Expertin prüft touristische Stärken und Schwächen von Weiskirchen

Rundgang mit Lokalpolitikern : Der Atmosphäre Weiskirchens auf der Spur

Zusammen mit einer Expertin ging es auf Rundreise durch die Gemeinde – und auf die Suche nach Höhepunkten und Schandflecken.

In den kommenden Wochen reist eine kleine Delegation um Dr. Heike Glatzel von der Münchener Agentur Futour nach Orscholz, Nennig, Weiskirchen, Noswendel, Beckingen, Merzig und Losheim am See, um in den Ortschaften die jeweilige Atmosphäre zu checken. Wie dort die touristischen Gegebenheiten unter die Lupe genommen werden, verfolgte die SZ stellvertretend in Weiskirchen. Für die mehrstündige Rundreise durch die Kurgemeinde stellte die örtliche Feuerwehr einen Kleinbus zur Verfügung, der vom Leiter der Hochwald-Touristik, Michael Trouvain, chauffiert wurde. Bürgermeister Wolfgang Hübschen fungierte als Reiseleiter.

Das Saarland stellt für dieses Projekt Geld zur Verfügung und hilft den beteiligten Kommunen mit einer anteiligen Förderung bei der Umsetzung der gemeinsam herausgefundenen Maßnahmen, die sie nicht zuletzt aus Sicht ihrer touristischen Besucher besser aussehen lassen sollen (siehe Infokasten). Mit diesem Atmosphäre-Check wird den Kommunen ein Verfahren angeboten, mit dem Schwachstellen und Störfelder – sogenannte Atmosphäre-Killer – und Attraktivitäten – sogenannte Atmosphäre-Träger – identifiziert werden können, woraus dann wiederum zahlreiche Vorschläge für positive Veränderungen abgeleitet werden sollen.

Was sich zunächst eher theoretisch-spröde anhört, nahm tatsächlich schon bei der ersten Station vor dem Wild- und Wanderpark von Weiskirchen konkrete Formen an. Neben den Veranstaltern waren unter anderem auch Ortsvorsteher und andere Ortskenner mit von der Partie. Nach ihren Einschätzungen gefragt, hielt gleich zu Beginn Norbert Louis, Vorsitzender des Gewerbeverbandes, mit Kritik nicht hinterm Berg. „Besucher, die von Rheinland-Pfalz nach Weiskirchen kommen, fahren ahnungslos am Wild- und Wanderpark vorbei, weil hier kein Hinweisschild auf das wichtigste Ausflugsziel von Weiskirchen aufmerksam macht.“

Heike Glatzel runzelte bei diesen Worten die Stirn. Und auf ihren fragenden Blick reagierte Trouvain sofort mit dem Hinweis, dass eine neue Beschilderung bereits in Arbeit sei. Das war allerdings bei dieser Rundreise eher die große Ausnahme.

Ansonsten bemäkelte die Tourismusexpertin fast an allen Zwischenstationen ein Übermaß an Hinweisschildern, die von ihr oft als Atmosphäre-Killer in Frage gestellt wurden. Als sie in diesem Zusammenhang aber auch die vielen gewerblichen Werbebotschaften bemängelte, hielt ihr Louis entgegen, dass nicht zuletzt die Gastronomie auf solche Hinweise angewiesen sei.

Mit sicherem Blick für Atmosphäre-Killer wies Glatzel später auf ein völlig verrostetes Haltestellenschild in der Nachbarschaft des Café Louis hin. Diesmal gab’s keinen Widerspruch – eher betretene Zustimmung. Einverstanden waren die Weiskircher auch mit ihrer Anregung, im Wald oberhalb der Hochwald-Kliniken am Start eines der vielen Premium-Wanderwege eine Ruhestation mit Bänken und einer attraktiven Streckenübersicht anzubieten. Bürgermeister Hübschen sagte dazu: „Hier spürt man sofort den Wert externer Sachkenntnis, die bei unserer gelegentlich in Jahren gewachsenen Betriebsblindheit wirklich weiterhelfen kann.“

Aber die Ratgeberin sparte bei dieser Rundreise beileibe auch nicht mit Lob. So beglückwünschte sie die Weiskircher beispielsweise zu echten Atmosphäre-Trägern wie den tollen Fernsichten etwa von der Wildparkalm aus. Weitere Highlights seien für sie ferner der attraktive Weg vom Kreisel in Richtung Rathaus und erst recht der „zauberhafte Kurpark mit seinem Staudengarten“. Ihr gelegentlicher Hinweis auf eine sinnvolle bauliche Verdichtung in der Innenstadt sorgte allerdings eher für ein Schulterzucken des Bürgermeisters, der bemerkte: „Das ist Privatgelände – da kommen wir nicht dran.“

Zu viele zum Teil auch ungenau beschriftete Hinweisschilder wurden beim Atmosphäre-Check in Weiskirchen kritisiert. Foto: a-n

Zum Schluss dieser touristischen Expedition fand sich die Gruppe im Haus des Gastes ein, wo Glatzel noch einmal das zuvor Gesehene aus Sicht der Tourismus-Fachfrau zusammenfasste. Ihre Aufgabe sei es jetzt, aus dieser ersten Bestandsaufnahme Vorschläge zu entwickeln, die später in einem Workshop mit den örtlichen Vertretern besprochen werden sollen. Abschließend bedankte sich Hübschen für das interessante Hilfsangebot, das unter der Federführung der Saarschleifenland Tourismus Gmbh, der Tourismusgesellschaft des Landkreises, von Heike Glatzel und ihren Mitarbeitern von der Agentur Futour gerade realisiert werde.

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