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Was machen die Pastoren im Kreis Merzig-Wadern während der Corona-Krise?

Kostenpflichtiger Inhalt: Pastoren im Kreis Merzig-Wadern : „Die Kirche ist systemrelevant“

Auch für Geistliche im Kreis Merzig-Wadern hat sich durch die Corona-Krise der Alltag geändert. Einige finden moderne Lösungen.

Die Kirchen im Saarland sind seit Mitte März für die Gottesdienste geschlossen, auch Sterbeämter können nicht zusammen mit den Angehörigen und Gläubigen gefeiert werden. Doch wie gehen die Pfarrer im Landkreis Merzig-Wadern mit der neuen Situation um? Die SZ hat sich umgehört.

„Ich feiere die heilige Messe jeden Tag. Leider hinter verschlossenen Türen“, sagt Dechant Hans-Jürgen Bier aus der Pfarreiengemeinschaft Losheim am See. Das war am Anfang „mehr als gewöhnungsbedürftig“, sagt der Pfarrer. „Ein Gottesdienst ohne Leute, die diesen mitfeiern, ist für mich ein Widerspruch in sich“, findet Pfarrer Bier, der auch an die Kommunionkinder sowie an die Trauungen und Taufen, die ausfüllen müssen, denkt. Aber sein Glaube gebe ihm Halt, sagt der Pfarrer, er bete täglich für die Kranken und die Gesunden. Er betont: „Der Tod hat nicht das letzte Wort.“ An Ostern wolle er den Tod und die Auferstehung im kleinen Kreis mit Organist und Küster feiern.

Jeden Tag feiert auch Pfarrer Uwe Janssen von der Pfarreiengemeinschaft Perl die Messe. „Zunächst war ich skeptisch“, erzählt er, „aber ich empfinde es als wohltuend, allein mit Gott zu sein.“ Und weil er seine Seelsorge-Besuche nicht machen kann, klingelt bei ihm unermüdlich das Telefon. „Da klingelt es schon wieder“, erzählt der Pfarrer während des Gesprächs mit der SZ und bittet darum, später wieder anzurufen. Aus der Ruhe lässt sich Pfarrer Janssen jedoch nicht bringen, er hört zu. Auch zu Sterbenden geht er noch, Beerdigungen finden nur im kleinsten Kreis statt. Dafür haben die Menschen Verständnis, berichtet der Pfarrer, der plant, nach Corona ein Requiem auf die Toten zu halten.

„Ganz allein“ feiert auch Pfarrer Peter Frey aus der Pfarreingemeinschaft Merzig-Hilbringen die Messe, zudem veröffentlicht er jeden Sonntag eine Predigt auf der Internetseite der Pfarrgemeinde, dazu wird auch ein kurzes Video mit Orgel- und Gesangsmusik von Dekanatskantor Francesco Bernasconi hochgeladen. „Ich bin viel am Telefon“, erzählt Pfarrer Frey, ihm fehlen die Begegnungen. „Das ist für uns Priester schwer, weil wir von der Begegnung leben. Wir müssen auf Kontakt verzichten um der Menschen willen.“ Auch Beerdigungen finden nur im kleinen Kreis statt. „Das ist traurig, weil Angehörige so schwer Abschied sagen können“, sagt der Pfarrer, der täglich mit dem Rad nach seiner Pfarrgemeinde sieht.

Moderner ist dagegen die Pfarreiengemeinschaft St. Peter in Merzig. Die veröffentlicht seit zwei Wochen unter „Katholische Kirche Merzig“ Videos auf Youtube, sieben Videos sind bereits online und haben mehr als 3000 Aufrufe generiert. „Das Angebot wird angenommen“, freut sich Dechant Bernd Schneider, der das zu Beginn noch eigenartig fand, inzwischen erhalte er aber viel Rückmeldung. „Die Menschen bedanken sich per Mail“, erzählt Schneider.

Technische Unterstützung erhält er von seinem Kollegen Pfarrer Klaus Stankowitz aus Brotdorf. „Wir hatten ein paar Startschwierigkeiten, das Video hat geruckelt und die Tonqualität war nicht akzeptabel“, schildert dieser. Mit einem Laptop und einer externen Webcam nehmen sie die Videos auf, zudem haben sich zwei Jugendliche angeboten, mit einem Mischpult beim Ton zu helfen. Auch die Sterbeämter laufen live über Youtube. „Da rufe ich ein paar Minuten vorher an und frage, ob alles funktioniert, ehe ich beginne“, sagt Pfarrer Stankowitz. „Die Kirche ist systemrelevant und die Religion ist wie eine Freundschaft, die durch Freud und Leid trägt.“ Auch mit Blick auf Ostern: „Die Botschaft muss gesagt werden können.“ Und die Alltagsrelevanz von Tod und Auferstehung müsse derzeit nicht mehr erklärt werden. Die Gottesdienste können an den Kar- und Ostertagen über den Livestream mitgefeiert werden und das Bistum hat alle Messdiener dazu aufgerufen, an der Aktion „Kleppern trotzdem!“ mitzumachen. Auch in anderen Gemeinden findet das traditionelle Kleppern zu Ostern in abgewandelter Form statt (siehe Text unten).

Und die Pfarreiengemeinschaft Mettlach hat kleine geistliche Impulse online gestellt, damit die Gläubigen das größte Fest im Kirchenjahr zu Hause betrachten und vertiefen können. Die Videos sind im Internet auf www.lutwinuswerk-mettlach.de einsehbar.