1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Weiskirchen

Hochwald-Kliniken in Weiskirchen nur zu einem Drittel belegt

Kostenpflichtiger Inhalt: Erwarteter Patientenstrom ausgeblieben : Hochwald-Kliniken in Weiskirchen nur zu einem Drittel belegt

Um in anderen Krankenhäusern mehr Platz für Corona-Patienten zu schaffen, sollten Akut-Patienten nach Weiskirchen. Doch der große Strom blieb aus.

Dass die aus der Corona-Pandemie resultierenden Herausforderungen insbesondere für das Gesundheitssystem eine Gleichung mit vielen Unbekannten darstellen, haben inzwischen auch die Hochwaldkliniken der CTT Reha-Fachkliniken GmbH in Weiskirchen feststellen müssen. Die Allgemeinverfügung des saarländischen Gesundheitsministeriums über Maßnahmen zur Bewältigung der befürchteten erheblichen Patientenzahlen vom 30. März nahm neben den Krankenhäusern die Reha-Einrichtungen mit in die Pflicht.

Diesem Hilferuf verschlossen sich auch die Hochwald-Kliniken nicht. Mit einer organisatorischen Kraftanstrengung räumten sie eigentlich für Reha-Patienten bestimmte Betten frei. Doch dann blieben die angekündigten Patienten aus Akut-Krankenhäusern weitgehend aus, weshalb die laufenden Kosten die CTT als Klinik-Träger bereits zu Einsparungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit zwangen.

Über diese Entwicklung unterhielt sich die SZ bei einer Telefonkonferenz mit Uwe Entchelmeier (Kaufmännische Direktion der Hochwald-Kliniken) und Bernd Molzberger (Geschäftsführer der CTT Reha-Fachkliniken GmbH).

Die erste SZ-Frage an Entchelmeier bezog sich auf die aktuelle Entwicklung in Weiskirchen: Wie stellt sich denn heute – gut zwei Wochen nach der ersten SZ-Telefonkonferenz – die Belegungssituation in den Hochwald-Kliniken dar? Seine Antwort ließ keine Zweifel an der schwierigen Situation zu: „Von unseren rund 380 Betten ist derzeit nur etwa ein Drittel belegt.“ Das sei eine völlig neue Erfahrung für diese Reha-Klinik, die sich in den vergangenen Jahrzehnten über eine Bettenbelegung gefreut habe, die sich stets nicht weit weg von einer kompletten Auslastung dargestellt habe.

Aber dann kam Ende März die Allgemeinverfügung des saarländischen Gesundheitsministeriums, die – wie Entchelmeier berichtete – für eine völlig neue Patientenzuweisung in Weiskirchen gesorgt habe. „Die beschränkte unsere Patienten auf Überweisungen aus Akut-Krankenhäusern, die sich ihrerseits auf die Betreuung von Corona-Patienten vorbereiten sollten und sollen.“ Bekanntlich entwickelte sich inzwischen aber die Zunahme der Virus-Infizierten auch im Saarland glücklicherweise nicht so dramatisch, wie erst befürchtet. Deshalb habe der zunächst angedachte Zustrom von Akutpatienten in den Hochwald-Kliniken längst nicht das befürchtete Ausmaß erreicht.

Die von Bund und Land aufgespannten Rettungsschirme im Rahmen der Risikovorsorge haben sich nach Einschätzung Molzbergers auch in Weiskirchen bewährt. „Die Zusagen für die Kostenübernahmen liegen für GKV-Patienten bei 60 Prozent und bei DRV-Patienten bei bis zu 75 Prozent.“ Dem stehe allerdings eine noch ausstehende Gegenfinanzierung der Leerstände gegenüber, die bei der aktuellen Auslastung der Hochwald-Kliniken mit einer Teilbelegung von nur etwa einem Drittel mächtig zu Buche schlage. Molzberger sagte hierzu: „Da hoffen wir auf eine entsprechende Initiative der Landesregierung, die bereits darüber nachdenkt, wie diese Finanzierungslücke geschlossen werden kann.“

Trotz der Nähe zu Frankreich mit seiner hohen Corona-Belastung sehe es zurzeit ganz so aus, als ob die Akut-Krankenhäuser des Saarlandes schon bald wieder mehr operieren könnten, „was uns in Weiskirchen weiter entlasten würde“. Entchelmeier nutzte die Gelegenheit, um sich ausdrücklich für das großartige Engagement aller zu bedanken, die sich in den letzten Tagen und Wochen mit viel Engagement den stetig neuen Anforderungen und Aufgaben gestellt hätten.

Dies gelte auch und nicht zuletzt für die Bereitschaft des eigenen Klinikpersonals, die aus der zwischendurch entstandenen Finanzierungslücke (ungewohnte Leerstände) resultierenden Einsparmaßnahmen zu akzeptieren. „Vom Überstunden-Abbau bis hin zur Kurzarbeit, die wir in enger Kooperation mit der Agentur für Arbeit anmelden mussten, hat die Belegschaft wirklich verständnisvoll auf die neuen Zwänge reagiert.“ Beiläufig wies der Kaufmännische Direktor noch darauf hin, dass die aus der Corona-Pandemie resultierenden Kontaktverbote nicht mal Betriebsversammlungen zugelassen hätten. „Wir mussten alles über unsere Abteilungsleiter abwickeln und können uns auch dafür nur bei allen Beteiligten bedanken.“

Abschließend verband Molzberger noch eine kurze Bilanz der jüngsten Ereignisse mit einem vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft: „Anfangs haben wir uns alle auch hier in Weiskirchen wie im freien Fall gefühlt. Aber inzwischen wachsen das Vertrauen und die Zuversicht auf beziehungsweise in die Initiativen der Politik, deren Rettungsschirme auch für die Träger der Reha-Kliniken zu greifen scheinen. Jetzt hoffen wir nur noch auf eine konstruktive Lösung der Landesregierung für die noch offenen Finanzierungsfragen – vor allem aber auf eine möglichst baldige Überwindung der Corona-Pandemie.“