Schulgebäude in Wadrill feiert seinen 60. Geburtstag

Wadrill : Seit 60 Jahren ein Ort zum Lernen und Leben

1959 bezog die Grundschule Wadrill ein neues Domizil in der heutigen Schlimmfeldstraße. Das Jubiläum wird heute groß gefeiert.

„Auf diesen Tag haben wir sehr lange gewartet“, freute sich Schulleiter Eduard Schuh vom Schulverband Wadrill-Gehweiler-Reidelbach, als ihm Amtsvorsteher Herbert Klein am 15. September 1959 die Schlüssel für ein neues Schulgebäude übergeben hatte. Das ist nunmehr stolze 60 Jahre her. Fast auf den Tag genau, feiert die Grundschule Wadrill St. Martin an diesem Freitag, 27. September, ihr Schulfest, mit eingebunden ist die Geburtstagsfeier für das Schulgebäude. Hierzu ist auch die Bevölkerung eingeladen, schließlich ist das Schulgebäude neben Kirche und Friedhof ein weiteres Gebilde, welches die Bevölkerung im neuen Waderner Stadtteil Wadrilltal eint.

Schulleiter Schuh war die Triebfeder für dieses neue Schulgebäude. Mit seinem Dienstantritt 1952 hatte er bereits sehr früh erkannt, dass die vorhandenen fünf Räumlichkeiten, die in drei unterschiedlichen Gebäuden untergebracht waren, für die Anzahl der Jungen und Mädchen nicht mehr lange ausreichen würden, auch im Hinblick auf die stärkeren Nachkriegs-Jahrgänge. Zudem war die Instandhaltung der alten Mädchenschule aus dem Jahre 1826, ältestes Schulgebäude in Wadrill, das mittlerweile seit über drei Jahrzehnten dem Jugendclub Wadrill als Bleibe dient, und der Großen Jungenschule aus dem Jahre 1900, gerade mal abgeschlossen worden. Die Mädchenschule unterhalb der Jungenschule wurde später abgerissen und an ihrer Stelle ein Wohnhaus mit zwei Lehrerdienstwohnungen (1966) gebaut, um dem ständigen Lehrerwechsel ein Ende zu bereiten. Eine weitere und erneute Instandhaltung der Gebäude war zu teuer.

Zudem brauchten die Schulkinder einen Schulhof, denn in den Pausen waren sie entlang der Sitzerather Straße dem immer stärker werdenden Straßenverkehr ausgesetzt. In Gehweiler regten sich erste Kräfte, die den Bau einer eigenen Schule anstrebten. Einer gewissen Fehlentwicklung – Sanierung war zudem sicherlich teurer als ein Neubau – wollte Schuh vorbeugen und beantragte im Oktober 1952 den Bau einer sechsklassigen Volksschule, den der Gemeinderat beschließen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wurden 193 Schüler von fünf Lehrern unterrichtet. Aber von diesem Antrag bis zum Bau sollte es ein weiter, mit vielen Hindernissen gepflasterter und schwieriger Weg werden.

Der Hauptlehrer war gezwungen, ständig den Gemeinderat und Ortsbürgermeister sowie die maßgeblichen Behörden und Gremien zu beknieen, um den Bau in Gang zu bringen. In den Jahren 1954 und 1955 wurden durch den Schulvorstand Gelder bewilligt für den Neubau der Schule zwischen Friedhof und den damaligen Schulgebäuden. Die Pläne konkretisierten sich. Das Schulgebäude sollte für sieben Klassen angelegt werden, zusätzlich eine Turnhalle, eine Pausenhalle und eine Hausmeisterwohnung haben, aber kein Volksbad. Auch wurde der Plan verworfen einen Kindergarten anzubauen. Der sollte später 1966 von der Pfarrgemeinde an anderer Stelle errichtet werden.

Im Juni 1957 begannen endlich die Ausschachtarbeiten, ein Jahr später wurde in kleinem Kreis Richtfest gefeiert und statt im Frühjahr erst im September 1959 die Einweihung. Die Merziger Volkszeitung schreibt einen Tag später von einem „historischen Tag für die Hochwaldgemeinde“. Amtsvorsteher Klein wies auf die Bedeutung des Tages hin, denn eine Generation erlebt nur einmal eine Schuleinweihung. Schulleiter Schuh nannte den Tag „einen ganz lang ersehnten Tag“. Pastor Waldemar Schuler nahm die Einsegnung vor und spricht von „einem Bollwerk christlichen und humanitären Geistes“.

Amtsvorsteher Herbert Klein (li) übergibt den Schulschlüssel an Schulleiter Eduard Schuh. In der zweiten Reihe sitzt Pastor Waldemar Schuler. Foto: eb

Nicht erwähnt wurde, dass das Lehrpersonal mit zwei Helfern für den Umzug der Schulmöbel selbst Hand anlegen musste, um dem Schulverband Geld zu sparen. Das von den Lehrern mühsam ersparte Geld für Inventar und Lehrmittel hatte Amtsvorsteher Klein ohne Angabe von Gründen in den Neubau gesteckt. Man musste also mit alten Möbeln Vorlieb nehmen. „Wir hatten nicht einmal mehr Geld für Kreide“, schrieb der Schulleiter später in die Schulchronik. Umrahmt wurde die festliche Einweihung vom Schülerchor und einer Flötengruppe mit musikalischen Beiträgen, Schülerin Ilse Weber trug das Gedicht „Lied der Arbeit“ vor, derweil mit dem Lied „Jeden Morgen geht die Sonne auf“ der Festakt beendet wurde. Alle Bürger durften die Gelegenheit wahrnehmen, jeden hellen und freundlichen Raum des siebenklassigen Baues für den Schulbetrieb zu besichtigen. Für die Schülerinnen und Schüler gab es zum Lohn einen Weck mit einer Wurst.