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Schüler aus Wadern auf Spuren deutsch-französischer Geschichte

Hochwald-Gymnasium : Auf Spuren deutsch-französischer Geschichte

Schüler des Hochwald-Gymnasiums Wadern haben bei einer Studienreise in die Vogesen viel über den Zweiten Weltkrieg gelernt.

Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart besser verstehen, für die Zukunft wichtige Schlüsse daraus ziehen – so könnte man die Erfahrungen zusammenfassen, die 60 Schülerinnen und Schüler des Hochwald-Gymnasiums Wadern bei einer Studienfahrt in die Vogesen sammeln konnten. Ziel war die internationale Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Albert Schweitzer im französischen Niederbronn-les-Bains. Diese wird betrieben vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und hat es sich zum Ziel gesetzt, Jugendlichen die Vergangenheit Europas mit authentischen Materialen näherzubringen und sie so zu sensibilisieren dafür, wie die Kooperation der Staaten zum Beispiel in der EU in der heutigen Zeit ist.

Auf dem Gelände der Bildungsstätte befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof mit fast 16 000 Gräbern. Bei einer Führung machte Joelle Winter den Jugendlichen aus der Klassenstufe 11 des HWG anhand von Einzelschicksalen klar, was der Zweite Weltkrieg für die Menschen bedeutet hat. Sie legte dabei großen Wert auf „Multiperspektivität“, also die Betrachtung der Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln. Das wurde zum Beispiel deutlich an der Tatsache, dass ein deutscher Soldatenfriedhof auf französischem Boden von einer deutschen Organisation mit französischen Mitarbeitern betrieben wird. Die Einrichtung dieses Friedhofes sei bei der Bevölkerung vor Ort sehr unterschiedlich aufgenommen worden, und es habe auch Kritiker gegeben, die aus ihren Erfahrungen im Krieg heraus keinen deutschen Friedhof auf französischem Boden gewollt hätten.

Joelle Winter spannte immer wieder den Bogen zur Aktualität, zum Beispiel, als sie die Geschichte eines Gefallenen erzählte, der aus der Ukraine stammte und auf deutscher Seite im Krieg gekämpft habe, was im Zweiten Weltkrieg keine Seltenheit gewesen sei. Sie erläuterte, dass dies mit der historischen Erfahrung der Ukrainer mit Russland zu tun habe und dass man vor diesem Hintergrund den aktuellen Krieg zwischen Russland und der Ukraine besser verstehen könne.

Nach der Führung beschäftigten sich die Waderner Jugendlichen, die alle in der Oberstufe das Fach Politik gewählt haben, in Workshops mit Schicksalen von Menschen, die auf dem Friedhof bestattet sind. Die Bildungsstätte sammelt seit langem Material zum Leben dieser Menschen und erhält hierzu immer wieder wichtige Hinweise von Angehörigen. Eine Schülerin stellte zum Beispiel in der Abschlussrunde das Schicksal Benno Gräfner vor, der vom katholischen Glauben geprägt war und gegen seine Überzeugung zwangsweise der Waffen-SS beitreten musste. Er starb dann kurz vor Kriegsende mit 18 Jahren bei einem Fronteinsatz. In einem anderen Workshop beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit Abschiedsbriefen von Widerstandskämpfern, die diese kurz vor ihrer Hinrichtung an Angehörige geschrieben hatten. Mira Schäfer und Amelie Reinert waren sehr beeindruckt davon, wie gefasst die Briefschreiber kurz vor ihrem Tod waren und dass sie in der Überzeugung gestorben sind, für eine gute Sache gekämpft und ihr Leben gelassen zu haben.

Aus der Vergangenheit lernen für die Zukunft – das stand dann am zweiten Tag auf dem Programm. Schließlich war die Gründung der heutigen Europäischen Union eine der zentralen Schlussfolgerungen, die führende Politiker aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges gezogen haben.

Die Jugendlichen aus Wadern verbrachten diesen Tag in Straßburg, einer der Städte, die wichtige Institutionen des Vereinten Europa beherbergen. So stand für die Schülerinnen und Schüler ein Besuch im Europäischen Parlament auf dem Programm. Dieses direkt vom Volk gewählte EU-Organ spiel eine wichtige Rolle dabei, den Willen der europäischen Bevölkerung in den Gesetzgebungsprozess der EU einzubringen.

 Im Anschluss des Besuchs an den Gräbern beschäftigten sich die Schüler mit den Schicksalen von dort Bestatteten.
Im Anschluss des Besuchs an den Gräbern beschäftigten sich die Schüler mit den Schicksalen von dort Bestatteten. Foto: Edwin Didas
 Auf dem Programm der Bildungsfahrt stand auch ein Besuch auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Niederbronn-les-Bains.
Auf dem Programm der Bildungsfahrt stand auch ein Besuch auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Niederbronn-les-Bains. Foto: Edwin Didas

Das Hochwald-Gymnasium in Wadern hat sich gerade auf den Weg gemacht, das Thema Europa im Schulprofil zu verankern. Insofern waren die beiden Tage in Niederbronn-les-Bains und Straßburg ein wichtiger Baustein dafür, bei den Schülerinnen und Schülern das Verständnis für Europa vor dem Hintergrund seiner Geschichte zu fördern. Vorbereitet wurde die Fahrt von Politiklehrer Torsten Barbian.