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Erasmus
Ein wichtiger Beitrag zur Verständigung

Die Erasmus-Gruppe zu Besuch bei Mehmet Ulusoy, Direktor für Nationale Bildung des Distriktes.
Die Erasmus-Gruppe zu Besuch bei Mehmet Ulusoy, Direktor für Nationale Bildung des Distriktes. FOTO: Schule
Weiskirchen/ Kayseri. Lehrer der Weiskircher Eichenlaubschule nahmen an einem Erasmus-Projekttreffen in der Türkei teil.

() „Auf in die Türkei“ hieß es vor kurzem zwei Lehrer der Eichenlaubschule (ELS) Weiskirchen. Sie nahmen am vierten Treffen im Rahmen des von der EU geförderten Projektes „My Europe, my future, my responsibility – Energy and Sustainability“ in Kayseri, Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz, teil. Von der ELS waren Biologielehrerin Julia Maurer und der ehemalige Schulleiter Günter Peifer dabei. Insgesamt kamen nach Angaben der Schule zwölf Lehrer aus fünf Ländern zu ihrer Partnerschule, der Yahya Kemal Beyatli Ortaokulu Kayseri Melikgazi. Am Sonntagabend trafen die letzten Gäste ein. Das gemeinsame Arbeitsessen wurde dazu genutzt, über das Programm zu sprechen und sich auf die Woche einzustimmen.


Die Woche begann mit einem herzlichen Empfang in der türkischen Partnerschule durch Schulleiter Muhittin Findikçi, die Lehrer, die Schüler und die Mitglieder des Elternvereins. Danach traf sich die Erasmus-Gruppe mit Mehmet Ulusoy, dem Direktor für Nationale Bildung des Distriktes. Direktor Ulusoy dankte allen Partnerschulen für ihr Engagement in einem Erasmus-Projekt. Damit würden die Schulen einen wichtigen Beitrag zum internationalen Verständnis und zur Erweiterung des Horizonts der Schülerinnen und Schüler leisten. Günter Peifer, Sprecher der Gruppe, betonte, dass Erasmus+ Projekte immer ein besonderes Engagement der beteiligten Lehrkräfte erfordern. Es tue gut und bedeute einen Motivationsschub, die Wertschätzung der Arbeit durch die Schulverantwortlichen zu erfahren. Daher sei es eine besondere Ehre für die Teilnehmer des Projekttreffens, vom Direktor eingeladen worden zu sein.

Nach dem Mittagessen zeigten die türkischen Lehrer ihren Gästen das Stadtzentrum von Kayseri. Das Siedlungsgebiet in Zentralanatolien an der alten Seidenstraße gehört heute zu den wirtschaftlich bedeutendsten Städten der Türkei. Kayseri hat viele historische Denkmäler, die die Bedeutung der Stadt im Laufe der Jahrhunderte bezeugen. Die Stadt liegt 1000 Meter über dem Meeresspiegel und am Fuße des ganzjährig schneebedeckten erloschenen Vulkans Erciyes, der 3916 Meter über der Stadt thront. Er ist einer der Vulkane, die zur Entstehung der geologisch einzigartigen Region Kappadokien beigetragen haben.



Nach dieser kurzen Erkundung des Stadtzentrums und den historischen Informationen über Kayseri ging es zurück in die Schule zum ersten Workshop des Treffens. Günter Peifer von der deutschen Schule, der den Workshop moderierte, zeigte sich sehr erfreut über die bereits erzielten Ergebnisse. Wie schon in mehreren E-Mails vor dem Treffen wies er noch einmal auf die Kriterien hin, die die Projektbeiträge erfüllen sollen. Am Ende muss jede Partnerschule einen Lernzirkel im PDF-Format in Englisch und in der eigenen Landessprache vorlegen, der problemlos im Unterricht verwendet werden kann. Er wies darauf hin, dass ein Lehrer in der Lage sein sollte, die fertigen Lernzirkel so einfach wie möglich in seinem Unterricht zu verwenden.

„Üblicherweise sind die Schüler in der Klasse in Gruppen eingeteilt und arbeiten gleichzeitig an verschiedenen Stationen. Es ist wichtig, die Ergebnisse am Ende der Bearbeitung einer Station überprüfen zu können“, sagte Günter Peifer. „Zu diesem Zweck werden den Schülern Lösungsbögen mit den erwarteten Antworten zur Verfügung gestellt. Der Lehrer tritt nur im Hintergrund auf, organisiert und überwacht die Arbeit der Gruppen, gibt Hinweise und steht für Fragen zur Verfügung. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, werden die Lernzirkel auch eingesetzt, und genau das wollen wir erreichen.“ Die Lernzirkel wurden in den Partnerschulen mit Schülergruppen getestet. Um letzte Korrekturen vornehmen zu können, ist das Feedback von Schülern und Lehrern besonders wichtig.

Sind die Aufgaben klar formuliert und vom Schwierigkeitsgrad her auf die Zielgruppe zugeschnitten? Ist der Aufwand für einen Lehrer, die Lernzirkel im Unterricht zu nutzen, nicht zu groß? Die deutsche Partnerschule hat ihren Lernkreis nicht nur als PDF-Datei, sondern auch als E-Book und in Form von plattformunabhängigen Widgets verfasst. Die Schüler arbeiteten gerne mit dieser Form von Arbeitsblättern. Peifer schlug vor, Teile aller Lernkreise in Form von Widgets anzubieten. Entwürfe, die strukturell ähnlich denen sein sollten, die bereits auf der Homepage veröffentlicht wurden, könnten an ihn gesendet werden. Er würde dann die Widgets erstellen. Alle stimmten dem Vorschlag zu. Auch wenn diese Form von Arbeitsblättern in dem Projektantrag nicht erwähnt wird, wäre es eine nützliche Ergänzung, um die Dynamik eines Projekts zu zeigen, und würde sicherlich von den nationalen Agenturen begrüßt werden.

Am Morgen des nächsten Tages stand der Besuch des Rathauses von Melikgazi auf dem Programm. Melikgazi ist ein Stadtteil von Kayseri mit etwa 500 000 Einwohnern. Bei einer Führung durch das Rathaus erhielten die Besucher einen Einblick in die Verwaltungsstrukturen des Stadtteils. Passend zum Projektthema wurde im großen Konferenzraum ein Film über das Energiekonzept der Stadt mit dem Schwerpunkt Solarenergie gezeigt. Bürgermeister Memduh Büyükkıliç begrüßte die Gäste sehr herzlich. Er unterstrich die Bedeutung solcher Projekte für die Horizonterweiterung der Schülerinnen und Schüler. Er bedankte sich bei den Lehrern dafür, dass sie durch diese grenzüberschreitende Schulpartnerschaft beteiligt ihren Schülern ermöglichen, mit jungen Menschen in anderen Ländern zusammenzuarbeiten und Freundschaften zu knüpfen. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit“, lobte der Bürgermeister.

Mustafa Koç, verantwortlicher Projektleiter der türkischen Partnerschule, stellte die Teilnehmer aus Luxemburg, Deutschland, der Tschechischen Republik, Griechenland und Rumänien vor und beschrieb ihre Aufgaben im Projekt. Nach dem Rathaus besichtigten die Lehrer das Dach eines nahe gelegenen Kulturzentrums, das komplett mit Sonnenkollektoren zur Erzeugung elektrischer Energie ausgestattet ist. Ein Experte erklärte, wie das System funktioniert.

Der Nachmittag begann in der Schule. In Vorbereitung auf den Abschlussbericht wurde diskutiert, was seit dem Start des Projekts im Herbst 2016 erreicht wurde, was gut funktioniert hat und wo es Schwierigkeiten gab. Alle stellten fest, dass es eine besondere Erfahrung für die Schüler war, mit Gleichaltrigen in anderen Ländern am selben Thema zu arbeiten. Es wurde von allen bedauert, dass es leider keine Fördermittel gab, um Schüler mit zu den Projekttreffen zu nehmen. Die größte Schwierigkeit in allen Partnerschulen war der Mangel an Zeit für die Projektarbeit. Zur Durchführung des Projekts mussten alle beteiligten Lehrkräfte zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit viel Zeit investieren. Es war manchmal schwierig, die Motivation aufrecht zu erhalten. Ohne die Projekttreffen und die daraus resultierenden freundlichen, vertrauensvollen und verantwortungsvollen Beziehungen zwischen den Lehrern der Partnerschulen hätte die Gefahr bestanden, das Projekt abzubrechen.

Letztendlich war das Projekt eine Erweiterung der Horizonte nicht nur für die Schüler, sondern vor allem für die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer. Nicht nur die Themen des Projekts waren wichtig. Die Erfahrungen und Begegnungen während der Treffen in den Partnerländern waren von unschätzbarem Wert. Alle unterstrichen die Bedeutung von Freundschaft, gegenseitigem Verständnis und Vertrauen über Grenzen hinweg. Auf dieser Grundlage können Ziele trotz Schwierigkeiten erreicht werden. Und es war wichtig, das den Schülerinnen und Schülern zu zeigen. Da der Workshop mehr Zeit in Anspruch nahm als geplant, fand die Fahrt zum Wasserkraftwerk auf dem imposanten Yamula Dam außerhalb der Stadt nur virtuell mit Bildern, Videos und Informationen aus dem Internet statt.

Aufgrund der guten Windgeschwindigkeiten ist die Region um Kayseri auch gut geeignet, elektrische Energie mit Windkraft zu erzeugen. Die Teilnehmer konnten sich am nächsten Tag beim Besuch der Windmühlen in Yahayali davon überzeugen. Aber zuerst gab es am Morgen sportliche Aktivitäten mit Schülern, Lehrern und Eltern als ein besonderes Beispiel für die Zuverlässigkeit und Erneuerbarkeit der menschlichen Energie. Dies war auch eine außergewöhnliche Erfahrung für die Schüler der türkischen Partnerschule. Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern auf dem Schulhof zu treffen, ist nicht alltäglich. Die Kinder waren sehr neugierig und nutzten die Gelegenheit, den Gästen viele Fragen zu stellen.

Aufgrund der Zeitpläne in ihren Schulen mussten die griechischen und rumänischen Lehrer bereits am Donnerstagmorgen abreisen. Der letzte Workshop an diesem Tag beschäftigte sich erneut mit Formen der alternativen Energieerzeugung durch Wind und Sonne und mit Abfallvermeidung, Mülltrennung und Recyclingkonzepten insbesondere in einer Metropole wie Kayseri und in der touristischen Region Kappadokien. Die Gruppe war nun auf eine ganz besondere Art auf eine Reise durch das Unesco-Welterbe Kappadokien mit seinen einzigartigen Felsformationen vorbereitet.

Mit der traurigen Gewissheit, dass dies das letzte Treffen des Projekts war und die Gruppe sich in dieser Zusammensetzung nicht wiedersehen wird, aber mit unvergesslichen und nachhaltigen wertvollen Erinnerungen, kehrten die letzten Gäste am Freitag in ihre Heimatländer zurück.

Bürgermeister Memduh Büyükkıliç (links) und Günter Peifer unterstreichen die Bedeutung von internationalen Schulpartnerschaften.
Bürgermeister Memduh Büyükkıliç (links) und Günter Peifer unterstreichen die Bedeutung von internationalen Schulpartnerschaften. FOTO: Schule
Workshop in der türkischen Partnerschule: Englisch ist die Kommunikationssprache des Projektes.
Workshop in der türkischen Partnerschule: Englisch ist die Kommunikationssprache des Projektes. FOTO: Peifer/ Koç