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Wadern: Waderner Grüne kämpfen gegen Plastikmüll

Wadern : Waderner Grüne kämpfen gegen Plastikmüll

Die Bündnisgrünen fordern nicht nur ein Verbot bestimmter Verpackungsmaterialien. Sie geben auch Tipps, Plastikmüll zu vermeiden.

„Schafft Picobello ab“ forderte SZ-Redakteur Christian Beckinger vor einigen Wochen, obwohl sich Mitte März wieder zahlreiche Gruppen und Schulklassen an der Müllsammelaktion beteiligt hatten. So weit wollen die Waderner Grünen zwar nicht gehen, denn sie haben sich diesmal selbst daran beteiligt. Und sie waren erschrocken über den Berg aus Müll von Autoreifen, Plastik und Glas, den sie aus dem Wald zwischen Wadern und Gehweiler bargen, wie Vorstandsmitglied Albert Räsch im Gespräch mit der SZ sagte.

Die rührigen grünen Sammler bezweifeln allerdings, dass solch gut gemeinte Aktionen irgendeinen nachhaltigen Erfolg haben, denn die wirklichen Probleme lägen nicht mehr am Wegesrand und im Wald, sondern in den Gewässern und den Weltmeeren. Der Umweltverband Nabu schätzt die jährliche Gesamterzeugung von Plastikprodukten auf über 300 Millionen Tonnen, wovon etwa zehn Millionen in die Weltmeere gelangten. Allein im Pazifik schwimme ein Plastikteppich von der Größe Mitteleuropas. Plastik verursache nach Schätzung von Umweltschützern den Tod von 100 000 Meeressäugern und von einer Million Meeresvögeln. Über die Nahrungskette gelange Mikroplastik auch in den menschlichen Körper.

Den Waderner Bündnisgrünen scheint angesichts dieser Zahlen vielmehr dringend geboten, den Sinn der Picobello-Aktion politisch zu hinterfragen und auf die gravierenden Auswirkungen der „Vermüllung der Welt“ aufmerksam zu machen. Wie ihre Sprecher Ute Lessel und Peter Rohles am Infostand auf dem Wochenmarkt sagten, argumentiert die Partei zweigleisig. Einerseits fordert sie von den politisch Verantwortlichen ein entschiedeneres Vorgehen bis zum Verbot bestimmter Verpackungsmaterialien, von Silikonen und Nanopartikeln.

Gleichzeitig präsentierten sie einen von Veronika Morbe zusammengestellten Flyer mit vielen praktischen Tipps für die Konsumenten, wie Plastik vermieden oder eingespart werden kann.

Als Mutter in einer fünfköpfigen Familie wisse sie nur zu gut, welche Mengen an Abfall anfallen werden, wenn Mann und Frau den „Verpackungswahn“ unreflektiert nach Hause tragen. So lautet einer ihrer ersten Vorschläge konsequenterweise: „Keine mehrfach in Plastik verpackten Produkte kaufen. Es muss nicht alles dreifach verpackt sein.“ Schwieriger erscheint es, „nur zertifizierte Naturkosmetik zu kaufen ohne Mikroplastik“ und „eigene Pflegeprodukte herzustellen“. Sie ermuntert die Käufer zudem, eine „Grundausstattung“ (Stofftasche und Kaffeebecher) mitzuführen und in den Geschäften unnötige Umverpackungen abzulehnen.

Der Flyer kann auf der Facebook-Seite des Stadtverbandes eingesehen werden und liegt beim nächsten Infostand aus. Dann soll es um die Gefährdung von Mensch und Tier durch Giftstoffe in der Nahrungskette gehen. Bei den Besuchern des Waderner Frischmarktes kam die Initiative ausnahmslos positiv an, was sicher auch daran lag, dass viele bereits ein anderes Einkaufsverhalten und auch ihre eigenen Taschen mitgebracht hatten.