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Neues Auto für Familie von Lars Haßler aus Weiskirchen

Freude in Weiskirchen : Ein neues Auto für Familie Haßler

Der durch Spenden finanzierte Wagen ist ganz auf die Bedürfnisse von Lars Haßler aus Weiskirchen zugeschnitten.

„Das neue Auto ist da.“ Auf diesen Anruf von Patrick Barth hatte die Familie Haßler in Weiskirchen schon lange gewartet. Aber bevor der nagelneue Opel Zafira Life vom Autohaus Barth den neuen Eigentümern übergeben werden konnte, musste ein Spezialausrüster, der sonst eher Rettungsfahrzeuge ausbaut, das Auto erst noch aufwendig für die Bedürfnisse des kleinen Lars Haßler umrüsten.

Für den Sechsjährigen sind nämlich viele ganz normale Dinge des Alltags schwieriger als für andere Kinder seines Alters. Er benötigt zum Beispiel Hilfe beim Toilettengang, beim An- und Ausziehen und nicht zuletzt beim Ein- und Aussteigen ins Auto. Grund dafür ist die ebenso unheilbare wie seltene muskuläre Erbkrankheit Muskeldystrophie Duchenne (DMD, siehe Info), die zu einem stetigen Muskelabbau des Kindes führt.

Diese niederschmetternde Diagnose und die daraus zwangsläufigen Konsequenzen – unter anderem musste ein Rollstuhllift für das Elternhaus und ein Fahrzeug mit einer sicheren Rollstuhlaufnahme her – mussten zwangsläufig die finanziellen Möglichkeiten der Familie Haßler überfordern. Das brachte Weiskirchens Bürgermeister Wolfgang Hübschen auf den Plan. Er richtete seitens der Gemeindeverwaltung ein Spendenkonto für die Haßlers ein, und nachdem die SZ über diesen Schicksalsschlag berichtet hatte, bewiesen sowohl Privatpersonen als auch Organisationen und Firmen aus der Hochwaldregion solidarisch Herz für Lars und zahlten Geld ein.

Mit knapp 20 000 Euro davon wurde inzwischen der bereits montierte Treppenlift bezahlt. Weitere rund 50 000 Euro kostet das neue Auto, das die Familie jetzt dankbar und stolz dem Bürgermeister und der SZ vorstellte. Der Kofferraum dieses Zafiras wurde komplett umgestaltet. In eine neue Vertiefung passt jetzt eine absenkbare Rampe, über die Lars’ Rollstuhl in den Innenraum geschoben werden kann. Aufwendige Technik stellt während der Fahrt sicher, dass der Junge mit Sicherheitsgurten und Extra-Nackenstütze bestmöglich gegen etwaige Unfallschäden gesichert ist.

Aber wie das bei Sechsjährigen so ist – noch will er sich und anderen beweisen, dass er aus eigener Kraft ins Auto klettern kann. Anne Haßler schmunzelte nachsichtig und versicherte: „Noch stelle ich ihm dann einen kleinen Hocker vors Auto, damit er es auch wirklich schafft.“ Aber mit dem Fortschreiten der unheilbaren Krankheit sei es absehbar, dass Lars bald nur noch mit seinem Rollstuhl ins Auto rollen kann. Dass er und sein Zwillingsbruder Luis sowie der neunjährige Leo sich mit einem Lächeln im Gesicht dem SZ-Fotografen vor dem neuen Auto stellten, hatte möglicherweise auch etwas mit der Tatsache zu tun, dass der Bürgermeister jedem der drei Brüder einen Schokoladen-Nikolaus mitgebracht hatte.

Ihre Eltern, Anne und Stefan Haßler, nutzten diese Gelegenheit, um sich noch einmal ganz herzlich bei allen zu bedanken, die mit kleinen und großen Spenden Anteil an ihrem Schicksal genommen hatten. Dabei vergaßen sie auch nicht, an den vergleichbaren Schicksalsschlag der Familie Katrin und Michael Leidinger in Rappweiler-Zwalbach zu erinnern, bei deren neunjährigem Sohn Sohn Moritz dieselbe unheilbare muskuläre Erbkrankheit diagnostiziert worden ist, wie bei Lars Haßler (die SZ berichtete). Auch bei den Leidingers muss beim aktuellen Umbau des Wohnhauses ein neuer Lift her, über den der Junge die erste Etage aus eigener Kraft erreichen kann. Hübschen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch auf das für die Familie Leidinger eingerichtete Spendenkonto inzwischen etwa 55 700 Euro eingezahlt worden sind.

Zusammenfassend fügte der Bürgermeister noch hinzu: „So schrecklich die Tatsache ist, dass diese überaus seltene Erbkrankheit gleich zweimal in unserem schönen heilklimatischen Kurort bei Kindern aus zwei Familien diagnostiziert worden ist, so stolz bin ich gleichzeitig auf das unübertreffliche Maß an Mitgefühl und Solidarität, das die Menschen in unserem Hochwald durch ihre Spenden für diese betroffenen Familien bewiesen haben. Nichts kann das mutmachende Zusammengehörigkeitsgefühl hier im nördlichen Saarland besser dokumentieren als diese bewiesene Nächstenliebe.“