Grausame Schicksale spielten sich im Mittelalter im Hochwald ab

Museum in Weierweiler : Verhaftet, gefoltert und hingerichtet

Rund 300 angeblichen Hexen wurde im Hochwald der Prozess gemacht: Das Hexenmuseum von Grimburg erinnert an diese düstere Zeit.

Eine schaurige Geschichte aus düsteren Zeiten: Ida Cleser aus Weierweiler ist mit Schmied Clas verheiratet. Das Ehepaar gehört zu den führenden Familien im Dorf. 1599 beteiligt sich ihr Mann an der Hexenverfolgung, indem er Klage gegen zwei Personen aus Weierweiler beim zuständigen Hochgericht einreicht. Clas hat aber nicht bedacht, dass seine Nähe zu den Hexereiverfahren seine Ehefrau in Gefahr bringen kann. Womöglich hofft er auch, auf der Seite der Hexenjäger ihre drohende Verhaftung abzuwenden, denn sie ist mehrfach der Hexerei bezichtigt worden. Doch die Strategie geht nicht auf. Mit den beiden von ihm beschuldigten und einer vierten Frau wird Ida im November 1599 inhaftiert. Es liegen sechs Denunziationen von zwischenzeitlich hingerichteten „Hexen“ gegen sie vor. Das Gericht zeigt sich von ihrer Schuld überzeugt.

Ida verfügt über einen starken Willen und große körperliche Widerstandskraft. Obwohl man sie grausam foltert, „gesteht“ sie zunächst nicht. Insgesamt fünf Mal nimmt man die Frau in die Folter, dazwischen gewährt man ihr Bedenkzeit. Schließlich gewinnt das Gericht den Kampf gegen sie. Ida legt ein umfängliches „Hexereigeständnis“ ab und wird am 8. November 1599 mit drei anderen Verurteilten gnadenhalber stranguliert, bevor man sie in einer Reisighütte verbrennt.

Dies ist eine Episode aus der geschichtlichen Überlieferung von knapp 300 Hexenprozessen, die sich in der Zeit von 1560 bis 1630 im Hochwald auf der 1190 erbauten Burg Grimburg abgespielt hatten. Die historisch bedeutsame Burg, die auf einem Bergsporn über dem Wadrilltal an der rheinland-pfälzischen Nahtstelle zum Kreis Merzig-Wadern steht, diente dem damaligen Amt Grimburg. Sie war eine Landesburg der Trierer Kurfürsten als Amtssitz über etwa 40 Dörfer des Hochwaldes. Zum Amt Grimburg gehörten Ortschaften aus der heutigen Gemeinde Weiskirchen, der Stadt Wadern sowie die Orte Michelbach (Kreis Saarlouis), Hasborn und Überroth (Kreis St. Wendel).

Die Burg Grimburg, deren ursprünglich hohe Mauern einige Jahrhunderte dem totalen Verfall preisgegeben worden und zu Ruinen verkommen waren, wurde vom 1978 gegründeten gleichnamigen Förderverein zu neuem Leben erweckt. Sie wurde komplett freigelegt und in Teilbereichen wieder aufgebaut. Die innere Burg mit Bergfried und Burgmauern sowie Burgkapelle, Hexenturm, Küchenturm, Schmiedeturm, Burgbrücke und Eingangsturm wurde auf Vordermann gebracht. Nach ihrer Renovierung wurde im nahen Ort Grimburg, der rund 500 Einwohner zählt, im Jahre 2005 ein Burg- und Hexenmuseum in einem restaurierten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert eingerichtet. „Die Historie unserer Region im Mittelalter soll mit unserem Hexenmuseum ins Bewusstsein der regionalen Bevölkerung gerückt werden“, nennt Michael Hülpes, Vorsitzender des Fördervereins Burg Grimburg, den Grund für die Einrichtung des Hexenmuseums, mit dem die Vergangenheit in die Gegenwart geholt wird.

Ein kleines Burgmuseum beinhaltet neben der regionalen Geschichte die Geschichte rund um die ehemalige kurtrierische Landesburg von damals bis heute. Darüber hinaus werden im Hexenmuseum zahlreiche landwirtschaftliche, ritterliche und mittelalterliche Fundstücke aufbewahrt. Diese waren während der 20 Jahre dauernden Sanierung der Burg gefunden worden: Alltagsgegenstände, Münzen, Keramiken, Baumaterial, Werkzeuge und vieles mehr. Einen detaillierten Einblick in die Zeit des Hexenwahns in der Region gewähren darüber hinaus zahlreiche Bilder und Schriften. Von unmenschlichen Foltermethoden, mit denen die Geständnisse erzwungen wurden, bis zu einzelnen Schicksalen erfährt man, wie es den Beschuldigten, bei denen wohl die Frauen in der Überzahl waren, ergangen ist. Alle vermeintlichen Hexen und Hexenmeister fanden den Tod in der Brandhütte. „Die Auswertung der Hexenprozesse des ehemaligen kurfürstlichen Amtes Grimburg vermitteln eine lebendige Vorstellung der dramatischen und tragischen Wirklichkeit der Hexenverfolgung im Trierer Land und insbesondere im Hochwald“, sagt Hülpes, der bis zu seinem Ruhestand im vergangenen Jahr hauptberuflich Bürgermeister von Hermeskeil war. Neben Infotafeln zum Ablauf eines Hexenprozesses kann das Verfahren gegen Maria Sallen aus Schillingen ebenso wie das gegen die Krämersfrau Herrichs Traud aus Niederkell im Jahre 1626 eingesehen werden. Diesen Prozess haben Mitglieder des Fördervereins vor 20 Jahren in einem Laienschauspiel vor der imposanten Kulisse der Burg nachspielt.

In der Mediathek des Museums ist ein Film dieser Aufführung zu sehen. „So halten wir denn die Erinnerung an die frühere Zeit und das kulturelle Erbe am Leben“, betont Hülpes, der darauf hinweist, dass die historischen Umstände, die zum wahnwitzigen Hexentreiben geführt haben, nicht herausgestellt wurden. Diese seien zu vielschichtig und zu komplex gewesen. Allein aus dem kleinen saarländischen Dorf Weierweiler wurden in den Jahren 1598 und 1599 insgesamt 13 Personen hingerichtet – bei vier als Hexen verurteilten Frauen wurde der Ehemann ebenfalls verbrannt. 1603 wurden drei weitere Frauen hingerichtet.

Alle Serienteile zu den Museen im Saarland finden sich im Internet:

Michael Hülpes, Vorsitzender des Fördervereins Burg Grimburg. Foto: eb
Die Burg Grimburg. Foto: eb
In diesem restaurierten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert ist das Hexenmuseum unterbracht. Foto: eb
Eine Reisighütte, in der die Frauen verbrannt wurden, mit Folterleiter, Gewicht und Fußfessel. . Foto: eb

www.saarbruecker-zeitung.de/ museen-im-saarland