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Masken für die Kinder- und Jugendhilfe Weiskirchen

Weiskirchen : Nähmaschinen ratterten für einen guten Zweck

Rita Bolldorf und Katharina Maring nähten Masken und spendeten den Erlös von 3120,71 Euro der Kinder- und Jugendhilfe Weiskirchen.

Auf einmal waren die Masken vor aller Munde. Das sollten sie jedenfalls angesichts der plötzlich alles andere in den Schatten stellenden Corona-Bedrohung sein. Aber woher nehmen, ohne zu stehlen? Selbst eine Justizvollzugsanstalt fragte deshalb in Löstertal nach, ob sie 500 Exemplare des begehrten Mund- und Nasenschutzes bekommen konnte. Da allerdings konnten Rita Bolldorf (68) und Katharina Maring (50) nicht auch noch helfen, weil sie ohnehin schon tagelang „durchgenäht“ hatten, um ihre Masken gegen Spenden abzugeben. Für fast 1200 Exemplare hatten sie auf den Cent genau 3120,71 Euro bekommen, die sie jetzt der Kinder- und Jugendhilfe St. Maria in Weiskirchen zur Verfügung stellten.

Als die begehrten Masken zu Beginn der Corona-Krise noch Mangelware waren, hatten beide Frauen eine gute Idee. Die rüstige Rentnerin Rita Bolldorf meinte: „Ich bin seit 1974 als Reinigungskraft in der Leichenhalle in Löstertal beschäftigt. Angesichts der Bedrohung durch das Virus dachte ich mir, dass es besser sei, gesundheitlich präventiv tätig zu werden als auf neue Tote in der Leichenhalle zu warten. Und wie kann man besser helfen, als wenn man das macht, was man kann – und nähen können wir beide.“ Weil das auch Katharina Maring so sah, ratterten fortan ihre Pfaff-Nähmaschinen im Dauereinsatz.

Bolldorfs Sohn, Jürgen Bolldorf, ergatterte auch so eine Maske – gegen eine kleine Spende, versteht sich – und erkannte den Stoff prompt wieder. „Der stammte eindeutig aus dem Lieblingshemd meines verstorbenen Vaters.“ Kein Zufall, denn die Näherinnen verarbeiteten über Jahrzehnte gesammelte und frisch gewaschene Bettbezüge, Baumwollhemden und andere Textilien, die für den speziellen Zweck geeignet waren. Auch viele Bekannte brachten die zuhause gehorteten Stoffe zu Maring und Bolldorf.

Präsentiert wurden die fertigen Masken – einzeln verpackt – auf einem Tisch vor dem Haus neben der Dorfbäckerei. Einen festen Preis dafür gab es nicht – Spenden aber zuhauf. Viele Menschen und einzelne Unternehmen ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen, an die gesuchten Masken zu kommen. Nach und nach sprach sich diese Aktion rund. Und bis auf zwei Personen, die zahlreiche Masken ohne Spende mitnahmen, zeigten sich viele Abnehmer sehr spendabel, fügten ihrer Geld-Spende oft sogar noch Pralinen, Blumen oder Getränke bei.

Als jetzt die Aktion beendet wurde, weil solche Masken inzwischen sogar als Werbegeschenke verschenkt werden, wussten die beiden längst, wem sie die Spendensumme von 3120,71 Euro zukommen lassen würden. Als Mutter des Leiters der Kinder- und Jugendhilfe St. Maria und Frau des Geschäftsführers der St. Hildegardishaus gGmbH war für Rita Bolldorf und Katharina Maring klar, dass sie mit dem Geld die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe St. Maria in Weiskirchen unterstützen wollten.

Die SZ war jetzt dabei, als die Löstertalerinnen die in Weiskirchen abgaben. Hildegard Kuhn-Lawinger, Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe St. Maria, war begeistert: „Für uns sind die beiden Frauen Engel ohne Flügel.“ Mit symbolhaft gestalteten Anstecknadeln und liebevoll ausstaffierten Präsentkörben drückte sie ihren Dank  aus: „Man kann diesen Einsatz nicht mit materiellen Werten aufwiegen. Das würden die beiden Frauen auch nicht wollen. Dass sie direkt an unsere Kinder in der Einrichtung gedacht haben, war natürlich eine schöne Erfahrung.“

Jürgen Bolldorf sagte: „Ich bin stolz auf meine Mutter. Sie hat fast Tag und Nacht durchgenäht. Jetzt weiß ich auch endlich, warum sie immer die ganze Bettwäsche aufgehoben hat. Und allein die Vorstellung, einen Menschen zu sehen, der meine natürlich frisch gewaschene Bettwäsche aus den 70er Jahren im Gesicht trägt, hat für mich eine ungemein humorvolle Komponente.“ Auch Wolfgang Maring blieb seinen Kommentar nicht schuldig: „Die Freundschaft zwischen Rita Bolldorf und meiner Frau Katharina ist durch diese Aktion noch enger geworden. Täglich zu sehen, dass wir alle auch aktiv etwas gegen die Verbreitung des Virus tun konnten und dabei zugleich Gutes für benachteiligte Menschen leisten zu können: Diese Synergie ist eine der positiven Erfahrungen dieser Zeit.“