Groß und Klein gehen auf Fledermaus-Safari bei Weiskirchen

Auf Fledermaus-Safari bei Weiskirchen : Die mit den Händen fliegen . . .

Bei Fledermaus-Safaris im Naturpark Saar-Hunsrück versuchen Groß und Klein, einen Blick auf die flinken Flugsäuger zu erhaschen.

Der achtjährige Lennart Großmann starrt mit weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit. Gegen 21 Uhr hat sich auch der Kurparkweiher von Weiskirchen in der Schwärze der Nacht versteckt. Aber der Fledermaus-Detektor in der Hand des Jungen knattert wie verrückt. Da muss also mindestens eine Fledermaus in unmittelbarer Nähe auf lautloser Jagd sein.

Durch den Suchstrahl seiner Taschenlampe zischt plötzlich so ein Kobold der Nacht. „Alter – sind die schnell“, staunt Lennart, der spätestens jetzt Laura Längsfeld die Auskunft abnimmt, dass Fledermäuse hierzulande mit 30 bis 50 Kilometern in der Stunde zu den schnellsten Fliegern in der Tierwelt gehören, was übrigens auch der SZ-Fotograf auf Anhieb feststellen musste. Eher durch Zufall bei ungezählten Versuchen in stockdunkler Nacht gelangen einige wenige, meist nicht ganz scharfe Fotos. Den Weltrekord halte übrigens eine exotische Fledermaus-Art, die es auf 160 Kilometer pro Stunde bringe.

Mit Lennart und seiner Mutter, Kathrin Großmann, hatten sich weitere sieben Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern zu dieser spannenden Abendsafari auf den Spuren dieser nächtlichen Flitzer angemeldet, zu der der Naturpark Saar-Hunsrück nach Weiskirchen eingeladen hatte. Gegen 20 Uhr wurden alle von der Führerin Laura Längsfeld auf dem Parkplatz des Rathauses begrüßt. Sie verblüffte ihre Gäste zunächst mit dem Foto eines versteinerten Fledermaus-Skeletts und der Frage, wie alt dies wohl sei. Die Antwort kam von ihr selbst: „Dieses Tier lebte bereits vor 50 Millionen Jahren.“ Weltweit kenne die Wissenschaft heute rund tausend Arten, von denen etwa 25 in Deutschland zu ihren nächtlichen Jagdflügen starten.

Während allmählich die Dämmerung hereinbrach, vermittelte Längsfeld ihren Zuhörern noch auf dem Parkplatz viel Wissenswertes über die Fledermäuse wissenschaftlich korrekt – aber ebenso kindgerecht wie unterhaltsam. Ein Mädchen beantwortete ihre Frage nach den natürlichen Feinden dieser Tiere mit einem zaghaft dahingehauchten: „Eulen und Bären?“ Richtig war immerhin der Hinweis auf die Eulen. Fasziniert hörten die Kleinen und Großen zu, als ihre Führerin ihnen die Schwingen der Fledermäuse mit den Flughäuten gewissermaßen als Hände nahebrachte. Und deren vergleichsweise große Ohren dienten nachts beim Beuteflug zum besseren Empfang der ausgestoßenen Schallwellen wie bei einem natürlichen Radar. Schon verstanden die Zuhörer Längsfelds Hinweis, dass Fledermäuse mit den Händen fliegen und mit ihren Ohren sehen können. Wieder was gelernt.

So richtig spannend wurde es freilich, als die Führerin unter ihren jüngsten Gästen drei Fledermaus-Detektoren verteilte, die selbst bei völliger Dunkelheit die vorbeifliegenden Tiere verraten sollten. Und als es langsam dunkel wurde – „jetzt verabschiedet sich die Tagschicht der Vögel, und wir warten auf die Nachtschicht der Fledermäuse“ – folgten Groß und Klein der Führerin vom Rathaus hinunter zum Kurparkweiher. Letztlich folgte diese Wanderung dem Uferweg rund um den See.

Am Heilklima-Pavillon knatterten plötzlich alle Detektoren wie verrückt – da mussten Fledermäuse in der Nähe sein. Diese Vermutung konnte allerdings nicht auf Anhieb bestätigt werden. „Da ist eine“, zeigte Lennart völlig aufgeregt vor das Geländer des Pavillons. Und dann pfiffen der Besuchergruppe immer mehr Fledermäuse gelegentlich sogar direkt um die Ohren – wie Schemen in der Nacht, pfeilschnell, aber für Sekundenbruchteile gut zu erkennen. Die mitgebrachten Taschenlampen (und das Blitzlicht des Fotografen) hatten kaum eine Chance, diesen Kobolden der Nacht zu folgen.

Am ehesten gelang dies noch bei den von der Führerin als Wasserfledermäuse identifizierten Tieren, die auf der Jagd nach Insekten nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche des Sees, dafür aber oft geradeaus flogen – anders als die meistens im flotten Zickzack und höher fliegenden Arten. Die unter ihrem gruseligen Ruf leidenden Vampir-Fledermäuse waren dabei übrigens nicht zu entdecken. Die ritzen – so Laura Längsfeld – beispielsweise Rindern unbemerkt die Haut an und schlürfen das rinnende Blut, hätten aber mit den Sagengestalten der Vampire nichts zu tun und kämen ohnehin nur in Südamerika vor. Dabei hatte der achtjährige Lennart sich die angeblich vor Vampiren schützende Knoblauchzwiebel schnell noch in die Hosentasche gesteckt. Gut zu wissen.

Im Pavillon des Weiskircher Kurparkweihers warten die Teilnehmer auf die Fledermäuse, deren Ankunft die Detektoren verraten soll. Foto: a-n
Zwei Fledermäuse bei ihrem nächtlichen Jagdflug. Foto: a-n
Zum Greifen nah – und doch in der Nacht (ohne Blitzlicht) unsichtbar. So ist die Fledermaus nur mit dem Detektor in der Hand wahrzunehmen. Foto: a-n
Lennart und Kathrin Großmann bestaunen das Präparat einer verendeten Fledermaus. Foto: a-n

Als die Wandergruppe kurz nach 22 Uhr wieder beim Rathaus eintraf, hatte sie eine Vielzahl von Fledermäusen mit eigenen Augen gesehen und bei dieser Gelegenheit viel Wissenswertes über diese nächtlichen Jäger gelernt. Alle bedankten sich bei Laura Längsfeld für diese spannende Expedition, und manche erkundigten sich beim SZ-Fotografen, ob sie von ihm Fledermausfotos bekommen könnten, wenn er mehr Erfolg als sie selbst beim Fotografieren dieser flinken Kobolde der Nacht gehabt haben sollte.

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