihrer Empfehlung nicht hinter dem Berg, dass diese Dokumentation es verdient, den Lieben nicht nur aus Weiskirchen als passendes Geschenk unter den Weihnachtsbaum gelegt zu werden.

Und keine Angst: Diese von Haas selbst als wissenschaftliche Aufarbeitung der jüngeren Geschichte beschriebene Dokumentation des örtlichen Geschehens im Zweiten Weltkrieg, vor allem aber der 50er- und der Folgejahre, liest sich schon deshalb durchaus gut, weil reizvolle, dabei wirklich passierte Anekdoten für einen entsprechenden Unterhaltungswert sorgen. Beispiel gefällig? Wo die Weiskircher heute im (noch) einzigen Supermarkt ihre Einkäufe tätigen, existierte nämlich in der Saarstaatzeit die Landesgrenze mit eigener Zollstation zwischen Deutschland und dem Saarstaat, die – so der Verfasser – einen gewissen Reiz ausübte: „Dat Schmuggeln war schon schön!“



Etwa zwei Jahre lang hat Haas das umfangreiche Material zusammengetragen. Bilder, Texte, Zeitzeugen-Erzählungen und alte Dokumente flossen in dieses Buch ein, das schon im kommenden Jahr zu einer Trilogie erweitert werden soll. Im jetzt vorliegenden ersten Band dreht sich alles um das Dorfgeschehen von den ersten Kriegs-Wirren (Zweiter Weltkrieg), von der Saarstaatzeit, vom kulturellen Leben, unter anderem „et Kinno“, vom Fremdenverkehr sowie von Schule und Kirche. Der im kommenden Jahr erscheinende zweite Band soll sich dann der Wirtschaftsgeschichte widmen, während der dritte Band schließlich das damalige Vereinsleben Weiskirchens beleuchten soll.

Neben der Fleißarbeit, in tausenden von alten Dokumenten, Zeitungsartikeln und Alben zu wühlen, fand Haas Kontakt zu 22 Zeitzeugen, die mit ihren persönlichen Schilderungen lebendige Authentizität des Dorfgeschehens sicherstellen. Mehr als 50 weitere Weiskircher gaben dem Autor zusätzliche Informationen, die er in sein Buch einarbeiten konnte. Das alles sorgte letztlich auch für Quellenangaben, die sich zum Schluss über viele Seiten erstrecken. Insbesondere beim Abbildungsverzeichnis würde man sich allerdings wünschen, dass die Informationen um die entsprechenden Seitenhinweise erweitert würden.

Unter dem Strich legen Käufer des Buches ihren Lieben damit aber eine Lektüre auf den weihnachtlichen Gabentisch, von deren Lektüre man sich über lange Zeit fesseln lassen kann. So freut sich Bürgermeister Hübschen darüber, dass der Verkauf gerade vielversprechend angelaufen sei. „Schon deshalb ist es gut, dass der Verkauf dieses Buches bereits im aktuellen Weihnachtsgeschäft anlaufen kann.“ Und auch Werner Hero zeigt sich mehr als erfreut darüber, dass „so ein gewaltiges Werk jetzt die Nachkriegsgeschichte Weiskirchens aufarbeitet.“ Kurt Meyer hofft ebenfalls auf einen erfolgreichen Verkauf dieser Dokumentation, zu deren Finanzierung der Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege Weiskirchen gerne beigetragen habe. Und während vor dem Haus des Gastes Musikschüler und die Blockflötengruppe Bardenbach unter schützender Regenplane tapfer gegen das miese Wetter ansingen, verkauft Haas an seinem Stand bereits die ersten Bücher.