Seelsorge als Lebensmedizin

Wadern. "Es gibt nichts Schöneres, als für andere Menschen da zu sein - daraus schöpfe ich meine Kraft, das ist meine Lebensmedizin", sagt Schnur über sich selbst. Seit 64 Jahren ist er als Seelsorger tätig, davon 32 Jahre für Einrichtungen der Waldbreitbacher Franziskanerinnen und seit 1993 im St. Maria Altenheim und vertretungsweise in der Marienhausklinik St. Elisabeth Wadern

Wadern. "Es gibt nichts Schöneres, als für andere Menschen da zu sein - daraus schöpfe ich meine Kraft, das ist meine Lebensmedizin", sagt Schnur über sich selbst. Seit 64 Jahren ist er als Seelsorger tätig, davon 32 Jahre für Einrichtungen der Waldbreitbacher Franziskanerinnen und seit 1993 im St. Maria Altenheim und vertretungsweise in der Marienhausklinik St. Elisabeth Wadern. Anfang März feierte er seinen 95. Geburtstag. Damit ist er der älteste Seelsorger in der ganzen Trägerschaft. Und so lange er noch kann, möchte er weiter seinen Dienst versehen: "Ich bin froh, dass ich mich noch immer in der Seelsorge engagieren kann", sagt der rüstige Pater. Für ihn sei es das Schönste, wenn er mit Menschen zu tun habe, egal wie sie sind. Er hat ein offenes Ohr für alle. Gerade im Krankenhaus und Altenheim hat er dabei immer genug zu tun. "Die Lebensfreude und Kraft, die er ausstrahlt, tut nicht nur unseren Patienten und den Bewohnern des Altenheimes gut, sondern auch uns Mitarbeitern", weiß Krankenhausoberin Anette Münster-Weber. Pater Schnur stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf und halte um neun Uhr die heilige Messe, sonntags sogar zwei. Er spende den Kranken Trost und ist jeden Tag auf der Intensivstation. "Damit sie mich nicht nachts rufen", erklärt er schmunzelnd. Seit Anfang des Jahres hat er schon 60 Krankensalbungen gespendet. Auf Wunsch spendet er auch die Krankenkommunion. Aber auch sein täglicher Besuch im Altenheim ist für alle Bewohner eine Bereicherung. Er ist zudem Mitbegründer der Ehrenamtsgruppe "Theresianer". Das ist das Gegenstück der "Grünen Damen" im Krankenhaus. Sie reden, singen und machen Rätsel mit den Bewohnern. "Meine ersten Schritte in der Seelsorge habe ich 1942 in Trier gemacht", erinnert sich Pater Schnur. Der Schritt aus dem "warmen Kloster" hinaus mitten "in das richtige Leben" hat ihn innerlich für die Seelsorge geprägt. Der 1914 geborene Hasborner gehört seit 1930 den Steyler Missionaren an und erhielt seine Ausbildung im Missionshaus St. Wendel. 1941 wurde er im Missions-Priesterseminar St. Augustin bei Bonn zum Priester geweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mit dem Wiederaufbau des Missionshauses in St. Wendel betraut. "Aber das war nicht das Richtige für mich", sagt er heute. "Ich wollte wieder mit Menschen zusammenarbeiten, sie auf ihrem Lebensweg begleiten."Zwischen 1951 und 1976 war er als Exerzitienseelsorger tätig. Auf diese Weise kam der Kontakt mit den Waldbreitbacher Franziskanerinnen zu Stande. Der agile Pater, der immer zu einem Späßchen aufgelegt ist, beschreibt seine Aufgabe als Seelsorger so: "Ich muss als Priester Mensch sein und mit ihnen dieselbe Sprache sprechen. Je weniger man sich auf sich selbst konzentriert, desto mehr kann man auf die Probleme anderer eingehen. Man muss beweglich bleiben, immer offen sein für Neues." Bei der Feierstunde zu seinem 95. Geburtstag hat er eine besondere Atmosphäre verspürt. "Es hat geknistert. Bei den jungen und älteren Gästen habe ich ein Gefühl von Dankbarkeit gespürt. Das macht mich stolz und froh, denn ich fühle, dass ich auf dem richtigen Weg bin." "Die Lebensfreude und Kraft, die er ausstrahlt, tut allen gut."KrankenhausoberinAnette Münster-Weber"Es gibt nichts Schöneres, als für andere Menschen da zu sein."Pater Klaus Schnur