Museen im Saarland: Mechanischer Musiksalon & Drehorgelmuseum Weiskirchen

Drehorgelmuseum Weiskirchen : Im fantastischen Reich des Drehorgelspielers

Im Mechanischen Musiksalon Weiskirchen sind Drehorgeln, Puppenautomaten und historische Kuriositäten zu sehen.

Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage stellt man sich fast zwangsläufig, wenn man sich nach einem Besuch des Mechanischen Musiksalons & Drehorgelmuseums in Weiskirchen, Trierer Straße 6, wieder von Klaus Meyer (78) verabschiedet. Als einst Weiskirchens wichtigster Steuerzahler, Trolitan Presswerk Ernst Meyer und Söhne, mit bis zu 180 Arbeitnehmern investierte er sein Einkommen zu großen Teilen in seine faszinierende Sammelleidenschaft, die inzwischen im eigenen Museum die gute, alte Zeit wieder lebendig werden lässt. Das ist letztlich auch der Tatsache geschuldet, dass alle ausgestellten historischen Drehorgeln und Puppenautomaten, viele weitere Zeugen der Vergangenheit nicht zu vergessen, meist erst mit dem richtigen Kurbelschwung wie einst stimmgewaltig aus ihrer zwischenzeitlichen Erstarrung zu pulsierendem Leben erwachen können.

Als gelernter Kaufmann musste Meyer schon als 22-Jähriger im elterlichen Unternehmen ran. Um neue Kunden zu akquirieren, schwärmte er damals – das Saarland gehörte noch zu Frankreich – unter anderem nach Rheinland-Pfalz aus. „Dass ich damals wöchentlich 70 bis 80 Stunden, auch an Samstagen und Sonntagen, arbeitete, verstand sich eigentlich von selbst“, verrät er. Nach der Hochzeit im Jahr 1963 erwarb er in Weiskirchen 1989 ein lothringisches Bauernhaus in der Trierer Straße 6, dessen Sanierung und Umgestaltung ihn nach einem Brandschaden 1965 viel Schweiß gekostet hat. Die dort traditionell im Erdgeschoss untergebrachten Ställe für Großvieh und Schweine präsentieren sich seither als attraktive Museumsräume.

„Endlich konnte ich dort meine Sammlung von Drehorgeln und Puppenautomaten sowie viele weitere alte Alltagsgegenstände unterbringen, während meine Familie im Obergeschoss eine Bleibe fand.“ Aber selbst die rund 200 Quadratmeter umfassende Ausstellungsfläche des neu entstandenen Museums reichte nicht mal ansatzweise, um seiner Sammelleidenschaft wirklich gerecht werden zu können. Also mussten alte landwirtschaftliche Geräte an den Wänden eines Gartenschuppens dekoriert werden, und die mächtige Kirmesorgel, bei deren Spiel im Haus nicht selten die Tassen im Obergeschoss klirrten, fand ein Ausweichquartier in einer angemieteten Lkw-Garage.

Wenn der 78-Jährige heute seinen Besuchern die Tür aufschließt, begrüßt die Figur von Klaus dem Puppenspieler sie zunächst mit seinem Karussellpferd. Hier gibt’s auch erste Erklärungen der verschiedenen Systeme, wie mechanische Musikinstrumente gesteuert werden. Und wenn gegenüber der Schweizer Animationsautomat aus dem Jahr 1970 mit einer Münze gefüttert wird, spielt der drollige Musiker mit rollenden Augen mit seinem Akkordeon auf. Als Vorgänger der bekannten Schallplattenautomaten beeindruckt aber auch ein Blechplatten-Spielgerät aus dem Jahr 1910 mit seinem vollen Klang. Und keine Angst: Das Museum hat noch weit mehr zu bieten. An einer Wand demonstriert zum Beispiel eine große Anzahl von Teppichklopfern, wie variabel solche Alltagsgegenstände in unterschiedlichen Flechtweisen und Materialien sein können. Und mittendrin trommelt wieder ein Puppenspielautomat munter drauf los, wobei seine rot aufleuchtende Nase den Takt vorgibt.

Wo früher das Großvieh gefüttert wurde, präsentiert Meyer eine ganz besondere Drehorgel, die als „Linksdreher“ – eigens produziert für Soldaten, die im Krieg ihre rechte Hand verloren hatten – einem Patienten der Hochwald-Kliniken gehörte: „Der war bei seinem Besuch so begeistert, dass er mir seine Drehorgel für die Zeit nach seinem Tod versprach. Er berichtete mir von seiner Erkrankung, der er voraussichtlich schon bald zum Opfer fallen würde. Und tatsächlich, etwa ein halbes Jahr später brachte mir sein Testamentsvollstrecker die versprochene Orgel.“

Interessant ist aber auch der Raum, in dem früher die Schweine untergebracht waren. Dort hat Meyer viele Alltagsgegenstände ausgestellt, die ohne die Produktion von Bakelit-Bauteilen aus seiner Firma, gar nicht funktioniert hätten. Viele ältere SZ-Leser können sich gewiss noch an die alten Telefone, Löschroller oder Transistorradios erinnern, die hier das Andenken an das damals größte Unternehmen von Weiskirchen wachhalten. Immerhin war sein Vater Ernst Meyer seit 1937 ein Pionier in der Verarbeitung von Pressstoff (Bakelit). Gleich gegenüber ziehen übrigens Schlüssel aus aller Welt die Aufmerksamkeit auf sich. Der Museumsführer: „Die größten Schlüssel gehörten zu den dicksten Türen und die wiederum konnten sich nur ganz reiche Leute leisten.“

Aber die Fundgrube seines Museums hat noch viele weitere Kostbarkeiten zu bieten. Wer hätte schon gewusst, dass beispielsweise seine beleuchtete Stopfhilfe für die Reparatur löchriger Strümpfe kein Geringerer als der Alt-Kanzler Konrad Adenauer erfunden hatte? Gerade die Vielzahl an großen und kleinen Ausstellungsstücken habe schon vielfach Besucher nach der ersten Visite dazu veranlasst, gerne noch einmal zu kommen, um dabei immer wieder auf neue spannende Museumsstücke zu stoßen, die ihnen beim ersten Besuch noch gar nicht aufgefallen waren.

So etwas kann man beispielsweise auch im hintersten Raum des Museums entdecken. Dort steht völlig unauffällig ein Waschlavoir (Schüssel und Wasserkanne) auf einem großen Tisch, in dem sich angeblich schon Kaiser Napoleon die Hände während seines Aufenthalts auf Korsika gewaschen haben soll. Ob das wirklich stimmt? Der Hausherr zuckt unbefangen, aber schmunzelnd, mit den Schultern. In einer anderen Ecke erinnert eine alte Schulbank mit Tafel und Stühlchen manch Ältere noch an ihre Schulzeit in den Nachkriegsjahren.

Diesen Bereich will Klaus Meyer jetzt aber demnächst in einen Antikladen umwandeln, in dem seine Besucher interessante Gegenstände auch erwerben können. „Mit dem Erlös möchte ich dann die Unterhaltungskosten des Museums zumindest in Teilen abdecken, weil ich hier alles vom eigenen Konto bestreiten muss, ohne dafür mit irgendwelchen öffentlichen Mitteln unterstützt zu werden“, sagt er.

Alle Serienteile finden sich im Internet:

Hier betreten die Besucher die musikalische Zauberwelt des mechanischen Musiksalons. Foto: a-n
Das Blechplatten-Spielgerät von 1910 gilt als Vorläufer der Plattenspieler. Foto: a-n
Klaus Meyer lädt ein in sein Drehorgel-Museum. Foto: a-n
Nach dem Münzeinwurf spielt dieser Musikant mit klimpernden Augen mit seinem Akkordeon auf. . Foto: a-n

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