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Hilfe in Corona-Krise: Hochwald-Kliniken Weiskirchen übernehmen Patienten anderer Häuser

Kostenpflichtiger Inhalt: Hilfe in Corona-Krise : Neue Aufgaben für Ärzte in Weiskirchen

Die Hochwald-Kliniken sollen Akut-Patienten anderer Häuser übernehmen, damit dort Platz für Corona-Fälle entsteht.

Nichts bleibt, wie es vor der Corona-Epidemie war. Das betrifft nun auch die Hochwald-Kliniken in Weiskirchen. Wie gut sie, die eigentlich auf die Rehabilitation von bereits operierten Patienten ausgerichtet sind, sich der Herausforderung durch Covid-19 stellen und welche Rolle sie im saarländischen Gesamtpaket im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Pandemie übernommen haben, darüber sprach die SZ via Telefonkonferenz mit Dr. Ramona Kiefer (Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Klinik für Orthopädie und Sportmedizin), Uwe Entchelmeier (Kaufmännische Direktion der Hochwald-Kliniken) und Bernd Molzberger (Geschäftsführer des Trägers ctt Reha-Fachkliniken GmbH).

Der von der Landesregierung im ständigen Dialog mit Akut-Krankenhäusern, Reha-Kliniken und weiteren Partnern aufgestellte Rettungsschirm werde praktisch Tag für Tag den aktuellen Anforderungen entsprechend überarbeitet und sehe für fast alle Kliniken landesweit neue, zusätzliche Aufgaben vor. Das betrifft laut Molzberger in besonderem Maße die Hochwald-Kliniken von Weiskirchen. „Wir reduzieren die Zahl unserer Reha-Patienten, um damit Platz für nicht infizierte Akut-Patienten zu schaffen, die von anderen Akut-Krankenhäusern im Saarland überwiesen werden – womit dort wiederum weitere Behandlungsplätze für Covid-19-Patienten angeboten werden können“, beschreibt Molzberger die Veränderungen in Weiskirchen. Aktuell sei die Belegung in den Hochwald-Kliniken für diese neuen Aufgaben bereits auf etwa 60 Prozent heruntergefahren worden, wogegen sie in den vergangenen Jahren bei etwa 95 Prozent gelegen habe. Laut des Geschäftsführers sollen in Weiskirchen deshalb zurzeit keine neuen Heilverfahrens-Patienten aufgenommen werden, „um Kapazitäten für die zu entlastenden Krankenhäuser in der Region zu schaffen“.

Noch angeboten werde jedoch, dass Patienten beispielsweise nach vorangegangenen Operationen eine Anschlussbehandlung im Reha-Bereich absolvieren können. Dr. Kiefer sagt hierzu: „Die Mischung zwischen unseren Reha-Patienten und den erwarteten Akut-Patienten der regionalen Kliniken wird sich voraussichtlich abhängig vom Fortschreiten der Corona-Epidemie weiter in Richtung Akut-Betreuung verschieben.“ Inzwischen seien schon vereinzelt einige Akut-Patienten in Weiskirchen aufgenommen worden. Mit diesem Beitrag im Rahmen des saarländischen Rettungsschirms kämen aber auf die Ärzte und das Pflegepersonal der Hochwald-Kliniken anspruchsvolle neue Aufgaben zu. Die ärztliche Direktorin: „Wir versuchen aktuell die Phase der nicht vollständigen Auslastung mit Reha-Patienten für Schulungsmaßnahmen zu nutzen. Dies darf natürlich – unter den besonderen, der Epidemie geschuldeten Bedingungen wie beispielsweise dem Versammlungsverbot von größeren Gruppen – nur in Kleingruppen erfolgen.“ Unter dem Strich bedeute für Ärzte und Pflegepersonal die Behandlung von Akut-Patienten einen größeren Aufwand als für reguläre Reha-Patienten.

In diesem Kontext erinnert Entchelmeier an die dramatisch gestiegenen Anforderungen an Schutzvorkehrungen für Mitarbeiter und Patienten. „Wir hatten zwar Gesichtsmasken und Schutzbekleidung vorrätig, aber die neue Situation überforderte unsere für eine Reha-Klinik völlig ausreichenden Lagerbestände, die bekanntlich im ganzen Land mehr als knapp bemessen sind. Mit den vorhandenen Ressourcen würden wir uns nur über einige Tage retten können.“ Molzberger fügt hinzu: „Es ist halt ein Riesenaufwand, wenn eine Reha-Klinik auf einmal zusätzlich Aufgaben einer Akut-Klinik übernehmen muss. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ausdrücklich für die uneingeschränkte Bereitschaft unserer Mitarbeiter in Weiskirchen bedanken, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen.“

Dr. Ramona Kiefer Foto: a-n
Bernd Molzberger Foto: a-n
Uwe Entchelmeier Foto: a-n

Und die Chefärztin erweitert diesen Dank gleich noch mit Blick auf die funktionierende fächerübergreifende Zusammenarbeit sowohl innerhalb der Kliniken als auch auf die Kooperation mit den örtlichen Rettungskräften sowie dem Bürgermeister der Gemeinde. Auch die Ortspolizeibehörde in Weiskirchen lobt sie für ihren in diesen Tagen wichtigen Dienst am Gemeinwohl. Immer wichtiger sei aber aus ihrer Erfahrung auch eine ehrliche und präzise Patientenbeschreibung von überweisenden Akutkrankenhäusern: „Dies vorausgesetzt, werden wir hier in Weiskirchen auch bei den kommenden Herausforderungen weiterhin unser Bestes geben.“ Noch sei in den Hochwald-Kliniken keine Unterbringung von Covid-19-Patienten geplant, aber angesichts der nicht abzusehenden Entwicklung sei auch dies auf Dauer vielleicht nicht auszuschließen.