Der Weiskircher Wolfgang Barth lädt statt zu tanken

Weiskirchen : Kurze Reichweiten sind eine Spaßbremse

Über das Für und Wider von Elektro-Mobilität wird im Moment weltweit intensiv diskutiert. Welche praktischen Erfahrungen haben Menschen aus unserer Region mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen gemacht? Ein Fallbeispiel.

Alle reden heute von und über Elektroautos – Wolfgang Barth aus Weiskirchen darf bei solchen Diskussionen wirklich mitreden, weil er ein solches Gefährt bereits vor vier Jahren gekauft hat. „Mein E-Golf, den ich Mitte 2015 für rund 35 000 Euro erworben habe, war meines Wissens das erste E-Auto, das in Weiskirchen angemeldet wurde.“ Der Rentner, der sich für die Piraten-Partei im Gemeinderat der Hochwald-Kurgemeinde engagiert, versicherte im SZ-Gespräch, seine damalige Kaufentscheidung nie bereut zu haben. Er fahre nach wie vor gut mit dem Gefühl, mit dem Strombetrieb seines Fahrzeugs an den Tankstellen vorbei etwas Gutes für die Umwelt zu tun und gleichzeitig bares Geld zu sparen.

Als er in der Tiefgarage unter seinem Haus an der Mattheiserstraße den schmucken „Stromer“ präsentierte, ruhte dieser noch am Ladekabel, dessen Stecker über eine simple Camping-Steckdose seine Energie aus einer haushaltsüblichen Steckdose zog. Der Platz neben dem E-Golf war gerade frei: „Meine Frau besucht heute unsere Tochter in Frankfurt. Dazu setzt sie sich lieber hinter das Steuer unseres Benziners, weil damit deutliche längere Fahrstrecken als mit dem E-Golf möglich sind.“ Aha! Offenbart das nicht schon ganz allgemein eine Schwäche des Elektroantriebs? Barth: „Ganz im Gegenteil, wir nutzen damit die Stärken beider Antriebe.“

Dann zog er im wahrsten Sinn des Wortes den Stecker, und so konnte eine kurze Probefahrt starten. Auf Knopfdruck gingen so geräuschlos wie bei jedem Benziner oder Diesel die Fahrlichter an, aber ich wartete vergeblich auf das vertraute Geräusch des Anlassers. „Da können sie lange warten“, schmunzelte Barth, „der Motor läuft schon.“ Und tatsächlich – nach dem Lösen der Bremse rollte der Pkw mit seinem Automatikgetriebe ebenso sanft wie lautlos aus der Garage. Wenig später offenbarte das E-Auto sein anderes „Gesicht“. Beim steilen Anstieg in Richtung Hochwald pressten mich auf Pedaldruck die deutlich über 100 PS der Maschine mit Urgewalt in den Sitz. Dabei erinnerten die Rollgeräusche und der Fahrtwind schon eher an das vertraute Fahren mit Verbrennungsmotoren.

Das eingebaute Navi signalisierte dabei auf Knopfdruck auf einer Karte jederzeit die Orte, die mit dem aktuellen Ladestand der Batterien erreichbar waren und zwar inklusive der Rückfahrt zum Ausgangspunkt. Bis nach Trier oder Saarbrücken und zurück hätten wir danach locker fahren können. Bei allem Fahrspaß, den der E-Golf vermittelt, können seine vergleichsweise kurzen Reichweiten im Vergleich zum „Verbrenner“ die ursprüngliche Begeisterung schnell einbremsen. Barth: „Das ist auch der Grund, warum meine Frau heute mit dem Benziner statt mit dem E-Auto nach Frankfurt gefahren ist.“

Inzwischen würden alle Anbieter von „Stromern“ an der Leistungsfähigkeit ihrer Batterien arbeiten, um die Fahrstrecken pro Ladung zu verlängern. E-Autos der jüngsten Generation würden, sagt Barth, schon Strecken von 400 Kilometer und mehr schaffen. Er habe beim Kauf vor vier Jahren für die in seinem Fahrzeug verbauten Batterien eine Garantie von acht Jahren erhalten. Und nach mittlerweile rund vier Jahren liege die Leistungsfähigkeit der Stromspeicher immerhin noch bei etwa 90 Prozent.

Nach unserer Rückkehr startete der Weiskircher routinemäßig einen neuen Ladevorgang mit dem Einstecken des Ladekabels, was bei fast leerer Batterie bis zu sechs Stunden dauern könne. Zum Laden statt Tanken gebe es auch in der Region laufend mehr Möglichkeiten. „Wenn ich im Globus in Losheim einkaufen fahre, nutze ich stets gerne das Angebot, während des Einkaufs in der Ladestation des Einkaufcenters die Batterien des E-Golfs kostenlos aufzuladen“, versicherte Barth in diesem Zusammenhang.

Unter dem Strich habe er seine Entscheidung für den E-Golf nie bereut. Der von Anfang an störungsfreie Betrieb, das angenehme Fahren und nicht zuletzt das gute Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, hätten ihn in dieser Einschätzung bekräftigt. Und sparsam sei der E-Golf schließlich auch. Barth: „Abgesehen von der bei mir auf zehn Jahre befristeten Steuerbefreiung muss ich bei Inspektionen keinen Ölwechsel oder neue Scheibenbremsen (Motorbremse) bezahlen, ganz zu schweigen von den im Vergleich zu üblichen Tankkosten niedrigen Stromkosten.“ Und sollte er irgendwann einmal ein neues Auto kaufen wollen, würde er sich auf jeden Fall wieder für einen „Stromer“ entscheiden.

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