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Strukturierter Dialog:
Schüler debattieren über aktuelle Politik

Die neue HWG-Projektgruppe für das „Modell Europa Parlament“ mit dem Projekt-Mentor und SPD-Landtagsabgeordneten Magnus Jung (Vierter von links).
Die neue HWG-Projektgruppe für das „Modell Europa Parlament“ mit dem Projekt-Mentor und SPD-Landtagsabgeordneten Magnus Jung (Vierter von links). FOTO: Erwin Didas
Wadern. Beim Planspiel „Modell Europa Parlament“ in Berlin vertreten Zehntklässler des Hochwald-Gymnasiums das Saarland.

(red) „Strukturierter Dialog“ – so nennt sich ein Projekt, das im Rahmen des Programms „Erasmus plus“ junge Menschen in Europa dazu auffordert, sich politisch zu informieren und ihre Meinungen mit politisch Verantwortlichen zu diskutieren. Genau dies wurde jetzt in der Mediothek des Hochwald-Gymnasiums (HWG) Wadern in die Tat umgesetzt. Die jungen Menschen waren Zehntklässler, die in diesem Jahr an der Arbeitsgemeinschaft „Modell Europa Parlament“ teilnehmen und sich demnächst nach Berlin aufmachen, um gemeinsam mit Jugendlichen aus ganz Deutschland für eine Woche in die Rolle von Europaabgeordneten zu schlüpfen. Dort werden sie in einem politischen Planspiel die parlamentarische Arbeit kennenlernen, werden in Ausschüssen Resolutionen zu aktuellen europäischen Themen formulieren und diese in einer Plenarsitzung diskutieren. Der politisch Verantwortliche war der Landtagsabgeordnete Dr. Magnus Jung, selbst früher Schüler am HWG, der sich gerne bereiterklärte, mit den Jugendlichen zu diskutieren.


Klar Stellung bezog Jung zu der Frage der Jugendlichen, wie ihre Interessen im politischen Prozess besser zur Geltung kommen könnten: „Politik ist das Durchsetzen von Interessen im pluralistischen Prozess. Wenn ich also Interessen durchsetzen will, ist es dazu notwendig, diese Interessen auch politisch offensiv zu vertreten.“ Jung forderte also die Jugendlichen dazu auf, sich politisch zu engagieren und für ihre Interessen zu kämpfen, und zeigte viele Möglichkeiten auf, wie politisches Engagement Jugendlicher möglich sei. Als negatives Gegenbeispiel nannte er den Brexit, bei dem viele junge Menschen sich nicht an der Abstimmung beteiligt hätten und sich anschließend über das Ergebnis beklagt hätten.

Auch bei der Frage nach der Entstehung von „Vereinigten Staaten von Europa“ hatte Jung eine klare Meinung: Er glaubt, dass dafür die EU umgestaltet werden müsse zu einem demokratischen System mit einer echten europäischen Regierung und einem Parlament mit echten parlamentarischen Rechten. Dafür sei es aber notwendig, die nationalen Egoismen hinter sich zu lassen, die im Moment die Europapolitik noch zu stark bestimmten.

Neben der Europapolitik wurden auch aktuelle Fragen der Landes- und Bundespolitik bei der Diskussion angesprochen. So machte Magnus Jung, der im Landtag der SPD-Fraktion angehört und auch SPD-Kreisvorsitzender im Kreis St. Wendel ist, klar, dass er in der jetzigen Situation die Bildung einer großen Koalition auf Bundesebene befürwortet. Die Alternative Neuwahlen hält er für problematisch. Neben den inhaltlichen Themen interessierten sich die HWG-Schüler aufgrund ihres anstehenden Ausflugs ins parlamentarische Leben auch für die Arbeit eines Abgeordneten. Jung stellte dar, wie die Arbeit im Landtag funktioniert und wie für Abgeordnete eine typische Arbeitswoche aussieht. Er wünschte den Jugendlichen viel Spaß bei ihren parlamentarischen Erfahrungen und äußerte den Wunsch, dass sie auch nach dem Projekt politisch engagiert bleiben.