Gemeinde Weiskirchen will Wild- und Wanderpark spürbar aufwerten

Was tut sich im Wild- und Wanderpark Weiskirchen? : Vom Rohdiamanten zum Schmuckstück

Die Gemeinde Weiskirchen will den Wild- und Wanderpark spürbar aufwerten und für Einheimische und Touristen attraktiver machen.

Ein ungeschliffener Diamant, der unbedingt etwas aufpoliert werden muss – so sehen die Bürger und die politisch Verantwortlichen der Hochwaldgemeinde Weiskirchen ihren Wild- und Wanderpark. Und an einem Konzept mit einer umfassenden Ideensammlung für diese Aufpolierung fehlt es nicht. Dem stimmte der Gemeinderat bereits ohne Gegenstimme zu. Woran die Realisierung krankt? Dem heilklimatischen Kurort fehlen dafür chronisch die finanziellen Mittel. Und die Landesregierung sieht (noch) nicht die überregionale Bedeutung dieses Projekts, so nehmen es die Weiskircher wahr. Das allerdings ficht die Bürger der Kurgemeinde nicht an. Sie suchen jetzt den Schulterschluss, um auch die Landesregierung zu einer perspektivischen Neubewertung ihres Wild- und Wanderparks zu bewegen.

Mit seinem Planungskonzept für die Neugestaltung schuf Tobias Misczyk, der neue Gemeindeförster, die Grundlage für zielführende Überlegungen. Im SZ-Gespräch mit ihm, Bürgermeister Wolfgang Hübschen und Michael Trouvain, Leiter der Hochwald-Touristik, wurden die konkreten Vorhaben und Ziele offen angesprochen. In der Prioritätenliste steht an erster Stelle der Ersatz der zum Teil maroden Zäune rund um die vorhandenen Tiergehege. Misczyk: „Da besteht praktisch in allen Bereichen dringender Handlungsbedarf. Allein für das Rotwildgehege muss ein etwa 3000 Meter langer Doppelzaun her.“

Außerdem sieht sein Konzept je nach Tierart unter anderem Sandkuhlen, Steinmauern und andere Verbesserungen vor, die eigentlich für eine wirklich artgerechte Haltung sorgen müssten. Wenn sich den Besuchern beispielsweise an einem der heißen Tage in diesem Sommer in einem der beiden vorhandenen Teiche nur Nüstern entgegen reckten, versteckte sich dort eines der Wisente im kühlen Nass vor der Hitze. „Dringend müssen aber auch das Wegesystem und die informative Beschilderung auf Vordermann gebracht werden“, bekräftigt der Gemeindeförster.

Da stimmten ihm Hübschen und Trouvain uneingeschränkt zu. Und verwiesen auf einen weiteren Aspekt, der dieses Angebot von anderen Tierparks unterscheidet. Trouvain: „Wie in der Mitte eines Spinnennetzes liegt unser Wild- und Wanderpark im Schnittpunkt der reizvollsten Wanderstrecken des nördlichen Saarlandes sowie von Rheinland-Pfalz. Der Saar-Hunsrück-Steig und gleich mehrere Traumschleifen, also Premiumwanderwege, sowie das Traumschleifchen Wildkatzenpfad, eins von nur zehn weiteren in ganz Deutschland, führen die naturbegeisterten Wanderer mitten durch diese Anlage.“

Die Hochwald-Touristik plane deshalb, dem neuen Erholungstrend des „Waldbadens“ noch besser gerecht zu werden. So sollen in „Nature-Camp-Grounds“ im Wild- und Wanderpark den Erholungsuchenden beispielsweise mit Hängematten-Stationen ganz neue Perspektiven des achtsamen Naturerlebens geboten werden. „Nicht einmal an den gelegentlich unverzichtbaren Toiletten soll es dort fehlen.“ Angedacht und zum Teil schon vorhanden seien ferner Spielstationen mit pädagogischen Inhalten längs des Wegenetzes.

Gemeindeförster Misczyk merkt an, dass er bereits mitten im Park auf einer großen Fläche dem dort wuchernden Adlerfarn (ohne Chemie) den Kampf angesagt habe: „Dort entsteht eine riesige Blühwiese, auf der später einmal Wanderimker ihre Bienenstöcke aufstellen können.“ Die Imkerin Kathrin Großmann aus Weiskirchen werde dort Gruppen rund um das bereits vorhandene Bienenmobil Wissenswertes über ihre Völker vermitteln. Auch die Apitherapie (von Lateinisch Apis, „Biene“), die medizinische Verwendung heilender Bienenprodukte, hauptsächlich hier Propolis, werde dort den Besuchern nähergebracht.

Weitere Highlights des Wild- und Wanderparks seien unter anderem der bereits vorhandene Kletterpark, der noch um einen so genannten Eichhörnchenpfad für die jüngsten Kletterer ergänzt werden soll. Auch Ferienfreizeiten für Kinder und Fortbildungsevents für Manager seien bereits angedacht. Bürgermeister Hübschen ergänzt: „Unser bereits vorhandenes Infozentrum soll von Grund auf restauriert und aufgewertet werden.“ Dort könnten in Zukunft beispielsweise Seminare für Naturschützer stattfinden, „und das wäre doch vielleicht auch ein geeigneter Ort etwa für die Jägerausbildung.“ Der Rathauschef: „Und wenn sich unsere Besucher nach all’ den Aktivitäten im zukünftigen Wild- und Wanderpark stärken wollen, steht ihnen schon heute die ausgezeichnete Küche der Wildparkalm zur Verfügung.“

Um die Anziehungskraft des Wild- und Wanderparks wirklich strahlen zu lassen, sollen zum Beispiel auch die Gäste der Hochwald-Kliniken, des Parkhotels und der Jugendherberge verstärkt auf dieses Angebot hingewiesen werden. Hübschen: „Da könnten zum Beispiel gemütliche Kutschfahrten die aktuell noch fehlende Anbindung des Parks durch den ÖPNV schaffen.“ Noch vieles mehr haben die Verantwortlichen auf ihrer To-Do-Liste, um den Wild- und Wanderpark die überregionale Strahlkraft zu verleihen, die ihn von anderen reinen Wildparks unterscheidet. Der Bürgermeister: „Unsere ganze Gemeinde zieht dabei an einem Strang – nur ohne die Hilfe des Landes geht’s nicht.“

www.weiskirchen.de

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