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Warnschüsse sind nicht mehr erwünscht

Warnschüsse sind nicht mehr erwünscht

Orscholz/Mettlach. Seit Jahren das gleiche Spiel: Kaum hatte der Mais eine gewisse Höhe erreicht, war es mit der Beschaulichkeit in dem sonst so ruhigen Kurort Orscholz vorbei

Orscholz/Mettlach. Seit Jahren das gleiche Spiel: Kaum hatte der Mais eine gewisse Höhe erreicht, war es mit der Beschaulichkeit in dem sonst so ruhigen Kurort Orscholz vorbei. Vom späten Frühjahr bis zur Ernte im späten Herbst peitschten Schüsse durch den Ort, verjagte ein Schreckschussapparat mit lauter Knallerei gefräßige Wildschweine, die sich im Maisfeld nahe des Waldes gütlich tun wollen. Doch die Vergrämungsanlage schreckte nicht nur Schwarzwild ab. In Orscholz gingen die Dorfbewohner auf die Barrikaden. Sie wollten den Krach nicht mehr länger hinnehmen. Dieser Radau trieb auch Stefan Schaaf um. In mehreren Beschwerdebriefen, unter anderem an Mettlachs Bürgermeisterin Judith Thieser, hatte er gefordert, die Knallerei endlich abzustellen. Dass diese Anlagen nachts Orscholzer aus dem Schlaf schreckten, habe zu Beschwerden und Anzeigen bei der Polizei geführt, erläuterte Schaaf. Dabei seien sich doch in einer Sitzung des Gemeinderates alle Fraktionen einig gewesen, dass dies kein dauerhafter Zustand bleiben dürfe. Für Stefan Schaaf steht fest: Die Messsungen im vergangenen Jahr hätten sicherlich für diese Situation keine Gültigkeit, da diese Anlagen mobil und jederzeit umzustellen seien. "Ich möchte Sie in aller Form bitten, dies zur 'Chefsache' zu erklären und für die nötige Ruhe zu sorgen - es ist so in keiner Weise mehr zu akzeptieren", fordert er dem Brief an Thieser. Die Vergrämungsanlage still zu legen, nennt die Verwaltungschefin auch das Ziel ihrer Bemühungen. Die Messungen im vergangenen Jahr hätten ergeben, dass die Grenzen eingehalten worden seien. "Dadurch sind die gesetzlichen Möglichkeiten, solche Schussanlagen zu untersagen, sehr eingeschränkt." Sie versprach für das kommende Jahr eine Regelung zu haben, die allen Seiten gerecht werde: sowohl den Jagdpächtern, die die Wildschweine von dem Maisfeld fern halten wollen, um dem Bauern keinen Schadensersatz leisten zu müssen, als auch dem Bauern, der seinen Mais vor dem Schwarzwild geschützt haben wolle, und nicht zuletzt den Orscholzern, für die die ständige Schießerei eine Belastung sei. Daher habe es viele Unterredungen mit Fachgremien, Jagdpächtern und dem Kreis-Jagdverband gegeben. Im benachbarten Rheinland-Pfalz seien diese Anlagen zwar genehmigungspflichtig, doch damit sei das Problem nicht gelöst. "Dann knallt es halt mit Erlaubnis. Der Krach aber bleibt dergleiche." Dagegen seien im Saarland diese Anlagen nicht ausdrücklich genehmigungspflichtig. Einzige Bedingung: Die im Bundesemissionsschutzgesetz vergegebenen Werte sind einzuhalten - so wie in Orscholz. Mittlerweile, so ist aktuell aus dem Rathaus zu erfahren, hat der bisherige Jagdpächter von dem ihm eingeräumten außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch gemacht. "Diese Option zur Entschärfung der Lärmbelästigung hatte", sagte Bürgermeisterin Thieser, "die Jagdgenossenschaftsversammlung Mettlach kürzlich so beschlossen". Somit ist nun der Weg für ein pachtvertragliches Verbot zum Einsatz solcher Anlagen frei. Wie sich die Wildschäden im Jagdrevier zwischen Orscholz und Weiten ohne die in den vergangenen Jahren eingesetzten Schreckschuss- und Musikanlagen entwickeln werden, ist eine Frage, mit der sich der neue Pächter auseinander setzen muss. "Erklären Sie das Verbot dieser Anlagen zur Chefsache."Stefan Schaaf aus Orscholz"Die störendenVergrämungsanlage endlich still zu legen, ist mein Ziel."Bürgermeisterin Judith Thieser