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Wadern geht neue Wege bei der ambulanten Versorgung

Waderns Bürgermeister zur Versorgung : „Wir brauchen die Präsenz aller Fachrichtungen“

Waderns Bürgermeister will Ärzten mit seinem Konzept für einen Gesundheitspark ein attraktives Umfeld bieten.

Hätte der Waderner Bürgermeister drei Wünsche frei, was wünschte er sich in Sachen ambulanter ärztlicher Versorgung?

KUTTLER Wir brauchen zum einen mehr Haus- und Fachärzte, zum anderen müsste eine bessere und durchgehendere Vernetzung her. Wir brauchen aber auch eine engere Verzahnung von ambulanter und stationärer Behandlung. Das alles muss koordiniert und gesteuert werden. Hier bräuchten wir weniger, dafür aber genauso kompetente Ansprechpartner.

Gibt es eine Prioritätenliste an Fachärzten?

KUTTLER Ich könnte jetzt den Chirurgen nennen oder den Internisten . . . Das bringt aber nichts! Wir brauchen am Standort Wadern – wie übrigens anderenorts auch – die Präsenz aller Fachrichtungen, die für die ambulante Versorgung der Bevölkerung notwendig sind. Wer gleichwertige Lebensverhältnisse in diesem Land will, kommt um diese Forderung nicht herum. Hier entscheidet in den seltensten Fällen ein Mediziner selbst und schon gar nicht die Kommune. Wer sich jemals mit den Vorgaben für die Verteilung der Ärzte-Sitze in diesem Land beschäftigt, stellt sehr schnell fest, dass sich hier ein Dschungel, aus Vorschriften, Maßgaben, Richtlinien und Kompetenzen entwickelt hat, der einem Normalbürger nicht mehr begreiflich zu machen ist. Und der letztendlich meiner Meinung auch nie zu einem befriedigenden Ergebnis führen kann. Das System ist derart ausbalanciert und vielschichtig, dass man sich zuweilen fassungslos einem Bürokratiemonster gegenüber sieht.

Sie haben in der Podiumsdiskussion den Ausbau und die Erweiterung eines Ärztehauses erwähnt. Was hat es damit auf sich?

KUTTLER Wir arbeiten sehr intensiv an einem Konzept für einen Gesundheitspark Wadern. In Schritt eins geht es dabei um den Ausbau und die Erweiterung des bestehenden Ärztehauses in der Kräwigstraße. Diese Dinge sind im Gange. Die SHG wird hier Anfang Dezember eine Tagesklinik Psychiatrie eröffnen, die Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird im Frühjahr 2020 folgen. Wenn alles klappt, wird dann auch alsbald ein Neurologe vor Ort sein. An der Etablierung eines Sitzes im Bereich der inneren Medizin wird gearbeitet. Da sind dicke Bretter zu bohren und Hürden aus dem Weg zu räumen. An dieser Stelle wachsen wir über unsere Rolle als bloßer Vermittler hinaus, weil wir das als einen ganz wichtigen Punkt der Daseinsvorsorge sehen. Letztendlich wollen wir auch wieder einen Chirurgen in Wadern haben. Da ist der Sitz weniger das Problem. Man muss eher jemanden finden, der heute noch bereit ist, die Mühen der Selbstständigkeit auf sich zu nehmen. Unser System schafft nämlich dazu herzlich wenig Anreize.

Warum haben Sie die Initiative ergriffen?

KUTTLER Weil wir sehen, dass die Entwicklung in die falsche Richtung läuft. Wir haben bereits jetzt eine Unterversorgung im Raum Wadern und Weiskirchen. In Lebach droht sie. Und dieser Ausdünnungsprozess wird sich fortsetzen. Wir glauben, dass man – im Rahmen unserer Möglichkeiten – die Initiative ergreifen und niederlassungswilligen Ärztinnen und Ärzten ein attraktives Umfeld bieten muss. Daran arbeiten wir gemeinsam mit externen Partnern.

Sie sprachen eben von Schritt eins. Was wäre dann Schritt zwei?

KUTTLER Schritt zwei ist erheblich aufwendiger. Hinter dem bestehenden Ärztehaus in Wadern ist eine Fläche, die sich aufgrund der Nähe zu den bisher in der Kräwigstraße und der näheren Umgebung bereits ansässigen Ärztinnen und Ärzten anbietet, weiterentwickelt zu werden. Unser Plan ist es hier, sowohl Pflegeeinrichtungen als auch medizinische Dienstleister zu etablieren. Auch bürgerschaftlichem Engagement – von Kneipp-Verein bis Yoga-Kursen – soll Raum gegeben werden. Das Highlight wäre ein Art Gesundheitshotel, das es ermöglicht, Patienten, die nicht unbedingt in ein Krankenhaus gehören, zu beobachten und zu betreuen, so wie die Patienten, die aufgrund ihres Genesungsprozesses nicht mehr in eine Klinik gehören, aber auch noch nicht fit für Zuhause sind, aufzunehmen. Gerade das Gesundheitshotel ist in Deutschland absolutes Neuland, in nordischen Ländern allerdings bereits erfolgreich praktizierte Realität.

Wie teuer ist die Investition voraussichtlich?

KUTTLER Schritt eins, also der Um- und Ausbau des Ärztehauses liegt in privater Hand, wir begleiten diesen Prozess nur. Bei Schritt zwei sind wir insofern beteiligt, als dass wir Grundstückseigentümer sind und natürlich aus der Natur der Sache heraus ein vitales Interesse daran haben, dass hier nicht das x-te Pflegeheim vom Reißbrett gebaut wird, sondern eine Kombination vieler grundlegender Elemente aus den Bereichen Medizin, Therapie, Pflege und bürgerschaftlichem Engagement realisiert wird. Das ist ein hehrer Anspruch und braucht viel Entwicklungszeit, aber alles andere hilft uns nicht weiter. Um genau zu sagen, wie viel hier investiert werden muss, bedarf es einer Detailplanung. Es handelt sich aber – nach heutigem Ermessen – um einen Betrag, der zehn Millionen Euro durchaus übersteigen könnte. Allerdings bietet es sich auch hier an, die Idee schrittweise zu verwirklichen. Aber wie gesagt, bei Schritt zwei stehen wir in Phase null, also der Grundlagenermittlung. Wenn wir es schaffen, die Bauleitplanung in 2020 anzupacken, wäre das schon ein ganz wichtiger Schritt.

Eine Stadt ist ja keine Projektgesellschaft. Wer hilft Ihnen denn bei der Entwicklung des Gesundheitsparks?

KUTTLER Wir selbst sind gar nicht in der Lage, ein solches Projekt zu stemmen. Mal abgesehen von der fehlenden finanziellen Ausstattung, fehlen uns auch das Know-how und nicht zuletzt das Personal, um einen Gesundheitspark von A bis Z umzusetzen. Wir haben mit Gesunddenken.de in Person von Ingo Jakschies einen erfahrenen Projektbegleiter, der auch selbst bereit ist, sich vor Ort später zu engagieren. Während Gesunddenken.de sowohl Schritt eins und Schritt zwei betreut, steht uns für Schritt zwei mit der Trierer Neuland GmbH ein kompetenter Berater und Dienstleister zur Seite, der auch bereit ist, ungewöhnliche Wege zu gehen. Und nicht zuletzt werden wir zu gegebenem Zeitpunkt auf das Hilfsangebot des saarländischen Gesundheitsministeriums zurückgreifen. Alle Akteure zusammen halte ich für eine gute Kombination, um in der ambulanten Versorgung der Menschen in unserer Region wirklich neue Wege zu gehen.