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Wadern
Besuch an einem Ort der Unmenschlichkeit

Ort des Schreckens und der Unmenschlichkeit: Von 1941 bis Ende 1944 gab es das Konzentrationslager Struthof. Es wurde als ein sogenanntes Straf- und Arbeitslager geführt.
Ort des Schreckens und der Unmenschlichkeit: Von 1941 bis Ende 1944 gab es das Konzentrationslager Struthof. Es wurde als ein sogenanntes Straf- und Arbeitslager geführt. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Seeger
Wadern/Natzweiler-Struthof. „Das gesamte Lager scheint als eine einzige Schikane konzipiert worden zu sein“, schreibt David Blasius, Schüler des Hochwaldgymnasiums Wadern. Er hat mit Mitschülern und Lehrern das KZ Struthof besucht. red

22 000 unnötig geforderte Menschenleben. So viele unschuldige Insassen mussten während der NS-Zeit ihr Leben im KZ Natzweiler-Struthof lassen und ein Hauch des Schreckens hallt selbst heute noch von dem mit Wachtürmen und Gitterzaun umsäumten KZ-Gelände wider.


Alle Geschichtsschüler der 12. Klassenstufe traten zusammen mit ihren Lehrern Felix Hedrich und Stephan Sauer die Besichtigungstour zum KZ Struthof im Elsass an. Axel Brück lieferte während der gesamten Exkursion den historischen Kontext und beantwortete unsere Fragen.  Zuerst besichtigten wir die außerhalb des eigentlichen Lagers befindliche Sandgrube, in der die ersten Opfer durch die dort stationierte SS-Riege auf willkürliche Weise ihren Tod fanden. Danach ging es hinauf zum in 800 Metern Höhe gelegenen Steinbruch, bei dem der herrliche Panoramablick auf die Vogesen und das darunter sich erstreckende Dorf in keiner Weise das damalige Grauen der dort arbeitenden Insassen widerspiegelte.

Erst beim Betreten des Lagers durch das mit spitzen Holzpfählen errichtete Eingangstor wird einem bewusst, dass sogar das letzte bisschen an Humanität, das davor noch zu gelten schien, völlig abgestreift wurde. Nachdem man das Tor passiert hatte, wurde man auf die unverfrorene Unmenschlichkeit, die dahinter lauerte, losgelassen. Laut Axel Brück war man bloß noch eine zugewiesene Nummer, mit der sich jeder Häftling auszuweisen hatte und mit der er angesprochen wurde. Die Individualität wurde abgeschafft und die Auswechselbarkeit eingeführt. Die Einordnung in die Insassengruppierungen wurden mit Stoffdreiecken an der gestreiften Häftlingsbekleidung gekennzeichnet: Rot für politische Häftlinge, Violett für Bibelforscher (Zeugen Jehovas), Schwarz für „Asoziale“, Grün für Kriminelle, Rosa für Homosexuelle, Blau für Emigranten und ein gelber Stern für Juden. Bereits im Eingangsbereich zu erkennen ist das 1960 erbaute, flammenförmige Mahnmal für die Deportierten und eine noch erhaltene blaue Baracke, welche eigentlich für bis zu 250 Personen ausgelegt war, in der jedoch tatsächlich bis zu 750 Insassen eingepfercht wurden. Im Vergleich zu der etwas abseits gelegenen Luxusvilla des Hauptkommandanten sorgten diese beschriebenen Zustände für bloßes Kopfschütteln und blankes Entsetzen bei unserer Exkursionsgruppe.„Vernichtung durch Arbeit“ war die übliche Praxis des KZ Struthof, wodurch es sich von den reinen Vernichtungslagern unterschied. Man folgte der Devise, dass man viel zu wenig in die inhaftierten Arbeiter investierte, jedoch den meisten Nutzen aus ihnen herauszog. Somit starben viele an Unterernährung oder unterlassener Hilfeleistung, beispielsweise bei Arbeitsunfällen im Steinbruch.  Deren Leichen wurden dann in dem auch von uns in Augenschein genommenen Brennofen „entsorgt“.



Während wir das Lager durchquerten, informierte Axel Brück uns über die im Lager gängigen Bestrafungen der Häftlinge bei Regelverstößen. Bei schwereren Vergehen konnte Struthof zu Demonstrationszwecken eine Vielzahl an Perfiditäten aufbieten. Diese umfassten z. B. ein verlangsamtes Erhängen durch einen mechanisch präparierten Galgen oder einen mehr geheim gehaltenen qualvollen Tod der Insassen aufgrund der an ihnen durchgeführten wissenschaftlichen Experimente. Doch dort hörte die Tyrannisierung der Gefangenen noch lange nicht auf. Das gesamte Lager scheint als eine einzige Schikane konzipiert worden zu sein. Beispielsweise wurden selbst die auf dem terrassenförmigen Hof befindlichen Treppen  absichtlich mit unterschiedlichen Höhen konstruiert, sodass die Insassen stolperten und sich dabei Verletzungen zuzogen.

Formal endete unsere Besichtigung mit einer Schweigeminute an der in Struthof eingerichteten Gedenkstätte. Jedoch machten wir danach noch einen kurzen Abstecher zum Museum, welches zuvor eine der Baracken war, und zur zwei Kilometer entfernten Gaskammer. Insgesamt hat dieser Tag einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen und uns sehr nachdenklich gestimmt angesichts der heute wieder stärker um sich greifenden Leugnung der NS-Verbrechen.