Gründung Bürgerinitiative: „Wadern braucht keine Ersatzlösung, sondern eine Klinik“

Gründung Bürgerinitiative : „Wadern braucht keine Ersatzlösung, sondern eine Klinik“

Der Vorsitzende der neu gegründeten Bürgerinitiative zum Erhalt des Krankenhauses sieht wie viele Waderner die Task-Force kritisch.

Mit dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative, Barnd Schröder, hat sich SZ-Redakteuriun Margit Stark über Aufgaben und Chancen der BI unterhalten.

Was hat den Ausschlag gegeben, eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Waderner Krankenhauses zu gründen?

Bernd Schröder: Um das Krankenhaus in Wadern zu erhalten, müssen dicke Bretter gebohrt werden. Das geht nur, wenn das Engagement für einen Erhalt eine Struktur hat und es eine Gruppe von Leuten gibt, die sich dafür einsetzen. Je mehr Unterstützer es gibt, um so mehr Druck kann aufgebaut werden. Ich schätze, dass es vier bis fünf Jahre dauert, bis es in Wadern wieder eine gute Gesundheitsversorgung gibt.

Sie rechnen damit, dass die Marienhaus GmbH das Waderner Krankenhaus wie angekündigt schließen wird?

Schröder: Ja, damit rechne ich.

Waren Sie mit der Resonanz auf den Aufruf zur Gründung der Bürgerinitiative zufrieden?

Schröder: Ja, es ist Ferienzeit. Viele Leute sind in Urlaub. Dennoch sind fast 300 Leute unserer Einladung gefolgt.

Bürgermeister Jochen Kuttler hat bei der Gründungsversammlung angedeutet, dass er mit möglichen Interessenten über die Übernahme des Krankenhauses verhandelt. Wie sehen Sie diese Chancen?

Schröder: Ich bin sehr froh darüber, dass er die Initiative ergriffen hat und nach einem Nachfolger sucht. Denn je mehr Zeit verstreicht, um so geringer werden die Chancen. Der Abbau schreitet schnell voran.

Hat die Marienhaus GmbH bereits mit dem Abbau begonnen?

Schröder: Ich habe gehört, dass sich einige des Personals bereits anderswo beworben haben sollen. Am Abend der Gründungsversammlung habe ich erfahren, dass das Anmeldezimmer ab 1. August nicht mehr besetzt sein soll. Das heißt, die Patienten, die eingeliefert werden, kommen direkt auf Station. Die Schwestern müssen neben ihren Aufgaben dann noch diese Arbeit übernehmen. Dies könnte zur Folge haben, dass weniger Menschen sich für eine Behandlung im Waderner Krankenhaus entscheiden – aus Angst vor einem möglichen Chaos.

Sind Ihres Wissens nach die Belegzahlen seit der Ankündigung, das Krankenhaus zu schließen, gesunken?

Schröder: Meines Wissens nach sind sie konstant hoch. Vielleicht will man sich noch einmal im Waderner Krankenhaus behandeln lassen, bevor es schließt.

Welche Abteilungen wünschen Sie sich für das Waderner Krankenhaus?

Schröder: Neben der Inneren ist  die Chirurgie dringend nötig. Das ist im Interesse der Patienten. Bislang hat dieses Zusammenspiel beider Abteilungen sehr gute Ergebnisse für die Patienten erbracht. Eine sinnvolle Ergänzung wäre eine neurologische Abteilung. Auch eine gerontologische Abteilung wäre gut. Neben Einheimischen, die altern, suchen auch viele Senioren im Hochwald, speziell in Wadern, eine zweite Heimat. In der überschaubaren Stadt gibt es genügend Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten, die zu Fuß zu erreichen sind. Daher ist sie bei Senioren sehr gefragt. Auch ist die Zahl der Seniorenheime in den vergangenen Jahren gewachsen, und weitere sind in Planung.

Es wird behauptet, dass das Krankenhaus systematisch an die Wand gefahren worden ist. Wie beurteilen Sie dies?

Schröder: Dieser Eindruck drängt sich auf. Wenn ein Chefarzt die Altersgrenze erreicht hat und in den Ruhestand geht, ist das länger bekannt als von heute auf morgen. Statt einen Nachfolger zu suchen, teilen sich Ärzte aus anderen Krankenhäusern diese Arbeit, je nachdem, wie sie Zeit haben. Ein Chefarzt zieht auch Privatpatienten an und kann Chefarzt-Rechnungen ausstellen. Von Fallpauschalen allein kann ein Krankenhaus nicht überleben.

Warum stehen so viele Waderner der Task-Force, die im Gesundheitsministerium eingerichtet worden ist, negativ gegenüber?

Schröder: Weil sie nur nach Ersatzlösungen für das Krankenhaus sucht, wie etwa Gesundheitszentrum. Wadern braucht aber ein Krankenhaus, da es nicht nur für die Stadt selbst, sondern auch für den gesamten Hochwald, wie etwa für Nonnweiler oder Nohfelden, zuständig ist. Ich kann mir vorstellen, dass das Gesundheitsministerium über eine Standort-Schließung, wie von der Marienhaus GmbH für Wadern geplant, nicht böse wäre, da es den Verantwortlichen einen Bettenabbau an der Saarschiene abnehmen würde.

Inwieweit haben die Standorte Losheim und Wadern zusammengearbeitet?

Schröder: In Wadern ist die Verwaltung und die EDV für das Losheimer Krankenhaus mitgemacht worden. Auch wurde für die Losheimer gekocht. Vielleicht könnte die Marienhaus GmbH einmal durchrechnen, welches Geld sie in Losheim investieren muss, um dort alles Nötige aufzubauen. Wir wären heilfroh, wenn die Marienhaus GmbH ihren Entschluss rückgängig machen würde und das Krankenhaus in Wadern erhalten würde.

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