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Briefwähler entscheiden Kopf-an-Kopf-Rennen"2002 war die Anspannung größer""In dem Amt kann man was bewegen"

Briefwähler entscheiden Kopf-an-Kopf-Rennen"2002 war die Anspannung größer""In dem Amt kann man was bewegen"

Weiskirchen. Ein wahrer Wahlkrimi ging am gestrigen Sonntagabend im Weiskircher Rathaus über die Bühne: Bei der zweiten Bürgermeister-Direktwahl in der Kurgemeinde lieferten sich die beiden Kandidaten, Werner Hero (CDU) und sein SPD-Herausforderer Michael Matern, ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst nach Auszählung aller per Briefwahl abgegebenen Stimmzettel entschieden war

Weiskirchen. Ein wahrer Wahlkrimi ging am gestrigen Sonntagabend im Weiskircher Rathaus über die Bühne: Bei der zweiten Bürgermeister-Direktwahl in der Kurgemeinde lieferten sich die beiden Kandidaten, Werner Hero (CDU) und sein SPD-Herausforderer Michael Matern, ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst nach Auszählung aller per Briefwahl abgegebenen Stimmzettel entschieden war. Das Ergebnis: Werner Hero bleibt bis 2019 Bürgermeister in Weiskirchen. Mit 51,02 Prozent hatte er die Nase knapp vorn. Michael Matern erreichte 48,98 Prozent. In absoluten Zahlen betrug der Vorsprung von Hero lediglich 81 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 76,3 Prozent und damit leicht unter der aus dem Jahr 2002 (78,88 Prozent). Die beiden Kandidaten und ihre Partei-Freunde erlebten am Sonntag nach Schließung der Wahllokale ein Wechselbad der Emotionen: Nach Auszählung der in den sechs Wahlbezirken abgegebenen Stimmen hatte der SPD-Kandidat noch vorne gelegen. 101 Stimmen betrug der Vorsprung von Matern, als um 18.38 Uhr alle Ergebnisse aus den Wahllokalen eingegangen waren. Dann begann im Rathaus das Warten auf das Ergebnis der Briefwahl. 713 Wähler hatten ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Weil zunächst die Briefwahl-Bögen für die Landtagswahl auszählen werden mussten zog sich die Auswertung der Stimmen für die Bürgermeisterwahl eine Stunde hin. Um 19.39 Uhr aber war klar: Hero hatte bei den Briefwählern einen Vorsprung von 182 Stimmen erreicht und damit den Rückstand wett gemacht.Sichtlich erleichtert zeigte sich der 56-jährige Amtsinhaber nach Bekanntgabe des Endergebnisses: "Ich hatte erwartet, dass es knapp werden würde, aber mit einem solch engen Ausgang habe ich nicht gerechnet", sagte Hero. Er werde sich bemühen, das in ihn gesetzte Vertrauen in der nächsten Amtszeit, die am 1. Oktober 2010 beginnt und 2019 endet, zu rechtfertigen.Aus seiner Enttäuschung keinen Hehl machte der unterlegene SPD-Herausforderer. Michael Matern sagte, die SPD behalte sich eine Anfechtung des Wahlergebnisses vor. "Wir werden genau überprüfen, wie das Ergebnis der Briefwahlen zu Stande kam", sagte Matern. Er sprach von "Brotdorfer Verhältnissen in Thailen" bei der Briefwahl. Dort habe der CDU-Kandidat 176 Stimmen eingeheimst, er nur 31. In Thailen ist die CDU-Gemeindeverbands-Vorsitzende Helma Kuhn-Theis auch Ortsvorsteherin.Beide Kandidaten übten Kritik an dem Wahlkampf der jeweiligen Gegenseite: Werner Hero sagte, der Wahlkampf sei von der SPD "nicht sehr fair" geführt worden. Matern sprach von einer "Blut-und-Boden-Kampagne" der CDU, die mit Diffarmierungen über seine familiären Verhältnisse seine Person habe in Misskredit bringen wollen.Weiskirchen. Ein Hauch von Italien weht an diesem Sonntag durch die Trierer Straße in Weiskirchen. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel herab und erzeugt so von den Temperaturen her ein wenig südländischen Flair, während sich einheimische Musikvereine und das "Orchester di Fiati di Morano" aus Kalabrien nach Kräften bemühen, die Besuchern des Deutsch-Italienischen Musikfestes auch stimmungsmäßig nach "Bella Italia" zu versetzen. Mittendrin im bunten Treiben gönnt sich Werner Hero einen erfrischenden "Radler".Dabei geht es an diesem Sonntag, dem Tag der Weiskircher Bürgermeisterwahl, um die politische und auch berufliche Zukunft des 56-jährigen Amtsinhabers. Aber er ist guter Dinge: "Klar ist man angespannt an solch einem Tag. Aber bei der ersten Direktwahl vor sieben Jahren war die Anspannung doch größer", meint Hero. Grund für die Zuversicht: Der CDU-Kandidat ist sich sicher, "dass wir bis zur letzten Sekunde um jede Stimme gekämpft haben". Auch habe die CDU bei der Kommunalwahl in fast allen Ortsteilen einen deutlichen Vorsprung vor anderen Parteien gehabt. Er wisse die Partei hinter sich, die ihn mit viel Engagement und großer Geschlossenheit unterstützt habe, sagt Hero.In den letzten Tagen vor dem Urnengang habe der Bürgermeister-Wahlkampf noch einmal an Fahrt gewonnen, da gab es Flugblätter der einen und Gegen-Reaktionen der anderen Seite. Und ihm sei auch bewusst, dass die Frage, wer neuer Bürgermeister in Hochwald-Kurgemeinde werden soll, die Menschen in Weiskirchen durchaus intensiv beschäftigt habe. "Das habe ich in vielen Gesprächen mit den Menschen aus der Gemeinde festgestellt." Aber jetzt haben die Bürger das Wort. Und der Bürgermeister ist überzeugt, dass er alles ihm Mögliche getan habe, um die Weiskircher zu überzeugen, ihn im Amt zu bestätigen. Er selbst werde am Nachmittag seine Stimme abgeben, erzählt Hero, bevor er sich verabschiedet: "Ich besuche noch einen verdienten Mitarbeiter von uns, der heute 70. Geburtstag feiert." Weiskirchen. Noch vier Stunden sind es am Sonntag bis zur Schließung der Wahllokale. SPD-Bürgermeister-Kandidat Michael Matern hat es sich zuhause in Wadern vor dem Fernseher gemütlich gemacht und sieht sich das Formel-1-Rennen in Spa an. Sein letzter Wahlkampf-Auftritt war am späten Vorabend beim Kinderfest in Konfeld. Warum er nach sieben Jahren zum zweiten Mal kandidiert? "Ich wäre nicht wieder angetreten, wenn ich den Eindruck hätte, dass der amtierende Bürgermeister beliebt oder erfolgreich wäre. Andererseits ist das Bürgermeister-Amt eines der wenigen, in denen man tatsächlich einiges bewegen kann", sagt Mattern. Prädestiniert für das Amt sieht sich der 42-jährige Politikwissenschaftler durch sein Studium, seine Tätigkeit seit elf Jahren als Studienleiter der Europäischen Akademie Otzenhausen und durch seine Erfahrungen in der Kommunalpolitik. Matern hat vor zehn Jahren in Wadern HERZ mitgegründet, das Hochwald-Entwicklungs- und Regionalzentrum, und ist seither zweiter Vorsitzender. Das jüngste Kind von HERZ ist der Waderner Runde Tisch für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. Insgesamt sei er guten Mutes. Bei den zahlreichen Hausbesuchen habe er "kaum einen Menschen angetroffen, der den Bürgermeister gelobt hat". Er habe einen fairen Wahlkampf geführt, sagt Matern. Währenddessen habe er ganz normal gearbeitet. Das sei schon etwas stressig gewesen. Was ist, wenn es klappt? Die Frage beantwortet Matern so: "Das wird für den Rat und den Bürgermeister eine schwierige Zeit - mit 13 Monaten Abschied. Für mich wäre das positiv, wegen der langen Vorbereitungszeit." Wenn es nicht klappt? "Dann gehe ich ganz normal weiter arbeiten, wie beim letzten Mal. Das muss man auch im Hinterkopf behalten. Das nennt man Realismus!" Meinung

Spannendwie ein Krimi

Von SZ-RedakteurWolf Porz Ein Krimi kann nicht spannender inszeniert werden: Bis zur Auszählung der Briefwahl liegt der erneute Herausforderer knapp 100 Stimmen vor dem Amtsinhaber. Am Ende macht der es dann doch - mit knapp 80 Stimmen Vorsprung. Bis zur Bekanntgabe des Ergebnisse lagen gestern im Rathaus Weiskirchen die Nerven blank. Mit einem blauen Auge ist Werner Hero bei der Wahl davon gekommen und Michael Matern hat ein sensationelles Ergebnis eingefahren. Reine Spekulation: Was, wenn die SPD einen anderen Gegenkandidaten aufgefahren hätte? Matterns "Flucht" nach seiner Niederlage vor sieben Jahren haben viele nicht vergessen.