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Viel Neues haben Archäologen über die Grabhügel in Oberlöstern entdeckt

Wadern : Ein Blick in die gallo-römische Vergangenheit des Löstertals

Professorin Sabine Hornung hat ihre neuesten Forschungsergebnisse über die Grabhügel in Oberlöstern in den Lichtspielen Wadern vorgestellt.

Mit seiner Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Heimat“ konzentriert sich der Verein für Heimatkunde Wadern auf Geschichte und Kultur im Hochwaldraum. Dass es dabei um alles andere als staubtrocken zugeht, bestätigte sich einmal mehr in den Lichtspielen Wadern. Dort präsentierte Professorin Sabine Hornung ihre neuen Forschungsergebnisse zur gallo-römischen Siedlungskammer Oberlöstern. Und Andreas Kronz vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen demonstrierte anschließend in seinen Vortrag, wie geologische Forschungen die archäologischen Schlussfolgerungen aus den Funden in Oberlöstern stützen können. Dieser Spannungsbogen zwischen Wissenschaft und lokaler Geschichte hielt die Zuhörer gut zwei Stunden in seinem Bann.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des gastgebenden Vereins, Dr. Jörg Müller, hielt Bürgermeister Jochen Kuttler mit seiner Begeisterung über die archäologische Arbeit in Oberlöstern nicht hinterm Berg. „Aus meiner Sicht ermöglichen uns dort die zwei gefundenen Grabhügel einen spannenden Blick in unsere Vergangenheit.“ Gleichzeitig betonte er seine Wertschätzung für die inzwischen rund drei Jahrzehnte währende archäologische Forschung, die von Hornung und ihren Mitarbeitern gerade nicht im „wissenschaftlichen Elfenbeinturm“ vorangetrieben werde. Damit auch die Öffentlichkeit davon weiterhin profitieren könne, wolle er sich in Saarbrücken um zusätzliche Förderungen bemühen.

Da traf es sich optimal, dass Kuttler bei dieser Veranstaltung erstmals den neuen Leiter des Landesdenkmalamtes, Dr. Georg Breitner, kennenlernte. Der wiederum lud den Bürgermeister anlässlich dessen geplanter Visite im Wirtschaftsministerium ein, auch ihn in der Landeshauptstadt zu besuchen: „Wir werden ihnen gerne im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen.“ Gerade die Publikationen von Hornung zeigten ihm, wie wichtig die Synergien wissenschaftlicher Arbeiten sind. Von der Kooperation zwischen seiner Behörde und der Universität Saarbrücken profitiere letztlich auch das Museum in Wadern, das Breitner als „Perle des Nordsaarlandes“ adelte.

Nach so viel Lob von allen Seiten präsentierte die Autorin den dritten Band ihrer Dokumentation „Mensch und Umwelt III“. Mit einem Archäologenteam der Uni Saarbrücken untersuchte Hornung von 2010 bis 2018 im Bereich Oberlöstern die Überreste einer gallo-römischen Siedlungskammer im Umfeld des keltischen Ringwalls von Otzenhausen. Zahlreiche Funde belegen hier nicht nur eine vorrömische Besiedlung, sondern ermöglichen durch ihre Vielfalt auch eine außergewöhnlich umfassende Rekonstruktion der damaligen Bevölkerung und ihrer Lebenswelt in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Und die Archäologin ließ nicht den Hauch eines Zweifels daran zu, „dass dies für mich der schönste Arbeitsplatz der Welt ist“.

Ihren Dank für die aus ihrer Sicht perfekte Zusammenarbeit mit allen Beteiligten richtete sie unter anderem an den Bürgermeister von Wadern und die zuständigen Behörden in der Landeshauptstadt. Dabei vergaß sie das Lob für die Unterstützung durch die vielen Studierenden ebenso wenig wie für die langjährige Kooperation mit dem Heimatverein. Hornung: „Geschichte und Archäologie verraten uns, woher wir kommen.“ Wichtig war ihr ferner der schmunzelnde Dank an die verständnisvollen Grundeigentümer der Ausgrabungsflächen: „Sie geben uns schließlich die Lizenz zum Löcher machen.“

Anschließend übergab sie das Mikrofon an Kronz zu seinem Vortrag über die unverhoffte Entdeckung zweier keltischer Mühlsteine in Oberlöstern und zur Besonderheit des lokalen Gesteins sowie dessen Nutzung in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Er ist seit 2007 einer der interdisziplinären Forschungspartner im Projekt „Mensch und Umwelt“ von Hornung und dokumentierte in seinem Beitrag eindrucksvoll, wie Geologie mit ihren Forschungen auch archäologische Schlussfolgerungen wissenschaftlich stützen kann.

So habe er Ende der 90er Jahre in den Steinbrüchen von Oberlöstertal unter anderem einen merkwürdigen Stein gefunden, der ihn an einen Napoleonhut erinnert habe, dem er zunächst aber keine weitere Beachtung geschenkt habe. Erst rund zehn Jahre später habe er herausgefunden, dass es sich dabei um alte Mahlsteine handelt. Als Geologe sei die Schlussfolgerung ein Leichtes für ihn gewesen, dass die Steine aus dem Bruchareal von Oberlöstertal wegen ihrer Materialbeschaffenheit als Mahlsteine nicht geeignet gewesen seien. Die Mühlsteine, die man im römischen Lager gefunden habe, stammten vielmehr vermutlich aus Frankreich. Kronz: „Mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen konnten wir Geologen letztlich einen Beitrag zur Datierung des römischen Lagers leisten.“

Mit seiner Bitte an die Menschen des Hochwaldes, mögliche Zufallsfunde wie solche „Napoleonhüte“ unbedingt zu melden, klang der offizielle Teil dieses Abends aus. In kleinen Gesprächsrunden – die Stadt Wadern hatte für die freundliche Bewirtung gesorgt – waren sich die Gäste einig, einen ebenso unterhaltsamen wie spannenden Abend verlebt zu haben.