Ernährung als Schlüssel zum Wunschgewicht

Ernährung als Schlüssel zum Wunschgewicht

Weiskirchen. In Deutschland erleidet alle 15 Minuten ein Diabetiker einen Herzinfarkt, alle 40 Minuten einen Schlaganfall, und alle 90 Minuten erblindet jemand. Ungewöhnlich sei das längst nicht mehr, hieß es am Samstag in den Weiskircher Hochwald-Kliniken beim 7

Weiskirchen. In Deutschland erleidet alle 15 Minuten ein Diabetiker einen Herzinfarkt, alle 40 Minuten einen Schlaganfall, und alle 90 Minuten erblindet jemand. Ungewöhnlich sei das längst nicht mehr, hieß es am Samstag in den Weiskircher Hochwald-Kliniken beim 7. Saarländischen Aktivtag gegen Übergewicht, einer Veranstaltung der Weiskircher Gruppe Tri-Fit-Pur, die sich dem Kampf fürs Normalgewicht verschrieben hat.Wenn erstmal ein Diabetes diagnostiziert werde, sei es 15 Jahre zu spät, sagte der St. Ingberter Facharzt Dr. Reinhard Stute. "Die Schäden sind nicht mehr zu korrigieren." Nur im Stadium des Prädiabetes lasse sich der Teufelskreis durch Ernährungskorrektur und regelmäßige Bewegung noch durchbrechen. Inzwischen sei Diabetes eine weltweite Epidemie mit 220 Millionen Erkrankten. Sie verursachen Kosten in Höhe von 60 Milliarden Euro.Teufelskreis - das war ein viel gehörtes Wort in Weiskirchen bei den acht Referenten zum Thema "Fette Vorurteile", dem Motto der Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der Merzig-Waderner Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich. Sie sei angetan von der Praxisnähe der Vorträge, meinte die Landrätin. "Übergewicht selbst ist für den Einzelnen nicht das Problem, sondern erst durch den gesellschaftlichen Umgang mit dem Übergewicht verschlimmert sich das Problem für die Betroffenen", brachte es der Weiskircher Internist und Chefarzt Dr. Martin Schlickel auf den Punkt. "Man muss zwischen Nahrungs- und Genussmitteln unterscheiden", sagte Sternekoch Alexander Kunz aus dem St. Wendeler Stadtteil Bliesen. Was Alexander Kunz auftischt, begeistert wählerische Feinschmecker und Kritiker. Seine Kochkunst ist dem Guide Michelin seit Jahren einen Stern wert. Und weil seine Zuhörer das auch wissen, fand er in Weiskirchen offene Ohren. Das Wichtigste beim Kochen seien die Grundprodukte, dazu schonende Garmethoden. Fertigprodukte seien tabu, zumindest zuhause. Kunz zieht Bioprodukte vor, wie Lamm aus dem Bliesgau, Wild aus dem Hochwald, Fleisch von Glan-Rindern, Obst und Gemüse von heimischen Biobauern. Die Produkte seien vielleicht etwas teurer, dafür aber gehaltvoller und gesünder. Jetzt sei der Umgang mit den guten Produkten wichtig. "Man kann sein Fleisch in Butter schwimmen lassen, es aber auch mit wenig gutem Olivenöl braten. Man kann Gemüse weichkochen und mit Sahnesoße auf den Tisch bringen, es aber auch mit frischen Kräutern und etwas Öl servieren." Eine Mousse au chocolat könne man statt mit Butter und Zucker auch mit feiner Schokolade und Bio-Eiern zubereiten. "Die schmeckt mindestens genau so gut!" Wer auf übermäßigen Konsum von Butter, Zucker, schlechten Kohlehydraten und Alkohol verzichte und stattdessen native, hochwertige Öle, Obst und Gemüse und weniger, dafür hochwertiges Fleisch und Fisch bevorzuge, werde sich bald viel wohler in seiner Haut fühlen. "Man muss zwischen Nahrungs- und Genussmitteln unterscheiden."Alexander Kunz, Sternekoch

Auf einen blickProfessor Georg Wydra vom Sportmedizinischen Institut der Saarbrücker Uni, zweiter Vorsitzender des Adipositas-Netzwerks Saar, beleuchtete die psychodynamische Seite der Adipositas, die Ursache falschen Kalorienverbrauchs und falscher Kalorienverwertung. "Die Probleme sind im Kopf verankert, nicht im Bauch", sagte Wydra. "Wenn Übergewicht nur eine Frage der Kalorien wäre, hätten wir kein Problem." Niemand sei freiwillig fett. Der Saarländer sei in Sachen Körpergewicht noch etwas großzügiger. Auf den Body-Mass-Index schlage er noch das halbe Lebensalter in Kilogramm drauf. fs

Mehr von Saarbrücker Zeitung