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Weiskirchen: Erinnern, Mahnen und Widerstehen

Weiskirchen : Erinnern, Mahnen und Widerstehen

In Weiskirchen soll der Volkstrauertag am Sonntag zu einem besonderen Tag werden, an dem die Opfer des Krieges im Fokus stehen.

Der Kalender markiert den 18. November nüchtern als Volkstrauertag. Nach Einschätzung von Jörg Mang, Gemeindereferent der Pfarreiengemeinschaft Weiskirchen, verdient dieser Gedenktag über eine solche Randnotiz hinaus weitaus mehr Beachtung. Deshalb griff er gemeinsam mit der Jugendkirche MIA nur zu gerne die Bitte von Bürgermeister Werner Hero auf, die alljährliche Gedenkfeier in diesem Jahr mit der Zielsetzung so neu zu gestalten, dass dieser Feiertag seiner Zweckbestimmung gerecht wird: „Wir wollen an diesem Sonntag das Erinnern – Mahnen – Widerstehen in den Fokus rücken.“

Junge Leute aus dem MIA-Team, Alena Becker, Lea Thewes, Emily Vontz und Marcel Josten, signalisierten spontan ihre Bereitschaft, dem Gemeindereferent bei der Gestaltung der Feierstunde am Sonntag, 18. November, ab 11.15 Uhr auf dem Ehrenfriedhof in Weiskirchen tatkräftig helfen zu wollen. Die kreative Runde steckte dann die Köpfe zusammen und überlegte, an wen oder was die geplante Feierstunde auf dem herrlich gelegenen Ehrenfriedhof überhaupt erinnern soll.

„Erinnern wollen wir zunächst sowohl an die militärischen und zivilen Opfer des vor hundert Jahren beendeten Ersten Weltkrieges und darüber hinaus an alle Kriegsopfer“, sagt Mang. Nach einer Schweigeminute solle anschließend zum Mahnen aufgefordert werden, dass nie wieder Kriege Menschenleben fordern dürfen. Mang: „Dafür trägt jeder einzelne von uns ein gewisses Maß an Verantwortung – ungeachtet der schrecklichen Tatsache, dass auch heute und ganz aktuell vielerorts in aller Welt tagtäglich Menschen kriegerischen Handlungen zum Opfer fallen.“

Und was er mit Widerstehen meint, verdeutlichen er und seine jungen Mitstreiter am Beispiel der „Weißen Rose“. Diese studentische Widerstandsgruppe verbreitete im Sommer 1942 und zu Beginn des Jahres 1943 Flugblätter gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime. Die fünf Münchner Studierenden und ihr Professor bezahlten dieses Engagement mit ihrem Leben. Sie wurden 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Als wichtigste Botschaft dieser Gedenkfeier am Volkstrauertag will Mang allen Teilnehmern ein Zitat von Willi Graf (Weiße Rose) mit auf den Weg geben – „Nicht: Es muss etwas geschehen, sondern: Ich muss etwas tun!“ Und wo könnte diese Aufforderung an alle einen würdigeren Rahmen finden als auf dem Ehrenfriedhof in Weiskirchen, wo 744 Soldaten – darunter 90 unbekannte Kriegsopfer, die in den Jahren 1939/40 in den Kämpfen am Westwall und beim Westfeldzug sowie in den Jahren 1944/45 bei den Kämpfen im Raum Weiskirchen und an der Blies gefallen sind.

Unter anderem mit einem MIA-Gebet (Erinnerung an die Kriegs- und Terroropfer), einer Übersicht über die Millionen-Opfer der Kriege und Textpassagen aus dem Buch „Im Westen nichts Neues“ gestaltet die Gruppe den weiteren Verlauf der Gedenkstunde. Zwischendurch werden weiße Rosen am Ehrenmal niedergelegt.

Und ebenso spektakulär wie beeindruckend soll dann der Augenblick wirken, wenn die Mitglieder von MIA Nachdrucke eines Flugblattes der Widerstandgruppe „Weiße Rose“ aus der Luft herab rieseln lassen. Mit einem Segensgebet lässt die Gruppe schließlich ihren geplanten Auftritt ausklingen. Begrüßung und Schlusswort übernimmt bei dieser Feierstunde am kommenden Sonntag Bürgermeister Werner Hero. Für die musikalische Begleitung sorgen der Männergesangsverein Weiskirchen sowie der Musikverein „Harmonie“ Rappweiler-Zwalbach.

„Wir sind sehr stolz darauf“, so der Gemeindereferent. „vom Bürgermeister mit der Gestaltung dieser Feierstunde betraut worden zu sein.“ Gleichermaßen stolz sei er aber auch auf seine jungen MIA-Mitstreiter. „Die haben sich, ohne lange zu zögern, bereit erklärt, ihren Beitrag leisten zu wollen, dass dieser bevorstehende Volkstrauertag allen Teilnehmern über die bloße Erinnerung an die Gräuel der Vergangenheit hinaus Wege aufzeigen soll, wie jeder einzelne für sich einen Beitrag leisten kann, dass sich so etwas in Zukunft – hoffentlich – nicht mehr ereignen kann.