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Krankenhaus
„Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“

 Jochen Kuttler
Jochen Kuttler FOTO: TINA MANN
Wadern. Bürgermeister Jochen Kuttler: Vorgezogene Schließung der Klinik kommt wohl für niemanden überraschend.

Die am Donnerstag bekannt gewordene  vorgezogene Schließung der St. Elisabeth-Klinik kommt nach Ansicht von Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler für niemanden sonderlich überraschend. „Dem schrittweisen Ausverkauf des Hauses, der sich ja über Jahre hinweg vollzogen hat, ist der Betreiber auch zum Ende der Traditionsklinik treu geblieben.“


Strukturen wurden nach seiner Ansicht immer mehr ausgedünnt, die durchaus verständliche Jobsuche und der angekündigte Wechsel der Arbeitnehmer als willkommener Anlass genutzt, das zu vollenden, wozu der Betreiber wohl nicht erst seit 6. Juni, dem Tag der Ankündigung der Schließung des Hauses in Wadern, entschlossen war. „Eine weit ins 19. Jahrhunderte reichende Tradition geht somit am 30. November zu Ende“ – für den Verwaltungschef ein Tag, der nachdenklich stimmt.

Die Entwicklung bis hin zu diesem Tag sei nach wie vor bedauerlich, ärgerlich und verstörend. Mit Blick auf das, was sich in den vergangenen Monaten zugetragen habe, sei die Entwicklung nicht überraschend.



„Die Stadt Wadern wird den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir werden auch nicht klein beigeben. Wir setzen auf die Zukunft und die ist in Bezug auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung im nördlichen Saarland jenseits des bisherigen Klinikbetreibers zu sehen.“ Das Gutachten für die Krankenhausentwicklung im Saarland, am Mittwoch vorgelegt, wird laut Verwaltungschef als Basis für den neuen Krankenhausbedarfsplan dienen. Die Feststellung, dass es keinen weiteren Bettenabbau geben soll, ist „eigentlich eine gute Sache“, sagt er. „Dann hätte Wadern ja bleiben können, hört man vielerorts“, verrät er den Inhalt von Gesprächen. „Vielleicht, wenn man denn in den vergangenen Jahren ausreichend in den Standort investiert und auf eine neue Ausrichtung gesetzt hätte statt den schleichenden Verfall zu forcieren.“

Die gute Nachricht für das Land, dass ein Mehr an Betten wünschenswert sei, lege nicht den Schluss nahe, „dass jetzt alles so bleiben wird, wie es ist.“ Doch dies sei weit gefehlt. „Die Gutachter bescheinigen dem Saarland zwar einen etwas größeren Bedarf an Betten für die nähere Zukunft, sie sagen gleichzeitig aber auch, dass es dringend eine weitere Konzentration und damit eine weitere Bündelung der Kräfte geben muss. Im Klartext: mehr Spezialisierung, mehr Zusammenarbeit, vermutlich auch weniger Kliniken, dafür größere und in der Expertise besser aufgestellte Häuser.“ Diese Erkenntnis sei nicht neu. „Sie diente ja unter anderem schon dazu, die St-Elisabeth-Klinik in Wadern zu schließen.“ Wenn die Schlüsse, zu denen das Gutachten kommt, weiter gedacht werden, ist es nach Kuttlers Ansicht jetzt allerdings an der Zeit, umzudenken und leistungsfähigere Häuser zu schaffen. Sie müssten so angeordnet werden, dass sie den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung dienten, gleich, wo sie exakt platziert werden. Die Weichen für das Zukunftsszenario würden jetzt gestellt. „Sie sollten in die richtige Richtung gestellt werden“, fordert er.

Der Gedanke der Einrichtung einer zentralen, fachlich gut aufgestellten Nordsaarlandklinik, den die Bürgerinitiative in Wadern verfolgt, sei daher nicht nur konsequent, er entspreche vielmehr auch einer Grundaussage des Gutachtens. Für Kuttler bittere Wahrheit: „Die Zentralisierungen müssen saarlandweit vorangetrieben werden.“ Dann könnten kleinere Häuser das Nachsehen haben. Der Gedanke mag laut Kuttler zwar unbequem sein. „Aber wenn er in Wadern ausgesprochen und in die Tat umgesetzt wurde, darf es kein Tabu sein, diese Frage auch anderswo zu stellen.“ Auch die in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium laufenden Bemühungen der Stadt Wadern, die Entwicklung eines Gesundheitsparks, der die ambulante Versorgung nachhaltig stärken soll, voranzutreiben, entsprechen laut Kuttler der Intention des Gutachters.

„Der Park dient als Ergänzung, in manchen Fällen macht er stationäre Behandlung hoffentlich überflüssig.“ Im ambulanten Sektor, der den stationären Bereich entlaste, Kosten spare und  qualitätshebend wirken könne, seien innovative Wege gefordert. „Wir hoffen, dass die Landespolitik den Mut hat, die Schlüsse, die das Gutachten naheliegt, auch konsequent umzusetzen.“ Das hieße auf Dauer: vielleicht weniger, dafür aber zentral platzierte und qualitativ hochwertige Klinikzentren, die durch eine optimale ambulante Versorgung möglichst wohnortnah ergänzt werden.“ Dafür sieht er den Standort Wadern prädestiniert

 Das Krankenhaus Wadern schließt am 30.November.
Das Krankenhaus Wadern schließt am 30.November. FOTO: Ruppenthal