Geplante Windräder am Wildpark erhitzen die GemüterMg-wind2.cbeMg-wind.cbeFreie Wähler sammeln UnterschriftenVMU spricht von "gezielten Halbwahrheiten und Falschinformationen"Bürgermeister Hero hält klar am Bau des Windparkes fest

Weiskirchen. Das Thema Windkraft erregt seit Wochen die Gemüter in der Gemeinde Weiskirchen. Dies zeigte sich bei einem Informationsabend in der Hochwaldhalle vergangene Woche, zu der die Gemeinde zusammen mit dem potenziellen Betreiber des Windparks eingeladen hatte

 Die Windkraft ist und bleibt ein Reizthema, gerade in der Tourismusgemeinde Weiskirchen wird heftig diskutiert. Fotos: SZ

Die Windkraft ist und bleibt ein Reizthema, gerade in der Tourismusgemeinde Weiskirchen wird heftig diskutiert. Fotos: SZ

Weiskirchen. Das Thema Windkraft erregt seit Wochen die Gemüter in der Gemeinde Weiskirchen. Dies zeigte sich bei einem Informationsabend in der Hochwaldhalle vergangene Woche, zu der die Gemeinde zusammen mit dem potenziellen Betreiber des Windparks eingeladen hatte. Worum geht es bei dem Windkraft-Projekt überhaupt? Dazu äußerte sich in der HochwaldhalleThomas Nägler von der Merziger Firma Ökostrom Saar, die das Vorhaben vorantreibt. Gegenüber der SZ erläuterte er, dass es zunächst darum geht, eine wichtige planungsrechtliche Änderung umzusetzen: Im so genannten Landesenwicklungsplan (LEP) Umwelt, der vom Umweltministerium erarbeitet und zuletzt 2004 überarbeitet wurde, sind für alle Gemeinden im Saarland Vorranggebiete für Windenergienutzung ausgewiesen. Rein planungsrechtlich dürfen nur auf diesen Flächen Windkraftanlagen errichtet werden. Auch für Weiskirchen gibt es im LEP zwei Flächen im Wildpark selbst, die aus Sicht von Nägler allerdings ungeeignet sind: "Sie liegen zu nahe an der nächsten Wohnbebauung und sind auch zu klein dimensioniert." Er habe darum der Gemeinde vorgeschlagen, diese beiden Flächen im Landesentwicklungsplan zu streichen und durch eine neue zu ersetzen, die zwar ganz in der Nähe am Rande des Wildparks gelegenist - aber hier wäre der Abstand zu den nächsten Wohnhäusern mit 1200 bis 1500 Metern schon "erheblich größer". Diese formale Änderung ist allerdings komplizierter und aufwendiger, als es den Anschein hat. Diverse Gutachten und Untersuchungen sind vorgeschrieben, um die Eignung einer Fläche als Vorranggebiet für Windkraft zu überprüfen. Neben der Neuausweisung des Vorranggebietes im LEPUmwelt müsste die Gemeinde zudem planungsrechtlich eine Änderung des Flächennutzungsplanes sowie ein so genanntes Zielabweichungsverfahren umsetzen.Parallel zu diesen planungsrechtlichen Schritten plant Ökostrom Saar aber auch ein konkretes Windkraft-Projekt auf der neuen Vorrangfläche. Nägler: "Vorgesehen ist der Bau von drei Windrädern, von denen jedes drei Megawatt elektrischer Leistung erbringt." Diese Windräder seien speziell für den Einsatz in Waldgebieten entwickelt worden und darum höher als andere Modelle. "Die Nabenhöhe der Anlage beträgt etwa 130 Meter, bei einem Rotordurchmesser von etwa 100 Metern ergibt das eine Gesamthöhe von etwa 185 Metern",so Nägler. Zum Vergleich: Die vor wenigen Monaten errichteten Windräder auf dem Merchinger Berg sind etwa 150 Meter hoch. Der Ertrag, der durch diese drei Windräder möglich ist, reicht nach Darstellung Näglers aus, "um 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der ganzen Gemeinde Weiskirchen zu decken". Nach seiner Einschätzung dürfte es rund ein Jahr dauern, bis die planungsrechtlichen Änderungen tatsächlich umgesetzt sind. Parallel dazu würden die Planungen für den Bau der Anlage laufen, so dass unmittelbar nach Abschluss der planungsrechtlichen Schritte ein Bauantrag erfolgen könnte. Bis die Windräder am Wildpark tatsächlich Strom erzeugen, würde es nach Näglers Worten rund zwei Jahre dauern. Weiskirchen.Wie der FWG-Vorsitzende Franz-Josef Behles mitteilte, werde seine Liste darum eine Unterschriftenaktion "pro Bürgerbefragung"starten. Er kritisierte gleichzeitig den geplanten Standort für die Windkraftanlagen. Die Installation von zunächst drei Windrädern auf diesem grünen Höhenrücken von Mettlach bis nach Wadrill wäre eine "Naturkatastrophe", nicht nur für jeden Naturfreund. Die Informationsveranstaltung über Wind- und Solarpark in der Hochwaldhalle wurde nach seiner Einschätzung zu einem vollen Erfolg - "wenn auch nicht für die Befürworter (CDU, FDP und GAL), sondern für diejenigen, die dieses Vorhaben als zu gigantisch (Solarpark) beziehungsweise den Windparkstandort inmitten des Landschaftsschutzgebietes und im touristisch attraktiven Wildfreigehege als eine Zumutung empfinden"."Über Köpfe hinweg" Behles weiter: "Hier wird versucht, über die Köpfe der Bevölkerung hinweg in 'Windeseile' Tatsachen zu schaffen" Wenn von Seiten der Befürworter gesagt werde, es sei schon alles in trockenen Tüchern, seien diese schlicht dem Ergebnis der Abstimmung im Gemeinderat am 18. März zuvorgekommen. "Woher nimmt die Spitze der Befürworter diese Erkenntnis?" Eine so wichtige Entscheidung, die die Hochwaldgemeinde über 30 Jahre lang beeinflussen werde, könne nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werden, findet der FWG-Vorsitzende. Auf Nachfragen in der Veranstaltung sei hervorgegangen, dass Bürgermeister Werner Hero nicht die Absicht habe, die Bürger direkt an dieser Entscheidung teilnehmen zu lassen. "Er möchte mit seiner konstruierten Mehrheit diese Sache durchpeitschen." Deswegen habe die FWG eine Unterschriftensammlung pro Bürgerentscheid gestartet, die entsprechenden Listen würden in verschiedenen Geschäften, Banken und Gaststätten ausgelegt, kündigte Behles an. redWeitere Auskunft und Listen bei der FWG, dem Vorsitzenden Franz Josef Behles, Telefon (0 68 76) 71 19, und Gerhard Langenfeld, Telefonnummer (0 68 76) 79 16 04.Weiskirchen. Die Gemeinde werde vor dem Hintergrund der weltweiten Klimawandel-Debatte "ihren Beitrag für eine zukunftsorientierte, nachhaltige, im Sinne der zukünftigen Generationen ausgerichtete Energiepolitik leisten", erklärt Hero die Motivation dafür, den Windpark am Wildpark zu errichten. Die drei dort geplanten Windräder würden auf Flächen gebaut werden, die sich im Eigentum der Gemeinde finden und von dieser an den Betreiber verpachtet würden. Neben einer festen Pacht würde die Kommune zudem einen ertragsabhängigen Anteil von der Vergütung des dort erzeugten Stromes erhalten. Sollte das Projekt nicht umgesetzt werden, würden Weiskirchen nach Heros Worten über die gesamte Vergütungs-Laufzeit (20 Jahre) "mehrere Millionen Euro an Einnahmen" entgehen. Die in Frage kommende Fläche befindet sich nach seiner Auskunft knapp 100 Meter von der Landstraße von Weiskirchen nach Zerf (L 151) entfernt am Rande des Wildparks. "Durch die Nähe zur Straße ist der Erschließungsaufwand an diesem Standort am niedrigsten. Es müssten lediglich ein paar Bäume gefällt werden, zudem handelt es sich nicht um hochwertige Forstflächen", sagt Hero.Der Bürgermeister weiß, dass das Projekt nicht unumstritten ist: "Wenn sich herausstellt, dass der öffentliche Widerstand zu groß wird, muss der Gemeinderat überlegen, wie er sich verhält." Er könne sich auch vorstellen, dass die politischen Gremien zu dem Entschluss kommen, die Weiskircher Bürger selbst über das Vorhaben entscheiden zu lassen, falls das juristisch möglich ist. Dabei, gibt Hero zu bedenken, wird der Bau solcher Anlagen auch in Waldgebieten, wo das bislang tabu war, verstärkt ein Thema werden. Bislang lasse es, so lauten neueste juristische Einschätzungen im Umweltministerium, der Landesentwicklungsplan Umwelt im Saarland nicht zu, dass in Waldflächen Windkraftanlagen gebaut werden können. Die saarländische Landesregierung habe vor, diese Bestimmung zu lockern. Wie das letztlich formal-juristisch geschehen soll, sei noch nicht klar. Bis Mitte Februar habe die Gemeinde sich auf ein so genanntes Zielabweichungsverfahren vorbereitet. Nun aber könnte es sein, dass der Landesentwicklungsplan insgesamt geändert werden müsste - das müsste allerdings das Land machen. Insofern sei nicht endgültig entschieden, ob das Thema bei der nächsten Sitzung des Gemeinderates am 18. März überhaupt zur Diskussion steht. "Es ist noch nicht klar, welchen Weg die Gemeinde einschlagen könnte. Das wird derzeit vom Ministerium juristisch geprüft. Wenn diese Prüfung bis zum 18. März nicht abgeschlossen ist, macht es wenig Sinn, darüber zu beraten", so Hero. cbeWeiskirchen. Bernd Staudt, bis 2009 Vorsitzender des Verbandes Mensch und Umwelt Saar (VMU), in dem Windkraftgegner aus dem Saarland zusammengeschlossen sind, hat scharfe Kritik an den Windkraft-Plänen in Weiskirchen geübt. Zugleich spricht er in einer Stellungnahme den Weiskircher Bürgern ein "großes Kompliment" aus, weil diese "sich nicht von Windkraftbetreibern und Bürgermeister täuschen ließen". Staudt wirft Thomas Nägler, dem Geschäftsführervon Ökostrom Saar vor, in seiner Präsentation des Projektes in der Hochwaldhalle fossile Energieträger und die Atomkraft einseitig verteufelt sowie mit "gezielten Halbwahrheiten und Falschinformationen" gearbeitet zu haben. Die Veranstaltung in der Hochwaldhalle bezeichnet Staudt als "Märchenstunde". Der Bau von mehreren bis zu 185 Meter hohen Windkraftanlagen nahe des Wildparks sei "eine unglaubliche Vorstellung für all diejenigen, die sich der Natur und unserem wunderschönen Hochwald verpflichtet fühlen", erklärte Staudt. Er erinnert in seiner Stellungnahme an die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Windenergie. Es gebe, so der frühere Repräsentant der Windkraftgegner, "zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die Infraschall in Verbindung mit Windkraftanlagen als riesige Gesundheitsbelastung nachweisen". Daneben würden durch den Ausbau der erneuerbaren Energien mehr und mehr alle Stromverbraucher belastet. "In den letzten vier Jahren erhöhte sich die Zwangsförderung von 1,2 auf 2,0 Cent pro Kilowattstunde." Ein Vier-Personen-Haushalt zahle damit pro Jahr rund 120 Euro "für diese überteuerten und zudem unzuverlässigen Energien", kritisiert Staudt. "Windstrom ist nicht grundlastfähig und läuft nur an rund 80 Tagen im Jahr unter Volllast. Zuverlässige Ersatzenergie muss her." Das bedeute, so Staudts Schlussfolgerung: "Je mehr Windräder, um so mehr Kohle- oder Kernkraftwerke werden benötigt." cbe "Wenn der öffentliche Widerstand zu groß wird, muss der Gemeinderat überlegen, wie er sich verhält."Werner Hero"Je mehr Windräder, um so mehr Kohle- oder Kernkraftwerke werden benötigt." Bernd Staudt