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Wer wird neuer Rathauschef?
Bürgermeister-Kandidaten auf dem Prüfstand

Die Hochwaldhalle in Weiskirchen wurde voll, als sich am Dienstagabend die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl zur Podiumsdiskussion trafen.
Die Hochwaldhalle in Weiskirchen wurde voll, als sich am Dienstagabend die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl zur Podiumsdiskussion trafen. FOTO: Ruppenthal
Weiskirchen. Am 3. Juni wird in Weiskirchen ein neuer Rathauschef gewählt. Am Dienstag trafen sich die Bewerber zur Podiumsdiskussion. Von Margit Stark und Teresa Bauer

Werden der freie Kandidat Stephan Barth oder Wolfgang Hübschen, sein Mitbewerber von der CDU, Verwaltungschef Werner Hero beerben, wird es wieder einen Fachmann für Touristik in der Gemeinde geben. Einig sind sich beide, wen sie einstellen werden: Touristiker Gerrit Oestreich, Kandidat der FDP. Dies kündigten sie in der Diskussionsrunde am Dienstagabend, die rund 450 Besucher in der Hochwaldhalle verfolgten, auf die Frage von Gemeindereferent Jörg Mang an. „Weiskirchen scheint zu schlafen“, kritisierte der Mann aus dem Publikum. Sein Ansinnen: Wo können Leute einen Mittagstisch einnehmen? Ein Döner essen, sei möglich, ebenso chinesisch. Ansonsten sehe es mau aus – eine Aussage, die die Moderatoren Christian Beckinger (SZ) und Thomas Gerber (SR) prompt aufgriffen. „Warum ist die Hochwald-Touristik (HTG) aufgelöst worden?“, wollten beide von den Kandidaten wissen. „Der Rat hat es so entschieden. Der Bürgermeister muss dies machen“, antwortete SPD-Kandidat Karsten Kiefer. „Er kann Begrüßungsreden halten.“ Die GmbH sei zwar aufgelöst worden, der Vertrag mit dem Geschäftsführer gekündigt. Ansonsten sei das Personal vorhanden, nur, dass es jetzt seine Arbeit im Rathaus verrichte.  „Damit haben wir einen besseren Überblick über die Ausgaben als vorher“, sagte der SPD-Fraktionschef im Gemeinderat. Er sprach sich dafür aus, Wellness-Begeisterten und Mountainbikern neue Angebote zu unterbreiten und mögliche Investoren zu suchen, die ein Hotel hochziehen oder umbauen.


„War das mit der HTG ein Schattenhaushalt?“, wollte Gerber wissen. „Nein, wir hatten Wirtschaftspläne“, konterte Wolfgang Hübschen, der Kandidat der CDU. Die Hochwald Touristik fehle, fand er. Der Bürgermeister könne zwar Begrüßungsreden halten, ersetze aber keine Fachkraft. Er sprach sich dafür aus, mit das Prädikat Heilklimatischer Kurort der Premium-Class noch mehr herauszustellen und damit zu werben. Ab 1. Juni nehme ein neuer  Förster die Arbeit auf, der – wie in Baden-Württemberg oder Bayern – Gästen die Natur nahe bringt. „Dennoch brauchen wir eine Fachkraft für Tourismus.“

FWG-Kandidat Gunnar Schulz plädierte dafür, das Tourismusforum  wieder zu beleben. „Es ist die Aufgabe eines Bürgermeisters, die Gastronomen an einen Tisch zu holen und zu vernetzen. Aber sie müssen aktiv werden, sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen.“ An Angeboten in der Gastronomie müsse es mehr geben als nur Döner, Chinesisch oder das Park-Hotel.

Schulz’ Absage an einen weiteren Hochseilgarten griff Christian Beckinger auf: „Warum wollen Sie keinen Hochseilgarten?“ Die Begründung von Schulz: „Ich war Aufsichtsratsmitglied der HTG. Da habe ich miterlebt, wie nach einem Jahr der Betreiber des Hochseilgartens die Segel gestrichen hat.“ Das Aus vermutet er in dem nicht ausreichenden Konzept des Betreibers. Die Investitionen in das Projekt seien an der HTG hängen geblieben, letztlich aber an der Gemeinde, die dafür gebürgt habe. FDP-Kandidat Oestreich nannte das Angebot der HTG „gar nicht schlecht“. Es gelte, dies konsequenter und zielgruppengerechter in die sportliche Richtung umzusetzen. Er warb dafür, mehr für Biker zu tun und den Wildpark zum Bikepark umzugestalten. Zudem plädierte er dafür, den Georgi-Panorama-Weg an das Bäderzentrum  Vitalis und das Freizeitareal  Schwarzrinderseen anzubinden. Für ihn unverständlich: dass ein Förster für 70 000 Euro pro Jahr eingestellt werde. Auch dessen Aufgaben seien ihm schleierhaft. Schließlich könne diese Arbeit auch eine Firma leisten. Ihr könnten genaue Vorgaben gemacht werden, wie viele Bäume gefällt und aus dem Wald herausgeholt werden.

Nach Ansicht von Stephan Barth braucht Weiskirchen eine Fachkraft für Tourismus. „Alle Handlungsoptinen müssen unter die Lupe genommen werden“, forderte der freie Bewerber. Es gelte, die Perle Weiskirchen wieder aufzupolieren. Das Alleinstellungsmerkmal müsse wieder in den Vordergrund gestellt werden. Kreis, Land, die Verantwortlichen des Naturparks  und alle beteiligten Kommunen müssen nach seiner Ansicht an einen Tisch geholt, und die Kompetenzen müssen gebündelt werden. „Warum soll Weiskirchen allein im Hochwald  rumwurschteln?“



Aufmerksamer Beobachter: Bürgermeister Werner Hero.
Aufmerksamer Beobachter: Bürgermeister Werner Hero. FOTO: Ruppenthal