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Stabwechsel an der Spitze der Steinberger Kappensitzung nach 32 Jahren

Steinberg : König Bodo übergibt Zepter an Ritter Dachlatt

Die Steinberger Kappensitzung begann mit einem Thronwechsel. Neuer Regent der Stemrischer Narren ist Thomas Johann.

Mit einer großen Überraschung und auch etwas Wehmut begann die 32. Kappensitzung der Närrischen Drei (Sportverein, Damenturnverein, Alte Herren) im höchstgelegenen Waderner Stadtteil Stämrisch (Steinberg). „32 Jahre lang habe ich dieses Bergvolk von der Narrenburg aus regiert, danke nunmehr nach reiflicher Überlegung ab und reiche nun Krone und Zepter an den Vollblut-Stämrischer und meinen langjährigen treuen Begleiter Ritter Dachlatt weiter“, nahm König Bodo (Hans Trampert) Abschied von der Narrenbühne, ließ Ritter Dachlatt (Thomas Johann) niederknien und krönte ihn zum neuen König. Als neuen Begleiter hatte König Bodo auf Vorschlag von Nachtwächter Fritzi den Knappen Jonathan auserkoren, der daraufhin den Ritterschlag vom neuen König erfuhr. Beide regieren nunmehr das Stämrischer Narrenvolk, ihnen zu Ehren legten die Gardemädchen einen schmissigen Gardetanz aufs Parkett. Funkenmariechen Emmy stand diesen Mädels in nichts nach, wirbelte gekonnt sportlich und akrobatisch über die Bretter. Die kleine Showtanzgruppe entführte das gut gelaunte Narrenvolk in die weit entfernte Galaxie. Nicht fußkrank oder lahm zeigte sich das agile Männerballett, das den berühmten „Pink Panter“ tänzerisch mimte. Die Stone Hill Rockers glänzten als Candy-Girls, derweil die Hot Dancing Chicken Super-Hausfrauen tänzerisch darstellten. Mit etlichen Raketen wurden die Tänzerinnen und Tänzer entlohnt, mussten jedoch zuvor noch die lautstark geforderten Zugaben darbieten. Dann gab es Küsschen und Orden von König Dachlatt und Ritter Jonathan.

Die Büttenreden waren auch nicht ohne. Ob das geplagte Ehepaar, das von seinem anstrengenden Urlaub und Wanderungen rund um die Winklmoos-Alm und dem Ersteigen von Hütten und Gipfeln mit viel Charme und Witz plauderte, dabei aber nicht vergaß, dem oder der Angetrauten noch einen spitzen Seitenhieb zu versetzen. Der Heimwerker und versierte Handwerker, der sein Debüt in der Bütt gab, klärte das Narrenvolk fachmännisch versiert über das Abc des Selbermachens auf. Die Tipps waren durchaus logisch, klappten aber nicht immer wie gewünscht. „Man muss sich einfach nur zu helfen wissen“, lautete seine Parole – ein großartiger Auftritt. Kochen, Waschen, Bügeln, Gardinen aufhängen, Putzen, Nähen, all diese Dinge sind etwas für Frauen, aber der Hausmann gab zum Besten, dass er Probleme damit habe.

Ein frisch vermähltes Ehepaar erzählte aus dem Nähkästchen, und das nach 17 Jahren Verlobungszeit. Kräftig-derb geht es zuweilen bei Stammtischbrüdern zub, da wird kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum geht, Bekannte oder Nachbarn durch den Kakao zu ziehen. Thomas und Marco war dies bestens gelungen. Nette Geschichten und Anekdoten aus dem Dorf sind Sache der Läädbachspatzen. „In Steinberg gehen früh die Lichter aus, man sieht nicht mehr von Haus zu Haus“, monierten sie einerseits die vielen neuinstallierten Billiglampen durch die Kommune, um aber andererseits auch einen Vorteil darin zu sehen, denn manches Ehepaar wird damit wohl an seine Ehepflichten erinnert und sorgt für mehr Nachwuchs, damit Steinberg nicht ausstirbt. Ein Loblied stimmten sie auch auf den Napoleon von Steinberg an – gemeint ist Ex-Ortsvorsteher Christoph Trampert, der nur etwas größer als eine Schweinstalltür war, für den kleinen Ort geht er aber als der Größte in die Geschichte ein. Jetzt hat er abgedankt, die Dorfgemeinschaft dankt ihm sehr. Mittlerweile ist er sogar zum Ehrenstockbauer gekürt worden, mit Knubbenspallerorden dekoriert. Spitze Pfeile Richtung Morscholz wurden ebenfalls abgeschossen.