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Ivonne Böhm aus Weiskirchen bestand zum Weltfrauentag ihre Jägerprüfung

Jägerin in Weiskirchen : Frischgebackene Jägerin mag ihre „Rotte“

Frauen und Jagd? Das geht ganz gut zusammen, findet Ivonne Böhm. Die Weiskircherin hat kürzlich die Prüfung für ihren Jagdschein bestanden.

Der Weltfrauentag 2020 am 8. März wird Ivonne Böhm immer daran erinnern, dass sie kurz zuvor die Prüfungen zur Erlangung des Jagdscheins mit Glanz und Gloria bestanden hat und sich seither Jägerin nennen und folglich Jagdwaffen führen darf. Und wenn sie beim Besuch der SZ im Familienkreis glaubhaft versichert, in Zukunft jedes von ihr erlegte Stück Wild – blutige Hände nicht scheuend – auch eigenhändig aufbrechen zu wollen, dann demonstriert sie damit neben Sachkunde auch die für echtes Waidwerk geforderte Passion. Die junge Frau: „Da gibt’s für mich keinen Unterschied zwischen jagendem Mann und jagender Frau.“

Die gelernte Fleischereifachverkäuferin heiratete 2003 Hennig Böhm, der in Weiskirchen, Im Köllenbruch 13, eine von ganz wenigen Wildmetzgereien betreibt. Dort gibt es Fleisch und Wurstwaren ausschließlich von Wild, das in den auch landschaftlich reizvollen Revieren des Hochwaldes erlegt worden ist. „Ich bin dort an der Seite meines Mannes für die Zubereitung von Ragouts und Fertiggerichten zuständig“, fügt Ivonne Böhm gleich hinzu. Gerne habe sie ihren Lebenspartner auch immer wieder mal bei der Jagd im eigenen Revier im nahen Löstertal begleitet – „und dabei reifte der Entschluss, selber mal den Jagdschein zu machen“.

Gesagt – getan: Im Oktober vergangenen Jahres meldete sie sich in der Jagdschule am Linslerhof zu einem fünfwöchigen Lehrgang mit anschließender Intensiv-Lernwoche an. Die Zusammensetzung, zwei Frauen und vier Männer, räumte letztlich mit der eindeutig falschen Vorstellung auf, das Jagen sei eine reine Männersache. Böhm: „Damit begann eine durchaus herausfordernde Zeit mit Lernen, Lernen und nochmal Lernen.“ Nicht umsonst nenne man die Jägerprüfung schließlich auch „grünes Abitur“. Die angehenden Jungjäger und -jägerinnen wuchsen dabei schnell als Team zusammen, „so dass schließlich nur noch von unserer Rotte (Familienverband von Wildschweinen, Anm. d. Red.) die Rede war“.

Fortan kannten Ehemann und die drei Kinder Ehefrau und Mutter, wenn sie nicht gerade auf dem Linslerhof war, zuhause nur noch in ihr Ausbildungsmaterial vertieft. Ivonne Böhm: „Das bedeutete für mich Stress, der sich zur Prüfung hin fast tagtäglich steigerte.“ Und wenn andere Eheleute sich nach Feierabend dem Fernseher zuwandten, holte Hennig Böhm unter anderem seinen Drilling aus dem Gewehrschrank, um mit ihr die sichere Handhabung solcher Jagdwaffen immer wieder zu üben. Aber auch bei den vielen anderen Fachgebieten, deren Beherrschung bei der bevorstehenden Jägerprüfung gefordert war, konnte er, der in Norddeutschland schon als 16-Jähriger seinen Jugendjagdschein gemacht hatte, ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wenige Tage vor dem Weltfrauentag musste Ivonne Böhms „Rotte“ dann vor der Prüfungskommission das gelernte Fachwissen und – nicht zuletzt – die auf dem Schießstand erworbenen Schießfertigkeiten demonstrieren. Das bedeutete: drei Tage lang Stress pur. Aber für die Weiskircherin zahlte sich letztlich das konzentrierte Lernen der Wochen zuvor aus: Nach bestandener Prüfung darf sie jetzt zum Beginn des neuen Jagdjahres (1. April) als neue Jägerin des Saarlandes ihren ersten Jagdschein lösen. Und ihre erste Einladung von einem Freund der Familie auf einen Rehbock-Abschuss hat sie auch schon in der Tasche. Die Jungjägerin sagte strahlend: „Jägerherz – was willst du mehr!“

Während Jägerinnen noch vor wenigen Jahrzehnten als echte Exoten auffielen, konnte man anlässlich des Weltfrauentages 2020 feststellen, dass diese Zeiten offenbar vorbei sind. Ivonne Böhm versicherte der SZ jedenfalls, dass sie bei ihrer Jäger-Ausbildung auf keinerlei Vorbehalte ihres Geschlechts wegen gestoßen sei: „In unserer Rotte waren wir zwei Frauen, die von den vier männlichen Teilnehmern des Lehrgangs ebenso wie von den Ausbildern unvoreingenommen und freundschaftlich akzeptiert wurden. Uns alle eint der Wunsch, als passionierte Jägerinnen und Jäger einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung der Natur leisten und damit zu deren Schutz beitragen zu wollen. Und dafür durften mich die Teammitglieder gerne immer wieder als ‚Leitbache’ zu Rate ziehen.“