Auf der Suche nach Steinpilz und Co. im Hochwald bei Weiskirchen

Unterwegs im Hochwald : Mit App und Enkel auf der Suche nach dem Steinpilz

Draußen regnet’s. Aber Herbstzeit ist Pilzzeit. Also schnappe ich mir Enkel Lenni (acht) und schon geht es mit Wachsjacke und Gummistiefeln hinaus in den Hochwald bei Weiskirchen. „Lass’ das lieber sein, du verstehst doch nichts von Pilzen!

“ Den gut gemeinten Rat der Gattin schlage ich diesmal in den Wind. Erstens weiß ich immerhin, dass die schönen roten Fliegenpilze giftig sind. Und zweitens vertraue ich insgeheim auf die abendliche kostenlose Pilzberatung im Haus des Gastes (siehe Text oben), die der heilklimatische Kurort gerade wieder anbietet.

Ein kurzer Blick auf die Pilzapp meines Smartphones lässt erste Hoffnung auf Erfolg keimen: Jetzt müsste noch Steinpilzsaison sein! Aber wo ich diese Edelpilze im nahen Hochwald finde, verrät mir das Gerät freilich nicht. Ist aber kein Problem, schließlich hat mir der Fußballtrainer von Lenni, Peter Meyer, erst vor wenigen Tagen einen heißen Tipp gegeben. Neun Minuten mit dem Auto, und schon stapfen wir zuversichtlich dem Areal im ebenso nassen wie farbenprächtigen Hochwald entgegen, wo die tollen Steinpilze auf uns warten sollen.

Dauert auch gar nicht lange, bis wir die ersten Exemplare entdecken. Viele verschiedene Sorten in unterschiedlichsten Formen und Farben. „Opa“, fragt Lenni, „sind die hier essbar?“ Mit meinem Mut zur Lücke muss ich einräumen: „Keine Ahnung.“ Aber pädagogisch pfiffig weise ich den Enkel flugs darauf hin, dass wir ja eigentlich nur Steinpilze suchen, und die seien garantiert nicht giftig.

Kurz darauf entdecken wir einen solchen, den auch ein schneller Blick auf die Pilzapp eindeutig als Steinpilz identifiziert. Damit stellt sich uns die nächste Frage: Mit dem Messer abschneiden oder abdrehen? Die „Handyautorität“ in Sachen Pilzsuche rät dazu, den vermeintlichen Steinpilz im Erdreich abzudrehen – und genau so machen wir’s auch. Das ist unsere erste „Beute“ – aber noch längst nicht die letzte! So nach und nach füllt sich der Korb (hoffentlich) nur mit diesen Edelpilzen. Und da sind richtig „kapitale Exemplare“ dabei mit dicken Stielen, die uns das „Ernten“ erleichtern. Zuhause zupfen wir später einzelne unerwünschte Schnecken als Mitesser von unseren Pilzen und lassen sie auf einer von der Bodenheizung verwöhnten Zeitung trocknen.

Gegen 17.30 Uhr suchen wir mit unseren gesammelten Köstlichkeiten die Pilzberatung im Leseraum des Hauses des Gastes auf. Offensichtlich waren wir nicht die einzigen erfolgreichen Pilzsammler im Hochwald. Neben uns begrüßen Hans-Werner Graß (67) und Frank Lustik als ausgewiesene Experten noch einige andere Besucher mit ihren zum Teil gut gefüllten Sammelbehältern. Dann werden zwei leere Körbe aufgestellt, und die Fachleute nehmen unsere mitgebrachten Pilze unter die Lupe.

Jeden einzelnen nimmt Graß auf, ordnet ihn einer Art zu, gibt dazu interessante Erläuterungen und legt die Guten – zum Verzehr geeigneten Pilze – in das rechte Körbchen. Hätten Lenni und ich auch giftige Exemplare mitgebracht, wären diese ebenso wie einige überalterte Pilze im anderen Körbchen gelandet. Aber der Fachmann lobt unsere Arbeit: „Das sind ausschließlich Steinpilze und Maronenröhrlinge, die zu köstlichen Gerichten verarbeitet werden können – gut gemacht!“

Wie’s der Zufall will, hat Lustik auch einen Pilz mitgebracht, den er ebenfalls heute entdeckt hat. „Das ist der gefürchtete Knollenblätterpilz, dessen Gift nach dem Verzehr glatt ausreichen würde, um gleich zwei Menschenleben auszulöschen.“ Als gefährliches Anschauungsobjekt zeigen die Experten den zum Glück im Hochwald relativ selten zu findenden Pilz herum, und nachdem sie das giftige Exemplar wieder weggelegt haben, waschen sich beide erst mal gründlich die Hände.

Bloß gut, dass wir uns beim Sammeln ausschließlich auf wohlschmeckende und ungefährliche Röhrlinge und Steinpilze eingelassen haben! Aber eindringlicher konnte der Hinweis in der Pilzberatung gar nicht ausfallen, dass man beim beliebten Sammeln im Wald wirklich nur die Speisepilze mitnehmen sollte, die man sicher erkennt. Und wenn diese Sicherheit fehlt, empfiehlt sich im höchst eigenen Interesse erst recht ein Besuch in der Pilzberatung.

Mehr von Saarbrücker Zeitung