Für ein lebendiges Miteinander

Von Flüchtlingen für Flüchtlinge und ihre Freunde – in einer Auflage von 1000 Exemplaren feiert das Magazin „Wege“ Premiere. Erstellt wurde die deutsch-arabische Zeitschrift gemeinsam von syrischen Flüchtlingen und deutschen Helfern.

. Wenn andere Feierabend haben, versammelt sich die Redaktion imWeiskircher Rathaus. Dann wird die Kreativität von der Leine gelassen und die Denkmaschine angeworfen. Ein Magazin entsteht nicht von selbst. Dahinter stecken kluge Köpfe. Genau genommen 20. 15 davon kommen aus Syrien, fünf aus Deutschland. Bald bringen sie die erste Ausgabe eines neuen Magazins heraus. "Wege - Tariq (Arabisch: Weg) " heißt es und vereint die Deutsche Sprache mit der Arabischen.

Nach monatelanger harter Arbeit ist die erste Ausgabe endlich druckreif. Wenn es gut läuft, trifft dieser Tage ein 67 Kilogramm schweres Paket mit 1000 Exemplaren ein. Bis alles so weit war, hatte das Team so manches Tal zu durchqueren. Aber aufgeben kam nicht in Frage.

Es ist laut. Es ist verrückt. Es ist machbar. Weil sie ein Ziel haben: in den Dialog treten mit der jeweils anderen Kultur.

Fünfte Sitzung. Die ersten Artikel sind fertig. Bereit zum Vorlesen. In dieser Redaktion läuft alles auf drei Sprachen, englisch, deutsch und arabisch. Gar nicht so einfach. Missverständnisse bleiben nicht aus. Ruth Kahlert-Barth leitet die Gruppe. Sie ist Sprachlehrerin. Wie sie eine Gruppe von 15 Syrern führt, musste sie aber erstmal lernen. Da ist Autorität gefragt. Immer mal wieder bricht Chaos aus. Aber die meiste Zeit hat sie ihre Redakteure im Griff. Jeder hat seine Aufgaben. Ein Team übersetzt, eins liest Korrektur, eins kümmert sich um das Layout, und der Rest schreibt. Über Handwerken, Kochen, Sport und Vereine, über Geschichtliches, Literatur und Musik. In einem Artikel geht es um die Pressefreiheit. "Die Syrer haben gefragt, wo sie ihre Texte abgeben müssen, bevor sie sie veröffentlichen dürfen", erzählt Kahlert-Barth. Ganz erstaunt waren sie dann, dass es bei uns schon lange keine Pressezensur mehr gibt. Farid hat einen Text über die Liebe geschrieben. Da geht allen im Raum das Herz auf. "Wir wollen unsere Leser ja auch mit etwas überraschen, das sie nicht erwarten", sagt Kahlert-Barth. Bassam ist gelernter Bauingenieur. Er sorgt dafür, dass alles glatt läuft, die Texte rechtzeitig fertig und übersetzt sind. Das kann er. Das kennt er von seinem alten Job in Syrien. Jetzt schreibt er sogar Texte. Darin erzählt er den Lesern von seinem Heimatland.

Eins ist für die Gruppe klar: "Wir wollen nicht politisch sein." Sondern ein Magazin von Flüchtlingen für Flüchtlinge und ihre Freunde. Deswegen kommt jeder Text auf Deutsch und Arabisch in das Heft. Ein Problem bleibt aber. "Wie wollen wir eigentlich ein Magazin machen ohne Computer?", fragt einer der syrischen Redakteure. Nur die wenigsten der Flüchtlinge haben einen. Aber wie das willenstarke Team für viele andere Probleme schon eine Lösung gefunden hat, werden sie auch das in den Griff kriegen.

Einige Wochen später ist es also soweit.Wenn das Paket ankommt, kann die Redaktion stolz die erste Ausgabe in den Händen halten.

Die ersten Vertriebsstellen stehen auch schon fest. In den Rathäusern, der Buchhandlung Bücherhütte in Wadern, der Hochwald-Touristik Weiskirchen, der Tafel Wadern, den Sparkassenfilialen, Apotheken, Arztpraxen und Cafés wird das Magazin für einen Euro erhältlich sein.

Und das Computer-Problem ist mittlerweile auch gelöst. Im Nachrichtenraum im Rathaus steht ein gespendeter Computer. Die "Wege"-Redaktion zeigt also, wer etwas erreichen will, kann das auch schaffen. Wer glaubt, die Gruppe gönnt sich nach Ausgabe eins erst einmal eine Pause, liegt falsch. Teil zwei ist schon in der Mache. Wenn alles klappt, wünscht sich die Redaktion, dass sie jeden Monat eine neue Ausgabe herausbringt. Voll gepackt mit Geschichten und Gedanken der Syrer.