BI kämpft gegen Solarpark

Weiskirchen. Vor wenigen Tagen gründete sich im Weiskircher Ortsteil Weierweiler eine Bürgerinitiative, die gegen die Errichtung einer großflächigen Fotovoltaik-Anlage nahe des Ortes kämpft. Rund 40 Einwohner aus Weierweiler und den umliegenden Ortschaften traten an diesem Abend spontan der BI bei, für die zugleich auch ein neunköpfiger Vorstand gewählt wurde

Weiskirchen. Vor wenigen Tagen gründete sich im Weiskircher Ortsteil Weierweiler eine Bürgerinitiative, die gegen die Errichtung einer großflächigen Fotovoltaik-Anlage nahe des Ortes kämpft. Rund 40 Einwohner aus Weierweiler und den umliegenden Ortschaften traten an diesem Abend spontan der BI bei, für die zugleich auch ein neunköpfiger Vorstand gewählt wurde. Zum Vorsitzenden wählten die Anwesenden bei der Zusammenkunft im Gasthaus "School Kättchen" Felix Kammer aus Weierweiler, stellvertretende Vorsitzende sind Horst Weinand und Paul Schmitt. Für die Kassenführung ist Margit Kleinbauer verantwortlich, Schriftführer ist Andreas Böse. Zudem gehören einige Beisitzer dem BI-Vorstand an.In einer ausgedehnten Talmulde in der Gemarkung "Am Spießkopf", unweit der Ortslage von Weierweiler, plant die Saarbrücker Firma KPM Sun die Errichtung eines Fotovoltaik-Kraftwerkes, das mit einer Anlagenfläche von rund 54 Hektar eines der größten im Saarland sein würde. Insgesamt würden, so die Berechnungen der Gegner des Vorhabens, an die 80 Hektar Fläche durch den Solarpark beansprucht.Zwei StreitpunkteDer Widerstand gegen das Vorhaben entzündet sich vor allem an zwei Punkten: Zum einen befürchten die Gegener eine Verschandelung der Landschaft in dem Gebiet durch die erforderliche Errichtung eines hohen Zaunes um die gesamte Anlage, der die teuren Solarmodule vor Diebstahl und Vandalismus schützt. "Das sieht später aus wie der Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses oder einer Kaserne", sagte Horst Weinand, stellvertretender BI-Vorsitzender, in der Versammlung am Dienstag. Zum anderen werde wertvolle Ackerfläche mit den Modulen zugebaut und dadurch einer landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. - Ackerland, "das aufgrund der zunehmenden Versteppung der Böden nicht nur in Südeuropa in Zukunft mehr denn je benötigt wird", wie Weinand in einem Protest-Schreiben an Ministerpräsident Peter Müller unterstrich.Felix Kammer, der neue BI-Vorsitzende, erklärte gegenüber der SZ, er sei vor 18 Jahren vor allem wegen der naturbelassenen Landschaft aus Saarbrücken nach Weierweiler gezogen. "Und jetzt soll in Zukunft direkt an meiner Grundstücksgrenze ein drei Meter hoher, stacheldrahtbewehrter Zaun stehen - dagegen wehre ich mich." Kammer sagte, die BI wolle in einem ersten Schritt Aufklärungs- und Informationsarbeit bei den Bürgern der Gemeinde leisten: "Wir wollen deutlich machen, was die gewaltigen Dimensionen dieser Anlage für den Ruf Weiskirchens als Kur- und Tourismusgemeinde bedeuten. Für die Menschen und die Tiere ist die gesamte Fläche verloren." Zudem solle der bislang eher punktuell von privater Seite artikulierte Widerstand gegen das Projekt gebündelt werden. "Wir müssen gegenüber der Politik und den Betreibern des Projektes mit einer Stimme sprechen und diesen auch als feste Ansprechpartner bereitstehen", sagte Kammer. Er betonte, die Kritik der BI richte sich nicht gegen die Landeigentümer, die dem Betreiber ihre Ackerflächen für den Solarparek zur Verfügung stellen wollen. "Wir können die Motive dieser Leute nachvollziehen." Aber statt wie geplant eine "wahnsinnige Vernichtung" von Ackerland zu betreiben, gehörten solche großen Freiflächen-Anlagen aus Sicht der BI eher auf Industriebrachen oder ausgediente Mülldeponien. "Für die Menschen und die Tiere ist die gesamte Fläche verloren."Felix Kammer, BI-Vorsitzender

Auf einen blickUmweltministerin Simone Peter (Grüne) hat am Donnerstag ihre Unterstützung der Weiskircher Solar- und Windkraftpläne bekundet. Die Landesregierung habe sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von jetzt vier auf 20 Prozent bis 2020 zu steigern. "Die Kur- und Tourismusgemeinde Weiskirchen kann beispielgebend dafür sein, dass sich Klimaschutz, Natur- und Artenschutz, Wertschöpfung durch heimische Energieträger und Tourismus miteinander verbinden lassen." Zu den Einwänden, die Windräder und der Solarpark verschandelten die Landschaft, sagt Peter: "Das Landschaftsbild verändert sich durch menschliche Eingriffe seit jeher. Im Gegensatz zu vielen umweltzerstörenden Eingriffen sind Fotovoltaik- und Windkraftanlagen nicht mit massiven Eingriffen verbunden und ohne Schäden rückholbar." cbe

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